Thema: Wintersaat

  1. #1
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    Wintersaat

    Wintersaatbegrünte Felder
    strecken weit sich in das Land,
    herbstbelaubte, bunte Wälder
    zieren gelbrot ihren Rand.

    Vogelstimmenarme Stille
    deutet an, nun wird es schwer,
    traktorhinterlass'ne Rille
    zeichnet eine Linie quer.

    Regenschwere Wolken ziehen,
    türmen sich am Horizont,
    lautlos in der Ferne fliehen
    Rehe vor der Wetterfront.

    Wellenartbehauchte Weiten
    wiegen sich im lauen Wind,
    bald schon werden Stürme streiten
    um das frosterprobte Kind.
    Geändert von Dana (28.11.2006 um 11:18 Uhr)
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

    - Ich bin umgezogen. Meine neue Zuhause-Seite ist in meinem Profil zu finden -

  2. #2
    Tessa Guest
    Liebste Dana,

    eine Herbstbeschreibung, heute besonders gern gelesen, in zarten Tönen und gelungenen Bildern.
    Die Rillen gefallen mir besonders.

    Auch die Ankündigung des Winters, wie er auf die Felder zieht,
    seinen weißen Mantel ausbreitet und die Stille noch stiller wird.
    (hätte auch in "Nachdenkliches" gepasst oder "Hoffnung")

    Noch haben wir milde Temperaturen, fast schwelgt die Natur in Frühlingsgefühlen. Doch es wird kälter werden, eisig und still.

    Aber, wie im Leben, nach Herbst und Winter kommt Frühling und Sonnenschein. Das interpretiere ich mal ganz frech dazu, zwinker.

    Wirklich ein schönes Werk, gern gelesen,
    Mappe schnell entstaube und einhefte.
    Ganz liebe Grüße,
    Tessa

  3. #3
    Falderwald Guest
    Liebe Dana,

    oh wie schön, daß du wieder da bist
    Und dann meldest du dich gleich mit diesem feinen Gedicht zurück.

    Wintersaatbegrünte Felder
    strecken weit sich in das Land,
    herbstbelaubte, bunte Wälder
    zieren gelbrot sie am Rand.

    1. Ein wunderschönes buntes Herbstbild, welches zum Träumen und Spazierengehen einlädt.
    2. Man könnte such eine Beziehung darin sehen, die sich ihrem Ende zuneigt.
    Noch ist sie im Herbst, aber langsam beginnt es zu gären und bunter zu werden.


    Vogelstimmenarme Stille
    deutet an, nun wird es schwer,
    traktorhinterlass'ne Rille
    zeichnet eine Linie quer.

    1. Ja, wenn die Vögel aufhören zu singen, ist es ein untrügliches Zeichen, daß es langsam aber sicher Winter wird.
    Die Traktorrille tut ihr übriges um das Winterbild, welches nun mal für das Ende der warmen Jahreszeit steht, zu verstärken.

    2. In dieser Beziehung wird nicht mehr viel gesprochen, es herrscht Stille, doch genau diese zeigt das sich anbahnende Ende an.
    Einer der beiden Partner schießt quer und zieht einen Strich unter die gemeinsame Zeit.


    Regenschwere Wolken ziehen,
    türmen sich am Horizont,
    lautlos in der Ferne fliehen
    Rehe vor der Wetterfront.

    1. Die Unbillen des Herbstes zeigen sich nun oft in Wolkenbergen. Und jedermann tut nun besser daran, Zuflucht vor diesen extremen Wettern zu suchen.
    2. Nun türmen sich die Schlechtwetterwolken über dieser Beziehung und viele Unbeteiligte und Mitmenschen fliehen vor der kommenden Auseinandersetzung, weil sie sich nicht einmischen möchten.


    Wellenartbehauchte Weiten
    wiegen sich im lauen Wind,
    bald schon werden Stürme streiten
    um das frosterprobte Kind.

    1. Schon bald wird der Winter kommen und alles regieren. Die Stürme, der Wind, alle werden sich beugen müssen, weil der Frost Einzug hält.
    2. Wellenartbehauchte Weiten könnten unerfüllte Sehnsüchte sein, die sich vorerst in einem schwachen Wind wiegen.
    Doch bald schon werden harte Auseinandersetzungen folgen. Das frosterprobte Kind könnte in diesem Zusammenhang die Alltäglichkeit des sich Trennens darstellen.


