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  1. #1
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    Drei Birkenblätter

    Dein Leben zum Beschauen
    trägst du in off'nen Händen,
    ich spüre dein Vertrauen
    und einen Wunsch zum Wenden.

    Wir wandeln wie verloren
    auf deinen Kindheitspfaden,
    ich weiß, wo du geboren
    und wo mit Last beladen.

    Wie du, leb ich in Engen,
    selbst unfrei im Entscheiden
    und uns're Seelen hängen
    zum Reifen noch im Leiden.

    Vorbei an Birkenbäumen,
    die dir sind unvergessen,
    drei Blätter, nur zum Träumen,
    nehm' ich mir mit zum Pressen,

    will kurz das Leid ertränken,
    das Herbstlaub soll bedeuten,
    versuche zu versenken
    und höre Glockenläuten.
    Geändert von Dana (04.03.2007 um 19:15 Uhr)
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

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  2. #2
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    Liebe Dana,

    wie schön, mal wieder die Polposition bei dir einnehmen zu dürfen, gerade jetzt, nach dem Ende deiner langen Zwangsabwesenheit...

    In einwandfreien (eine kleine Ausnahme gibt's aber doch) dreihebigen Jamben erzählt dein LI eine bittersüße Romanze, die es mit dem LD verbindet, dessen Vertrauen in eine gemeinsame Zukunft es spürt, denn es steht wohl eine große Wende in dessen Leben an.

    S2 zeigt die Verlorenheit beider in der jetzigen Situation, denn die Dinge scheinen momentan sehr zu stagnieren, es kommt dem LI fast so vor als gingen beide rückwärts. Frage: ich weiß, wo du geboren meintest du nicht eher "geborgen"?

    S3 is my favoured one, denn hier hast du ganz wunderbar die Entbehrungen und Einschränkungen durch das stimmige Bild der noch zum Reifen im Leiden hängenden Seelen erfasst und gekonnt ausgedrückt.

    In S4 vermeine ich in Z4 eine Doppelbetonung entdeckt zu haben, kann mich aber auch täuschen, denn ein fortgeschrittener Ix-er bin ich noch kange nicht. LI nimmt bei einem Spaziergang verträumt drei Birkenblätter zur Erinnerung an gemeinsam dort verbrachte schöne Stunden mit.

    Nur S5 kommt nicht ganz so klar rüber wie die übrigen Strophen, was vielleicht an der etwas merkwürdig verdrehten Syntax liegen mag, denn man erfährt nicht exakt, was das Herbstlaut bedeuten soll. Auch das plötzliche Glockenläuten nimmt sich etwas erzwungen aus, vielleicht solltest du dir diese Zeilen noch einmal vornehmen. Mache weiter unten mal einen Vorschlag.

    Dein Leben zum Beschauen
    trägst du in off'nen Händen,
    ich spüre dein Vertrauen
    und einen Drang zum Wenden.
    xXxXxXx
    xXxXxXx
    xXxXxXx
    xXxXxXx

    Wir wandeln wie verloren
    im Rückwärtsgang auf Pfaden,
    ich weiß, wo du geboren
    und wo mit Last beladen.
    xXxXxXx
    xXxXxXx
    xXxXxXx
    xXxXxXx

    Wie du, leb ich in Engen,
    selbst unfrei im Entscheiden
    und uns'ere Seelen hängen
    zum Reifen noch im Leiden.
    xXxXxXx
    xXxXxXx
    xXxXxXx
    xXxXxXx

    Vorbei an Birkenbäumen,
    die dir sind unvergessen,
    drei Blätter, nur zum Träumen,
    nehme ich mit zum Pressen, (nehm' ich mit mir zum Pressen)?
    xXxXxXx
    xXxXxXx
    xXxXxXx
    XxXxXXx (dann: xXxXxXx)

    will kurz das Leid ertränken,
    das Herbstlaub soll bedeuten,
    versuche zu versenken
    und höre Glockenläuten.
    xXxXxXx
    xXxXxXx
    xXxXxXx
    xXxXxXx

    Vorschlag für S5

    Würd' gern das Leid ertränken,
    es prüft uns schon so lange.
    Versuch' es zu versenken
    weil ich so um dich bange.


