Thema: Trauertaube

  1. #1
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    Trauertaube


    Die schwarze Taube

    Es lacht der Gott. Dionysos, er lacht.
    Sein Spott gilt Toten die noch leben,
    die noch schweben in der Macht, die noch
    weben an der Lösung die er im Rausche
    vorgegeben.
    Eitle Verschwörung. Götterscherz.
    Trivial geworden die Zerstörung
    der Empörung lustgeweihter Schmerz.
    Herz ist tot und schlägt doch weiter,
    Not ist Lust, ist Lust und Pein,
    will nicht ergriffen sein
    noch nicht begreifen
    kann nicht reifen
    kann nicht sinken
    kann nicht aus Eros' Becher trinken.

    HKD

  2. #2
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    mhm hallo!!

    mhm.. warum trauer TAUBE??
    ich finde hier keine Taube in deinem text.. vielleicht sehe ich sie auch nciht, .. könttest du mir das erklären??
    "Leuchtende Momente - nicht weinen, dass sie vorüber. Lächeln, dass sie gewesen." (Rabindranath Tagore)

    Copyright auf alle meine Werke!!!
    JuliaCapulet

  3. #3
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    Zitat Zitat von JuliaCapulet
    mhm hallo!!

    mhm.. warum trauer TAUBE??
    ich finde hier keine Taube in deinem text.. vielleicht sehe ich sie auch nciht, .. könttest du mir das erklären??
    Hi Julia!
    Die Taube ist im Gedicht versteckt. Ich treibe diese kleinen Spielchen nur allzu gern. Die Taube gilt als eine Metapher für die Göttin der Lust und der Liebe, Venus. Dionysos ist ihr männliches Gegenstück. Die schwarze Taube ist "Venus in Trauer", da sie sich in bestimmten Menschen nicht ausleben darf. Und darüber spottet Dionysos, der Gott des Weines, des Rausches, der Ekstase, der Leidenschaft. Manche Menschen werden während eines Rauschzustandes „enthemmter“, herzlicher. Und die Energie des Herzens ist die Lösung für alle jene, deren Herz zwar noch schlägt, aber… Wer nicht aus Eros` Becher den Trank der Liebe trinken kann…
    Ich möchte vorerst nicht mehr Hinweise geben. Manchmal geht die Stimmung eines Gedichtes verloren, wenn man es auf die „rechte Seite“ zieht, das heißt, verrationalisiert, zerredet.
    Und manchmal sind die phantastischen Assoziationen, die man als Leser dabei empfinden mag viel interessanter als die analysierte Essenz.
    Ein interessantes Gedicht ist für mich auch wie eine Melodie. Es hat einen magischen Klang, der über die Worte und deren Inhalt weit hinausweist. Es gibt Worte oder Mantren deren Sinn nur in ihrer „Magie“ liegt. Halleluja ist z. B. ein Wort ohne konkrete Bedeutung und ist doch voller Zauber. Wenn man es hört, glaubt man zu wissen, was gemeint ist, doch es hat wie „Amen“ keine „richtige“ Aussage. Man deutet es so oder auch anders. Im Buddhismus wird z. B. oft das Mantra „om mani padme hum“ rezitiert. Es ergibt keinen „richtigen“ Sinn und doch ist es sinnvoll, wenn man es rezitiert. Sein Klang bringt beispielsweise das Herz in Schwingung, ähnlich wie halleluja…
    Das meine ich, wenn ich von der „Magie“ zwischen oder hinter den Zeilen spreche. Ich habe davor solch großen Respekt, dass ich manchmal scheinbare Unsinnigkeiten in einem Gedicht stehen lasse, um diese „magische Botschaft“ nicht zu zerstören.
    Dynamik, Klang, Tempo, Assoziationen, alles spielt mit, wenn es um die Aussage eines Gedichtes geht. Und manchmal sagt eine fehlende Erläuterung mehr aus als ein klarer Zusammenhang. Wie froh bin ich doch, dass der „fehlende“ Zusammenhang zwischen Gedicht und Taube dich zu deiner Frage motiviert hat. Die Magie war also sehr wirkungsvoll, finde ich…
    So grüßt dich, Fräulein Capulet, Oberon, sprich HKD.
    Geändert von Kopp-Delaney (30.11.2006 um 01:30 Uhr)

  4. #4
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    Ich habe davor solch großen Respekt, dass ich manchmal scheinbare Unsinnigkeiten in einem Gedicht stehen lasse, um diese „magische Botschaft“ nicht zu zerstören.

    Wie die Taube, die du da im Becher ertrinken lässt?

  5. #5
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    Hi Zebu.
    Autsch. Du kannst mir ja richtig wehtun. Mal sehen, wann ich dich erwische.
    HKD

  6. #6
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    Hallo Kopp-Delaney

    ohne deine Erläuterungen zu JuliaCapilet's Kommi, die ich sehr interessant finde (bede ) hätte auch ich die schwarze Taube in deinem Gedicht kaum entdecken können. Mein Problem bei Gedichten, die ein fundiertes Wissen z.B. über die griechische Mytholgie voraussetzen, ist, dass man als Leser tatsächlich auf die von dir genannten Attribute angewiesen ist, bzw. auf sie zurückgeworen wird. Aber auch schon beim ersten Lesen, das noch ohne diese Kenntnis stattfand, kam etwas von dem rüber, was du mit "Haleluja" und „om mani padme hum“ näher beleuchtest.

    Ich verstehe deinen Text schon in der von dir angedeuteten Weise des "Zwangsverzichts" auf die Gaben des Eros, sehe dahinter aber auch einen tieferen Sinn, wenngleich dieser für Nichtbetroffenene nur schwer verständlich zu machen wäre. Vielleicht als bewusst/unbewusst vom Individuum eingebaute Schranke um sich auf ganz andere u.U, sogar weit höher angesiedelte Felder des Gesamtaspekts "Leben" im jetzt aktuellen einzulassen, was mit den Worten:
    die noch weben an der Lösung die er im Rausche vorgegeben.
    ja auch angedeutet wird.

    Und, obwohl der Ton deines Sprechers schon ein (an)klagender ist, lese ich doch auch eine Art rückspöttelnde Ironie, ja, fast schon Sarkasmus heraus, oder täusche ich mich da?

    Sehr gerne gelesen dein Dings und heftig sinniert...

    Liebe Grüße
    crux

  7. #7
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    46
    hallo,ich finde das Gedicht erlich gesagt nich so schön. Das kann aber auch daran liegen das ich es nicht kapiere.

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