    1. Dieses Gedicht beschreibt in bunten Bildern eine Jahreszwischenzeit, nämlich den Übergang vom Herbst zum Winter.
    2. Dieses Gedicht beschreibt in bunten Bildern den Übergang vom Zusammenleben bis hin zur unweigerlichen Trennung eines Liebespaares.

    Ich denke, daß durchaus beide Sichtweisen Bestand haben könnten und deshalb finde ich dein neues Gedicht sehr interessant und gut gelungen.

    Auf jeden Fall ein Lob von mir.

    Gerne gelesen und gerne kommentiert...

    Liebe Grüße

    Bis bald

    Falderwald
    Geändert von Falderwald (28.11.2006 um 00:20 Uhr)

  4. #4
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    Liebe Dana,
    eine sehr detailierte Naturbeschreibung, hast du so einen Ausblick von deinem Fenster aus?
    Mir gefällt am besten die dritte Strophe, ich kann die Rehe richtig vor mir sehen.Liebe Dana , wie immer kann ich mit meinen eingeschränkten Wissen nicht viel sagen ausser das es sich leicht und flüssig liest und es wohl auch deshalb kaum eine Herbstschwermut hinterlässt, man hat einfach nur ein schön gezeichnetes Herbstbild vor sich, und betrachtet es mit stiller Freude, wie ich es manchmal mach e an einem besonder schönen Ort um den Frieden auf mich wirken zu lassen. Aber ich sehe gerade ich muß mich beeilen, davon wird es ganz dunkel, ich sollte mich jetzt von hier verabschieden sonst werde ich noch ganz naß!!!

    Ganz liebe Grüße und wie schön, dass du wieder da bist (freu ganz doll)
    deine Babsi

  5. #5
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    Hi Dana,

    wie kannst du deine kleine Schwester nur so lange alleine lassen ....

    Aber: Es ist schön, dich wieder in unserer Mitte zu haben und sei herzlich willkommen *trommelwirbel*

    Nun, zu deinem schönen Herbstgedicht, das du uns hier geschenkt hast, kann ich außer mich den lobenden Worten meiner Vorgänger/innen nicht viel sagen. Es liest sich leicht mit wunderschönen Reimen ob der Schwere der nahenden Kälte. Ein Lächeln schenkte mir die traktorhinterlass´ne Rille. Sehr fein.

    Ich hätte nur einen winzigkleinen Vorschlag, ich hoffe, ich darf, aber wer so lange nicht da war, muss dafür büßen:

    Wintersaatbegrünte Felder
    strecken weit sich in das Land,
    herbstbelaubte, bunte Wälder
    zieren gelbrot sie am Rand.

    zieren gelbrot ihren Rand - gefiele mir besser irgendwie. Was meint Dana?

    Also entspann dich mal und dann freue ich mich schon auf deine Antwort.

    Liebste Grüße
    Eva
    EvaAdams

    (c) Mein Werkverzeichnis: Unterm Feigenbaum = überholungsbedürftig, aktuelles bitte unter Profil nachsehen


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  6. #6
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    Hallo Dana,

    dein Gedicht gefällt mir ganz ausgezeichnet.
    Beim ersten kurzen Darüberlesen muteten mich die zusammen gesetzten Wortschlangen reichlich manieriert an, jedoch habe ich dann ihren Rhythmus gefunden und kam bestens mit ihnen aus.
    Nur in S4 ging's etwas störrischer, letzten Endes hast Du aber auch da einen Treffer gelandet.
    Ich folge ganz dem falderwald'schen Blau, der orangene Faden mag enthalten sein, jedoch kann ich als einzigen Anhalt den befremdlichen Beschluss Deiner Verse finden. Das Kind, das ansonsten nicht hierher gehört und alle Vordergründigkeit zerstört.
    Jedoch bin ich schlicht zu faul, die Oberstimme herauszuforschen. die sicherlich enthalten ist. Denn das Gedicht ist mir so sehr eingängig und der Herbst ist ja immer eine Trennung vor dem Aufbruch (wenn dahinter noch was kommt).