    Habe dein Werk sehr gerne gelesen, verstanden und kommentiert.

    Liebe Grüße
    crux

  3. #3
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    Dein Leben zum Beschauen
    trägst du in off'nen Händen,
    ich spüre dein Vertrauen
    und einen Drang zum Wenden.

    Das LD wird als offener, vertrauensvoller Charakter vorgestellt. Ich assoziiere sofort einen positiven Menschen. Und deshalb erschreckt mich dessen "Drang zum Wenden" ein wenig. Ich werde neugierig und suche nun nach Aufklärung, die ich weiter unten finden will. Die Worte sind schlicht und eindringlich gewählt. Das gefällt mir.

    Wir wandeln wie verloren
    im Rückwärtsgang auf Pfaden,
    ich weiß, wo du geboren
    und wo mit Last beladen.


    Gemeinsamkeit steht im Vordergrund eines als problematisch empfundenen Nicht-Vorwärtskommens, nein, sogar eines Rückwärtsgehens. Die Ursache scheint jedoch nicht zwischen LI und LD zu liegen. Offenheit wird als Merkmal der Beziehung angedeutet. Wenn auch nur in einer Richtung. Das LI äußert sich nicht zur eigenen Offenheit.

    Wie du, leb ich in Engen,
    selbst unfrei im Entscheiden
    und uns'ere Seelen hängen
    zum Reifen noch im Leiden.


    Das LI empfindet Einengung und Unfreiheit, speziell in der Entscheidungsfindung. Es versucht, dies dem LD zu vermitteln.

    Vorbei an Birkenbäumen,
    die dir sind unvergessen,
    drei Blätter, nur zum Träumen,
    nehme ich mit zum Pressen,


    Nun wird eine Ortsklarheit geschaffen. Das LI besucht einen Erinnerungsort. Hier ist das LD in einer dem LI möglichen Form anwesend. Wo ist das LD jetzt wirklich ? War bis zur S3 eine Situation des Dialoges möglich, hier wird klar, das LD wird im LI sublimiert. Es ist ein innerer Dialog des LI. Absichtsvoll geht das LI mit dieser Situation um, schafft mit drei Birkenblättern einen Außenpunkt, um diese Situation in die Zukunft mitzunehmen, in die Einseitigkeit des Träumens, den Tümpel des Trostes.

    will kurz das Leid ertränken,
    das Herbstlaub soll bedeuten,
    versuche zu versenken
    und höre Glockenläuten.

    Fortführung der in S4 begonnenen Schaffung einer Rahmenbedingung für die Leidbewältigung.Der zugrundeliegende Sachverhalt finde keine explizite Darstellung. Drei Blätter als Haltepunkte (Reliquie, Fetisch ?) des Nichtvergessens.
    "versuche zu versenken" diese Formulierung hängt merkwürdig in der Luft. Schieben wir den Nebensatz aus Z2 beiseite, so ergibt sich "will kurz das Leid ertränken, versuche zu versenken" fehlt das Objekt wirklich ?
    Ist damit die Situation gemeint, das LD, oder die eigene Trauer ?
    Mir scheint letzteres. Denn aus der durch das LI beschlossenen Form der Bewältigung ergibt sich für das LI ein weiteres Problem (?) "Kurz" und der Versuch "zu versenken" sind Indiz für die Hilflosigkeit des LI in der Trauer, vielleicht Scham vor der eigenen Empfindung.
    Weder die Länge der Trauer, noch ihre endgültige Bewältigung (Versenkung) sind ja ausschließlich dem Willen des LI untergeordnet - warum der Versuch dies schnell abzuschließen ? Unbehagen ?
    Andere Möglichkeit: dem Reim geschuldetes "versuche zu versinken". Dann würde zwar das Subjekt fehlen, dies erschließt sich jedoch aus dem Zusammenhang. Es könnte eine Art Kontemplation andeuten.
    Erste Möglichkeit finde ich inhaltsvoller.
    Ja. Und die Glocken kann ich offen gestanden auch nicht unterbringen. Grabesgeläut für das LD? Insgesamt fehlt mir dazu die vorbereitende Düsternis, wäre aufgrund von Präsenz und Rubrik auch schlecht denkbar. Grabesgeläut für die Trauer ?
    Oder Hoffnungsgeläut ?
    Oder Feuerwehr ? Uhrzeit ? Dies bleibt offen.
    Wenngleich die Rubrik hier ein Fingerzeig sein kann.
    Offen bleibt eigentlich: warum drei Blätter. Warum nicht eines ?

