Thema: Chupacabras

  1. #1
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    Chupacabras

    Dunkelheit setzt sich über das Land,
    wie eine schwarze, undurchdringliche Wand.
    Legt sich über die Palmen, über die Stadt,
    bis sich die ganze Insel verdunkelt hat.

    Über Puerto Rico senkt sich die Nacht
    und die Angst, die sie von neuem entfacht.
    Auf den Straßen, vorher reges Treiben,
    wollte niemand in der Dunkelheit noch bleiben.

    Das Vieh wird in den Stall getrieben,
    eilig und mit hastigen Hieben.
    Geschäfte schließen, Kinder eilen nach Haus,
    jegliches Nachtleben bleibt völlig aus.

    Als Juanito zurückkehrt vom Fischen am Meer,
    sind die Straßen bereits menschenleer.
    Er beeilt sich, macht Sprünge auf den Steinen,
    den Schmerz ignorierend, den er spürt in den Beinen.

    Seine Augen suchend um die Ecke, hinter die Mauer,
    als wäre ihm der Teufel selbst auf der Lauer.
    Er hört ein Fauchen und bleibt angewurzelt stehen.
    Bestimmt eine Katze, doch er konnte nichts sehen.

    Nur noch über eine Mauer, dann hat er seine Hütte erreicht,
    bald ist er in Sicherheit vor dem Wesen, das Nachts herumschleicht.
    Er würde es schaffen, es war nicht mehr weit,
    es war nur die Angst, die sich in ihm machte breit.

    Für einen kurzen Augenblick
    schob sich der Mond hinter eine Wolke zurück.
    Das Mädchen, Corazón genannt,
    rieb sich die Arme mit der Hand.

    Immer wenn es draußen graut,
    bekommt sie eine Gänsehaut.
    Dann sitzt sie am Fenster und blickt in die Nacht hinaus,
    die Straßenlaternen an, doch die Seele des Tages aus.

    Sie kannte die Geschichten, die sich die Leute erzählten,
    über tote Ziegen, denen manche Organe fehlten.
    Die Bauern, die sie fanden, von Blut völlig leer,
    und im Dschungel streifen seltsame Wesen umher.

    Ihr Vater José hat eins mal gesehen.
    Er traut sich seither nicht mehr zur Arbeit zu gehen.
    Die Teufel, murmelte er, sind auf unsere Insel gekommen.
    Corazón hatte ihn damals nicht ernst genommen.

    Doch dann sah sie ein Feuer über dem Dschungel schweben,
    eine Kugel aus rotem Licht aus dem Nebel entstehen.
    Über drei Nächte hinweg beobachtete sie das schwebende Feuer.
    Es verbrannte ihre Seele, es war nicht geheuer.

    Menschen haben sie gesehen, aus der ganzen Stadt,
    und niemand weiß, was es damit auf sich hat.
    Man glaubt, es sind gefallenen Engel,
    gefangen zwischen Erde und Himmel.

    Corazón wusste nicht, an was sie glaubte,
    doch sie fürchtete sich sehr.
    Da draußen war etwas, das Hoffnung raubte,
    und sie dachte an die Ziegen, tot und leer.

    Da plötzlich - Ein Schrei zerreißt die Nacht.
    Fast hätte er Corazóns Herz zum stehen gebracht.
    Ein wildes Getose, gleich vor ihrem Haus.
    Corazón rennt zum Fenster und blickt hinaus.

    Weit aufgerissene Augen versuchen zu sehen.
    Woher kam der Schrei? Was war geschehen?
    Zunächst sah sie nichts, da draußen war es schwarz.
    Doch dann fuhr ihr ein Feuer durch das Herz.

    Sie sah kurz etwas rotes funkeln
    und erblickte die Augen der Kreatur im Dunkeln.
    Einen Augenblick darauf hatte sie sich aufgelöst
    und Corazón von dem inneren Feuer erlöst.

    Sie stürzte ins Bett und weinte die ganze Nacht,
    als hätten diese Augen sie um den Verstand gebracht.

    Es war erst am nächsten Morgen, dass man eine kleine Leiche fand,
    völlig blutleer und mit einem Bündel Fischen in der Hand.
    Wer Zufriedenheit sucht,
    ist mit der Suche nie zufrieden.

  2. #2
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    121
    Den Mythos des Chupacabra als erzählende Geschichte zu verpacken ist dir äußerst interessant gelungen.
    Es fesselt richtig und man spürt die einzelnen Schockelemente.
    Hat etwas sehr Einheimisches.
    ->Das richtige fürs Lagerfeuer hier oder woanders wo.


    Abakadabra Chupacabra!

  3. #3
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    9
    Ich habe die Atmosphäre vor allem dadurch so geformt, dass ich durch das ganze Gedicht nur die Farben Rot und Schwarz verwendet hab, Leben und Tod, doch zusammen ergeben sie für mich etwas, das für Angst stehen könnte... eben das Gefühl, dass auf Puerto Rico vorherrscht.
    Wer Zufriedenheit sucht,
    ist mit der Suche nie zufrieden.

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