    Gruß

    Ulrich
    .....
    D i e.....v e r s u c h t e.....W e l t ............
    ......a u s g e w ä h l t e .....T e x t e ......
    Alles ist Lüge an mir; aber dass ich zerbreche - diess mein Zerbrechen ist ächt! (Friedrich Wilhelm Nietzsche: Also sprach Zarathustra - Der Zauberer)

  7. #7
    Niquita Guest
    Liebe Dana,
    erstmal schön, dass du wieder da bist! Du hast eine wunderbare, melancholische Naturbeschreibung geschaffen, die, zumindest ich, langsam lesen muss. Ansonsten würde ich lesetechnisch ins Stolpern geraten. Das hat weniger was mit mangelnder Metrik zu tun, sondern mit geballter Wortkraft. Wie auch immer es passt. Weil durch das langsame Lesen wirkt die melancholische Grundstimmung gleich doppelt.
    Herzliche Grüße
    Nicole

  8. #8
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    Wintersaat

    Liebe Tessi,
    ich freue mich, wenn ich dich mit meinem Gedicht und Bildern darin ein wenig auf die Kühle vorbereiten konnte - denn auch hier muten die Temperaturen mehr auf den Frühling an. Doch die Farben sind herbstlich, darum stimmt es doch wieder.

    Lieber Faldi,
    du hast (wieder einmal) zwei Gedichte daraus gemacht. Vor allem freut es mich, dass du Gefallen daran fandest.
    Es nicht nicht das erste Mal, dass du ein Naturgedicht in zwei Ebenen teilst - und weißt du was? Es entspricht meinem Ansinnen. Die Wintersaat, das frosterprobte Kind, hat immer wieder die Chance, neu zu keimen. Keine Kälte kann es vernichten.
    Dank dir, mein lieber Freund.

    Liebe Babsi,
    dir gefällt mein Gedicht und die Tatsache, dass ich wieder da bin. Liebste, wie kannst du da behaupten "ich mit meinem eingeschränktem Wissen"?
    Du weißt, wie man Freude bereitet, du drückst es zauberhaft aus - das ist weites Wissen. Ich bin glücklich darüber.

    Liebe kleine Schwester,
    ich hoffe, es hat dir in der Zeit ohne mich niemand etwas getan. Ich wollte einmal beobachten, wie die Lütte ohne mich auskommt. Es hat wunderbar geklappt.
    Dass du mit mit deinem Vorschlag das Gedicht gleich verbessert hat, freut mich um so mehr - schau nur, schon geschehen.

    Lieber Ulrich,
    wir schreiben uns zum ersten Mal. Bin froh über eine wohlwollende und anspruchsvolle Kritik.
    Das Kind (die Wintersaat), frosterprobt, später "ausgesetzt" (gesät), geht duch harte Zeiten und zeigt sich im Frühling frisch, im Sommer prächtig und gibt den anderen Fülle (Ernte).
    Kannst du dich damit anfreunden?
    Ich konnte mit deinen Worten sehr viel anfangen, danke.

    Liebe Nicole,
    du hast mir einen großen Gefallen getan. Es stimmt, man sollte das Gedicht seeehr langsam lesen, um mit den Worten nicht ins Haspeln zu kommen. Das ging mir als Autorin auch erst später auf, weil ich zuerst gedanklich verdichte und mich dann in verschiedenen Weisen reinlese oder selbst abhöre.

    Ich danke Euch allen und grüße ganz überschwenglich in immer noch anhaltender Wiedersehensfreude,
    Eure Dana
    Geändert von Dana (28.11.2006 um 14:40 Uhr)
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

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  9. #9
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    Eben Spätherbst, danke Dana ich habs mit deinen Augen gesehen.

  10. #10
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    Smile Liebe "Heimgekehrte"

    kaum zurück und schon beschenkst du uns wieder mit einem deiner überaus fein gesponnenen Naturgedichte, die ich so sehr mag.

    Auch hier ist es dir wunderbar gelungen, diese herbstliche Grundstimmung mit originellen Bildkompositionen einzufangen, wobei auch mir die Stelle: "traktorhinterlass'ne Rille" sofort positiv auffiel, ein völlig unverbrauchtes Bild.