    Liebe Dana, Dein Stück gefällt mir aufgrund seiner Prägnanz, der Schlichtheit in den Worten und der Vielschichtigkeit in der geistigen Beschäftigung !
    Und ich habe es sehr gerne gelesen und kommentiert...

    Gruß

    Ulrich
    .....
    D i e.....v e r s u c h t e.....W e l t ............
    ......a u s g e w ä h l t e .....T e x t e ......
    Alles ist Lüge an mir; aber dass ich zerbreche - diess mein Zerbrechen ist ächt! (Friedrich Wilhelm Nietzsche: Also sprach Zarathustra - Der Zauberer)

  4. #4
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    Liebe Dana,

    auch mich berührt dein Gedicht mit seinen schlichten, aber tiefen Worten, mit seiner Melancholie und der Gefühlstiefe, die aus deinen Zeilen spricht.
    Allerdings lese ich das Gedicht etwas anders als meine Vorschreiber. Ich sehe zwei Menschen bei einem Spaziergang, zwei, die sich schon sehr lange kennen und sich von ihrem jeweiligen Leid erzählen können (zumindest das LD tut dies auch). Das LI ist mit dem Leben des LD bestens vertraut - vielleicht haben sie schon die Kindheit gemeinsam verbracht - auf jeden Fall gehen sie im Rückwärtsgang, in der Erinnerung dorthin zurück. Dies deute ich als etwas Positives, sehr stark und warm Verbindendes. Die Verbundenheit kommt immer wieder zum Ausdruck, schon in der ersten Strophe, wo das LI auch ohne Worte sein Gegenüber spürt, vielleicht sogar Dinge, die diesem noch gar nicht selbst bewusst sind (der "Drang zum Wenden" als Wunsch aus dem Leiden auszubrechen, eine als problematisch und einengend erlebte Situation zu beenden?). Und verbunden sind die beiden auch und vor allem im Leiden, wunderschön ausgedrückt in dem Bild der zum Reifen aushängenden Seele. Schließlich nimmt das LI drei Birkenblätter von diesem Spaziergang mit nach Hause - auch dies ein ganz berührendes Bild.
    Mit der letzten Strophe habe ich, ähnlich wie crux und grey.zone noch meine Probleme. Was ist gemeint mit dem kurzen Ertränken des Leids? Wer oder was soll versenken? Mit dem Glockengeläut dagegen kann ich durchaus etwas verbinden. Das LI lässt sich von den Glocken aus seiner düsteren Stimmung herausreißen, nimmt sie als hoffnungsvolles Zeichen.
    Insgesamt habe ich dein Gedicht sehr gern gelesen.

