Beim essen, zur Mittagszeit, ich hungrig aß und klapperte mit dem Geschirr
Klick, Klack, die Gabel mit dem Messer trieb anscheinend verkehr
ich gesättigt war und mir ein Getränk einschenkte
dachte schon das Glas ist voll, denn bis zum Rande fehlte nur ein Zoll
die schaumige Krone des Bieres über den Glasrand quoll

die Erkenntnis—ich bin nicht voll

zu späterer Stunde, es war wohl gegen zehn oder neun
nicht mehr fähig, mich eines klaren Gedankens zu erfreun
schlief ich ein und wünschte den Morgen mir her
meine Gedanken im Traum trieben weit umher
aus dem Bette ich fiel und stieß mir den Kopf ganz doll

das Wissen—man bin ich voll

am Morgen des nächsten Tages ich eine Beule hatte
im Kopf das Gefühl, er bestehe nur aus Watte
das Nötigste ich mir einkauf und auf der Bank genoß ein Bier
es ist wohl nach der Zeit kurz vor vier
ich mir unfertige Arbeit anschau und mich frage, was das werden soll

und überhaupt—warum bin ich nicht voll

desweiteren ich diesen Tages, mich hingab, diesem Saufgelage
ich der Muttersprache nicht mehr mächtig und nur noch lallte
ein Buch zu lesen ich nicht mehr vermochte, so sehr ich auch mochte
ich mir Musik anhörte in Dur und Moll
im Takte ich nicht summte, sondern mit den Augen roll

auf dem Tisch—ein Glas, ganz voll

so vergehn die Jahr, abends breit und morgens ein Bier ganz schal
wenig Essen, wenig Schlaf, die Gedanken aufs Glas gerichtet
ich bei mir dachte, was der Alkohol aus mir machte
kein Kontakt zur Außenwelt, Leben wie auf einem entfernten Atoll
Gefühlsregung null, Umgangssprache wie ein Proll

der Kühlschrank—mit Bier ganz voll

auf einem Flohmarkt ich dann erspähe, einen Gegenstand der mich verstehe
mit wenig Geld ich mir ihn dann auch kaufte
einen Ehrenplatz er bekam, über dem Bücherregal
so hat er seinen Platz bei mir gefunden
wenn ich verschwinde, nehme ich an ist auch er verschwunden

sein Eindruck—keinesfalls einen gesunden

ich bin auch öfter am Grübeln, warum er macht diesen Eindruck, den Übeln
was ihn hat so mitgenommen, ich ihn auch mal fragte
doch er sitzt einfach nur da, über dem Bücherregal
mit seinen zerbrochenen Gliedern und den Wunden
doch auch als er neu war, war er sicher schon so geschunden

sein Aussehn—keinesfalls einen gesunden

es war kurz vor der Jahreswende, als ich ihn trug, mit meiner eignen Hände
vor mir auf den Tisch ich ihn stellte und ihn mir genau ansah
von oben bis unten ich ihn mir anschaute, und plötzlich gab er von sich,
seine ersten Laute
aus seinen Worten ging hervor, daß er umherziehe in Spähren, in Runden
dass er meinte, Raum und Zeit zu überschreiten habe und hat überwunden

darum er den Eindruck erwecke—diesen ungesunden

holdes Wesen, ich doch sehr Begehr, Deinen Namen zu erfahren wünsche ich mir sehr
kurzes Schweigen, doch dann fing er wieder an mir zu erzählen:
durch alles ich mich bewege, ich durch den Kosmos schwebe
ich niemals bin durch irgendwas gebunden
10 000 Jahre sind für mich Minuten und Sekunden

heiß dich jetzt willkommen—bei den ungesunden

des weiteren hört ich: ich kann dir nicht sagen, meinen einzigen Namen
mein Name ist nicht Schall und Rauch, darum ich nicht schwafel
eine weiße Tafel du mir jetzt machst, mit genügend Platz
auf dieser werde ich geben dir einen Namen, in Leinen gebunden
es keine Rolle spielt, wann ich über dich komme, oder zu welchen Stunden

eine bitte ich habe, du die Dinge sein läßt—diese ungesunden

so fing ich an und kritzelte drauf los, die Buchstaben fielen mir förmlich in den Schoß
fiel mir nichts mehr ein, malte ich kleine Bilder
dabei wurde ich immer wilder und es gab für mich dabei keine Verbotsschilder
mich übermannte dabei ein Gefühl, welches ich vorher niemals spürte
ich fühlte mich mollig warm und hatte den Eindruck, daß er mich verführte

nicht ich meine Hand beherrschte—sondern er sie führte

er wurde mir immer vertrauter und seine Stimme immer lauter
doch überforderte er mich nie, er sagte: du hast Zeit
halte dich morgen wieder bereit, dann ist es soweit
dann zeig ich dir etwas, was dich vor langer Zeit berührte
wer vor langer Zeit, kurz vor seinem Tod, Durst verspürte

und ich sah ein Symbol—und wohin es führte

dies ist also dein Zeichen, wovor Untote weichen
eine Frage ich habe, warum ist dies Todeszeichen Gewähr der Auferstehung ?
er sagte: jede Zeit braucht ein Symbol der Bewegung, der Entstehung
doch sei unbesorgt, für dich hab ich etwas, daß nicht davon herrührte
Jerichos Rosensamen ich deinetwegen versprühte

wie damals—als ich dich führte

ich grübelte hin und her und das Denken fiel mir schwer
mir gings nicht so gut und mein Geisteszustand fing an sich zu verschlimmern
ich konnte mich nicht an ihn erinnern und fing leise an zu wimmern
wußte ich doch nicht, wer er ist oder war
so ging ich erstmal einen trinken, in meiner Lieblingsbar

und er war mir jetzt—nicht mehr nah

zum Abschalten ich ein Bier bestellte, mich an den Tresen stellte
doch fehlte mit etwas, das ich durch ihn empfand
nachhause bin ich gerannt und er war da, in seinem Gewand
meine Freude grenzte an Wahnsinn und es war wunderbar
er fragte: na, hast du wieder getrunken, über deinen Etat?

und er war mir jetzt wieder—ganz nah

ach, fing ich an zu erzählen: ich will weder mein noch anderes Elend sehen
überdrüssig ich bin, mich damit auseinander zu setzen
müde ich bin mich abzuhetzen, nach verlorenen Schätzen
ziehe mich aus der Blender-Gesellschaft zurück und mach mich lieber rar
bin lieber für mich und schaue nicht auf das was ich sah

bin lieber mir—ganz nah

er sprach zu mir und fing so an: große Ziele man nicht allein bewerkstelligen
kann
Menschen du dir suchst und erinnere sie an das, was ihr gemeinsam habt
alle hatten oder haben doch Vater oder Mutter am Anfang gesagt
jedes Lebewesen entsteht doch aus Ma und Pa
ob hilfloser, Meister, Arbeiter, Angestellter, Kaiser, Fürst oder Zar

der Titel egal sein sollte wenn man sich ist—ganz nah

je mehr Worte ich von ihm hörte, desto mehr Eide wurden aufgehoben, die
ich schwörte
alles Komplizierte verlor einen Teil seiner Faszination
bei der abstraktesten Komplikation, wußte er die Antwort schon
und einmal sagte er zu mir, wo er nicht so gerne war
wie er rief und schrie und niemand war da, damals in Golgatha

und ich bin bei ihm—ganz nah