    Durch die relativ langen Anfangswörter in den einzelnen Strophen kommt für mich eine Art Mollton mit hinein, der dann weiter durchklingt und trägt.

    Eine unverkennbare Dana vom Feinsten. Danke für dieses schöne Gedicht.

    Liebe Grüße
    crux

  11. #11
    königindernacht Guest
    Solche Gedichte kann man sich auch für den Morgen aufheben und mit ihnen den Tag beginnen. Der wird dann gut!

    Dein Markenzeichen, die Wortneuschöpfungen, sind für dein Herbstgedicht prägend und sie vor allem hinterlassen den Nachhall beim Leser. Mir ging es wie Nicole- ich musste mir die Wörter in ihrem Klang und Inhalt langsam erlesen, um sie ganz wahrzunehmen. Mir gefällt das "Wintersaatbegrünt". Etwas sehr konstruiert dagegen erscheint mir "Wellenartbehauchte".

    Aber das tut dem Gesamteindruck deines "Einsteigertextes" keinen Abbruch und mich freut es wie die anderen, dass auch wir zwei uns nun wieder öfter lesen,

    herzlichst, KÖ

  12. #12
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    Wintersaat

    Lieber horstgrosse2,
    auch dir danke, denn mit der Kürze hast du mir etwas sehr Schönes gesagt.

    Liebes crüxchen,
    wenn du mich lobst, denke ich immer, ich bin gut - pass ein wenig auf mich auf, dass ich nicht eitel werde.
    Will sagen, habe mich sehr gefreut.

    Liebe kö,
    ich hoffe, du hattest einen guten Tag?
    "Wellenartbehauchte" ist genau das Wort, dass ich zuletzt ein wenig unter Zwang erfunden habe - und wer erwischt mich?
    Vielleicht fällt mir mit Eurer Hilfe ein klangvolleres noch ein.

    Herzlichen Dank Euch allen,
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

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  13. #13
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    hallo dana,

    ich habe mal wieder ein wenig gegraben und dabei dieses schöne Wintergedicht von dir gefunden. Es passt, so denke ich sehr gut zu diesen Tagen, an denen man wirklich das Empfinden hat, es wird doch noch Winter. An deinem im Kreuzreim geschriebenen Gedicht gefallen mir besonders deine Wortschöpfungen, wie:
    Vogelstimmenarme, wintersaatbegrünte,traktorhinterlass' ne und
    wellenartbehauchte. Mit diesem Gedicht hast du eine schöne Winterstimmung geschaffen. Ich sehe das Bild regelrecht vor mir. Gerne gelesen, wenn auch spät kommentiert.

    Viele Grüße
    Speedie
    [FONT="Arial Narrow"]Fantasien sind für manche Menschen unvorstellbar. (Gabriel Laub)

  14. #14
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    Liebe Dana,

    wie gut, daß jemand dieses Gedicht aus der Versenkung geholt hat!
    Da Naturgedichte meine Lieblinge sind, bin ich bezaubert von dem Deinen.
    Ich schließe mich vorbehaltlos den Zeilen von Erebus an,
    wenn mich auch die Technik (Traktor...) ein klein wenig aus der Betrachtung und dem Gefühl hinausgeworfen hat - das ist nicht erheblich.

    Kompliment und Dank

    von Cyparis
    Quos Ego! Omnia vincit Amor

  15. #15
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    Liebe speedie,
    ist denn schon wieder Weihanchten?
    Oh, wie freue ich mich - Einmal, weil du meines ausgegraben hast und zweimal, weil es gerade jetzt wieder passt. Bin vor ein paar Tagen wieder diesen Weg gegangen und die Traktorrille war wieder da, auch wenn an anderer Stelle.
    Danke, meine Liebe, für Lob und "Schaufelarbeit".

    Lieber Cyparis,
    auch dir ein Dankeschön für die Freude am Fund.
    Die Traktorspur zeigt ein wenig auf, dass wir Naturparadiese nicht mehr ohne Technik vorfinden - und doch ist die Welt noch schön. Wir müssen nur richtig schauen und gleichzeitig hüten.

    Euch beiden ganz liebe Grüße
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

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