    Liebe Grüße
    windflug

    windflug
    Geändert von windflug (29.11.2006 um 17:21 Uhr)

  5. #5
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    Schönes Date, mit einen Gleichgesinnten-geprüften.
    Ohne Angabe auf Intimität (das lässt spekulieren)
    Ich tendiere stark zu Windflugs Aussage (war nur schneller)

    Aber es war was zwischen dem zweien?(Rückwärtsgang) Schauen in die Vergangenheit?
    - gut gelesen- war dabei- keine Fehler entdeckt,
    vielleicht-
    nehme ich mit, zum Pressen. ??
    Crux, liegt manchmal oft daneben, ohne es auszuschlachten.
    Ich denke genauso war es, ( Glockenläuten)

    ich weis wo du geboren, sagt eigentlich:" ich weis alles über dich"

    ok, ist meine Auffassung.
    Es liegt mir fern hier als besserwisser dazustehen. das als Nachtrag.
    Ich habe mich viel zu lange hier aufgehalten, wo ich doch lieber schweig und mir meinen teil denke.
    LG

  6. #6
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    Drei Birkenblätter

    Zuerst Euch allen herzlichen Dank für die äußerst konstruktiven Kritiken, für die wunderbaren Interpretationen und natürlich das Lob.

    Lieber crux,
    habe deinen Kommentar sehr angetan gelesen, weil du das lyr. Ich und das lyr. Du mit deinen Gedanken als guter Zuhörer und Begleiter freundschaftlich anschaust und helfend bei den Versen wirkst.
    Schau bitte, wie ich die 1. und 2. Str. verändert habe. Damit bekommt "geboren" mehr an Deutlichkeit, oder?
    "Nehm' ich mit zum Pressen" stelle ich auch noch ein, es ist bestimmt richtiger.
    Mit der letzten Strophe will ich noch abwarten und nicht vorschnell ändern.
    Da ging es mir um eine "Art Handeln" des lyr. Ich, um von der Tiefe und auch Traurigkeit abzulenken. Diese Tat geschieht wortlos und in die Stille tritt von fern das Glockenläuten.
    Vielleicht ist diese Strophe doch noch nicht so ausgereift, ich denke nach.
    Ganz lieben Dank für dein Interesse und deine Hilfe.

    Lieber grey.zone,
    bitte schau hin. Der "Drang" ist fort, du hast mich überzeugt.
    Auch den Rückwärtsgang habe ich verändert. Es ging um Wege auf Kindheitspfaden des lyr. Du, Erinnerungen, Erzählen, Zuhören. Mit Rückwärtsgang wollte ich den Weg zurück in die Kinderzeit ausdrücken, ist mir anscheinend nicht gelungen.
    Siehe bitte, was ich zum Glockenläuten oben gesagt habe ...
    Auch dir, lieber Ulrich, herzlichen Dank für die ausgiebige Auseinandersetzung mit meinem Gedicht, das du obendrein noch mit Lob bedacht hast.

    Lieber windflug,
    deine etwas andere Interpretation kommt dem Anliegen des lyr. Ich sehr nah.
    Es geht um einen Spaziergang auf dem über vieles gesprochen wird. Um kurz abzulenken, kommen die Birkenblätter ins Spiel. Eine Handlung, die die traurigen Gedanken versenken will. Die Blätter bekommen einen Wert, eine Bedeutung.
    Ich hoffe, es wird dadurch ein wenig klarer. Dennoch will ich mir noch Gedanken um eine Änderung machen.

    Lieber horstgrosse2,
    nicht schlecht, mein Lieber, und ich freue mich, dass du hier "laut" gedacht hast. Auf dein Nachfragen werde ich natürlich nicht antworten, möchte deine Fantasien weder ernüchtern noch beflügeln. Lasse es auf dich wirken.
    "nehme ich mit zum Pressen" - kennst du das nicht. Blätter, Blüten zwischen Buchseiten legen und dann evtl. hinter Glas auf ein Gedicht legen, zur Erinnerung an einen Spaziergang.

    Ich danke Euch sehr herzlich und mache mich erneut an Verbesserungen.
    Liebe Grüße
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

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  7. #7
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    Natürlich kenne ich Blätter, Halme uä Pressen.
    meinte komma reinsetzen.
    nehme ich mit, zum Pressen.
    ok
    auf meine fragen brauchst du nicht zu antworten, war laut gedacht, richtig.
    lg

  8. #8
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    Drei Birkenblätter

    Oh, horstgrosse2,
    verzeih, wegen des Kommas. Ich meine, da kommt keines hin, aber.
    Konnte mir eigentlich auch nicht vorstellen, dass es jemand gebt, der das Blätterblütenpressen nicht kennt. Alles ist gut.
    Lieben Gruß
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

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  9. #9
    Tessa Guest
    Liebste Dana,

    hmm, ich sehe hier nicht unbedingt ein Paar, welches sich schon länger kennt. Ich sehe einen Herbstspaziergang zweier Menschen, die sich eng miteinander verbunden fühlen.
    Einerseits ihrer Situaution wegen, andererseits der Vertrautheit, die durchaus auch bei einer neuen Bekanntschaft vorhanden sein kann/Seelenverwandtschaft z.b.
    Ich denke das LD erzählt von seinem Leben, LI hört aufmerksam zu und wandelt somit auf den Wegen des LD, kennt seine Vorlieben, seine Lasten.

    Beide müssen sich entscheiden, drei Birkenblätter getrocknet, gepresst, sollen stets an diesen bedeutsamen Moment, diesen Entschluss, die Veränderungen in beider Leben bringt, erinnern.

    Nun die Krittelpunkte, lächel:

    Vorbei an Birkenbäumen,
    die dir sind unvergessen,
    drei Blätter, nur zum Träumen,
    nehm' ich mit zum Pressen
    Hier hänge ich in Z4 trotz Änderung,
    würde:
    "nehm´ich mir mit zum Pressen" (crux´s Vorschlag)
    nicht besser passen?

    Die letzte Strophe macht mir auch etwas Probleme,
    "will kurz das Leid ertränken" fällt mir dabei besonders auf.
    "will dieses Leid ertränken" scheint mir schlüssiger, denn wenn man das Leid schon ertränkt, dann doch hoffentlich langfristig und das würde dann auch im Kontext zur Rubrik stehen.
    Nun ist es subjektiv und dein Baby.

    Das Glockenleuten, hmmm...
    Auch hier finde ich den Vorschlag von crux gelungen:

    Würd' gern das Leid ertränken,
    es prüft uns schon so lange.
    Versuch' es zu versenken
    weil ich so um dich bange.
    nur Z4 würde ich:

    denn mir ist um uns bange.
    denn mir ist um dich bange.

    Liebe Dana, dass sind aber nur ganz kleine Krittelpunkte,
    insgesamt gefällt mir dein Gedicht sehr gut.
    In gelungenen Bilder beschreibst du gekonnt den Punkt der "Findung".
    Gern gelesen, gern kommentiert, mein Lob an dein Werk,

    ganz liebe Grüße,
    Tessa

  10. #10
    Registriert seit
    Jul 2005
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    Drei Birkenblätter

    Liebste Tessi,
    bitte, verkleinere die Krittelpünktchen nicht so "schuldbewusst" . Ich weiß, dass du es gut meinst und darum habe ich es eingesetzt.
    Siehst du die Rauchwolken nicht? Ich denke ganz doll nach und bin froh, so viele Helfer zu haben.
    Danke für deinen guten Kommentar, aus dem Ehrlichkeit und Verbundenheit spricht.
    Deine Interpretation ist wunderschön.
    Liebe Grüße,
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

    - Ich bin umgezogen. Meine neue Zuhause-Seite ist in meinem Profil zu finden -

  11. #11
    Falderwald Guest
    Liebe Dana,

    da crux schon eine Metrik-Analyse erstellt hat, erspare ich uns jetzt eine ausführliche.
    Einziger Fehler in S4 Z4, da habe ich dir einen ähnlichen Vorschlag wie crux zu machen, allerdings etwas umgestellt:

    Dein Leben zum Beschauen
    trägst du in off'nen Händen,
    ich spüre dein Vertrauen
    und einen Wunsch zum Wenden.

    xXxXxXx
    xXxXxXx
    xXxXxXx
    xXxXxXx ok


    Das Lyrische Du eröffnet dem Lyrischen Ich sein Leben. LI merkt, daß LD Vertrauen hat und etwas in seinem Leben verändern möchte.

    Wir wandeln wie verloren
    auf deinen Kindheitspfaden,
    ich weiß, wo du geboren
    und wo mit Last beladen.

    Xe s.o. ok

    Die beiden scheinen in der Vergangenheit des LD's zu "wandern" und bestimmte Orte, die für LD wichtig waren (sind) aufzusuchen.

    Wie du, leb ich in Engen,
    selbst unfrei im Entscheiden
    und uns'ere Seelen hängen
    zum Reifen noch im Leiden.

    Xe s.o. ok

    Beide können keine freien Entscheidungen treffen, irgendetwas hindert sie daran.
    Doch es wird nicht als negativ, sondern als eine Art Prüfung angesehen.
    (?)

    Vorbei an Birkenbäumen,
    die dir sind unvergessen,
    drei Blätter, nur zum Träumen,
    nehm' ich mit zum Pressen,

    Xe s.o. aber:
    Z4: XxXxXx hier fehlt dir zum Auftakt eine unbetonte Silbe
    Vorschlag: nehm' ich mir mit zum Pressen (xXxXxXx)


    LI nimmt sich also drei Blätter von Birkenbäumen mit, die dem LD etwas bedeutet haben.

    will kurz das Leid ertränken,
    das Herbstlaub soll bedeuten,
    versuche zu versenken
    und höre Glockenläuten.

    Xe s.o. ok


    Diese Blätter stellen eine Art Trost dar, die LI wohl helfen sollen, etwas zu vergessen oder zu verdrängen (vielleicht eine Trennung, vorübergehend oder dauerhaft?).
    Das scheint dem LI auch zu gelingen, denn es hört ein Glockenläuten, was ich in diesem Fall als Hoffnung interpretieren möchte.


    Ich sehe hier eine Liebesbeziehung, die existiert, aber wohl nicht dauerhaft gelebt werden kann.

    Auf jeden Fall hat mir dein Gedicht sehr gut gefallen und ich glaube, die "alte" Dana ist wieder voll zurück und hat ihre Abwesenheit gut genutzt, um uns neue schöne Gedichte schenken zu können.
    Dieses Gedicht hat mich stark berührt und angesprochen.

    Gerne gelesen und kommentiert. .. .


    Liebe Grüße

    Bis bald

    Falderwald

  12. #12
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    889
    Hallo liebe Dana,

    schön, wieder etwas von dir hier vorzufinden . Es ist schon so viel geschrieben worden dazu, ich hab die Interpretationen meiner Vorschreiber jetzt mal nicht gelesen, sondern nähere mich allem ausschließlich über deine Zeilen an.

    In der Verbindung zwischen LI und LD ist im Laufe des Kennens einiges offen gelegt worden, manches allerdings noch nicht. Das LD möchte dem LI Vertrauen schenken, zögert aber immer wieder, vielleicht aus Unsicherheit, aus Stolz, oder aus der Angst heraus, das LI abzuschrecken mit dem, was an Dunklem auf den Händen zum Betrachten liegt.
    Das LI kann das Problem des LD natürlich nicht vollständig lösen, ist es ja kein Übermensch, sondern jemand gleichwertiges, der ebenfalls seine Scharten davongetragen hat wie das LD, und obwohl man weiß, woraus diese Scharten entstanden sind, genügt dieses Wissen allein nicht, damit umgehen zu können.
    Dann kommt es zum Bruch, zur Trennung, sonst wäre das LI nicht darauf angewiesen, sich mittels dreier Birkenblätter an das LD und die gemeinsame Zeit zu erinnern.
    Das Pressen hat etwas Konservierendes, aber auch etwas "Totes", denn die Blätter sind von der Nahrungszufuhr des Baumes abgetrennt.
    Das Ende ist wohl ein ambivalentes, denn Glockenklänge können einen hellen, erfreuenden Ton bedeuten und das Gefühl des LIs heben, es könnten aber eben auch die Kirchturmglocken sein, die läuten, weil die Verbindung beendet und die Liebe "beerdigt" wird.

    Habe ich gerne gelesen, in diesem Sinne: willkommen zurück!

    Lieben Gruß,
    Malle

  13. #13
    Registriert seit
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    Beiträge
    997
    liebe dana,

    noch einmal eiin ganz herzliches offizielles Willkommen zurück von mir. Ich habe dich sehr vermißt. Schön wieder deine Werke lesen zu können. Entschuldige bitte, wenn ich aus Zeitgründen mich nicht ausführlich mit allen Kommentaren zu dem Gedicht befasst habe. Zur Metrik sage ich nichts, dazu ist bereits eh ausführlich Stellung genommen worden.

    Dein Werk im Kreuzreim gefällt mir sehr gut. Zur Interpetation:

    Ich sehe hier ein lyr. du, dass sich dem lyr. ich anvertraut. Es hatte keine schöne Kindheit. Das lyr. ich möchte helfen, das Blatt für das lyr. du wenden.
    Es will, das Leid des lyr. du ertränken, versenken. Das Glockenläuten am Ende des Gedichtes sehe ich auch als Symbol der Hoffnung an.

    Besonders gefällt mir das Bild des Herbstlaubes, welches für das Versenken der Vergangenheit steht.

    Gerne gelesen und kurz kommentiert.

    Alles Liebe
    Speedie
    [FONT="Arial Narrow"]Fantasien sind für manche Menschen unvorstellbar. (Gabriel Laub)

  14. #14
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    4.366

    Drei Birkenblätter

    Lieber Faldi,
    du kennst meine Freude über Xxxe - das "ok" dahinter, war mir wie ein Sechser im Lotto. Darum habe ich ganz schnell deinen Vorschlag mit dem "mir" übernommen, um mich in den "ok's" zu sonnen.
    Deine Interpretation gefällt mir, sehr gut sogar - aber erzählen werde ich nix. Mir genügt, dass es dich angesprochen und berührt hat - das Anliegen eines jeden Poeten und jeder Poetin.

    Liebe Malle,
    wenn du/ihr wüsstet, wie ich die "Wiedersehensfreude" genieße.
    Die Ausführlichkeit und Gedanken zum Gedicht sind Zeugen der Gegenseitigkeit.
    Die Interpretationen sind durchgehend interessant, weil man als Autor überprüfen kann, ob man verstanden wurde. Es kommt nicht auf den "Treffer" an, die Intention des Autors zu erlesen, sondern auf die Bandbreite, wie ein Gedicht angenommen wird.
    Ich freue mich und staune.

    Liebe speedie,
    auch du hast eine Version, die wiederum mich berührt. Das Blatt zu wenden, hat mir besonders gefallen. Jeder von Euch hat so manches erkannt, erfühlt.

    Ich danke Euch und grüße herzlich,
    Dana
    Die Seele ist kein Wasser, dessen Tiefe gemessen werden kann. (ind. Sprichwort)

    - Ich bin umgezogen. Meine neue Zuhause-Seite ist in meinem Profil zu finden -

  15. #15
    Registriert seit
    Oct 2005
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    Liebe Dana,

    deine "Birkenblätter" haben so etwas Zartes, wie viele deine Gedichte.
    Ich weiss, das wird immer wieder geschrieben, und so reih ich mich ein in die Schar der Lobenden.

    Geixt wurde, es wurde interpretiert und erkannt, was bleibt mir da noch übrig.
    Ein wunderschönes Werk.
    Viele von uns werden sich darin wiederfinden und ihr eigenes Leben widergespiegelt sehen.

    Lieben Gruss,
    Katzi
    Nickänderung: supikatzi wurde zu Chavali


    ~WÖRTERWUNDERTÜTE~

    Werkeverzeichnis (unvollständig - ruft nach Aktualisierung): Katzenspuren

    ©
    auf alle meine Texte!

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