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  1. #1
    yaira Guest

    Nachtgedanken eines Landkindes

    Nachtgedanken eines Landkindes

    Lange vermochte ich, ein Landkind, den nächtlichen Himmel
    Über der Stadt nicht verstehn, trotz dieser tiefschwarzen Stund’
    War ich nicht blind, wenn mein Blick sich träumend nach oben verirrte.
    Braun-grau strahlte die Nacht, schwärzer schien mir jeder Tag.
    Nich ein einziger Stern, der glitzernd die Ferne mir zeigte,
    Keine Sternschnuppe fiel, Wünsche verhallten im Nichts.
    Doch säumt nur ein einziger Baum meinen düsteren Wegrand,
    Winkt mir zaghaft zu, Blätter leis’ rascheln zum Gruß,
    Schließ’ ich die Augen und kann rückwärts träumen in andere Zeiten:
    Nächte schmecken so klar, kein Mensch hat sie je berührt.



    Eine kleine Elegien-Diskussion in der Bibliothek hat mich zu diesem Machwerk inspiriert. Ein Formversuch sozusagen...

    Ich habe aus "konnte" im ersten Vers "vermochte" gemacht. Das Wort gefällt mir zwar nicht so gut, aber ich entgehe so dem rein trochäischen Versanfang...(danke ferdi, für die Anregung, das hat mich nicht mehr in Ruhe gelassen...)
    Geändert von yaira (12.12.2006 um 00:22 Uhr)

  2. #2
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    Yaira
    Nur ein Wort :
    Schön
    lg Mone
    Wer glücklich sein will, muss wissen was Traurigkeit bedeutet!

  3. #3
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    Liebe yaira,

    du hast vollkommen recht:
    In der Stadt rsp. Grossstadt, sieht der Himmel anders aus als nebenan auf dem Lande.
    Das kommt erstens von der tatsächlichen Andersheit her, durch den Geruch der Strassen, Häuser, Autos;
    die Enge durch die Hochhäuser und den Smog
    und zweitens ispiriert ein Himmel in freier Natur gewaltig.

    Der Geruch der Bäume, der Wiesen, der See und der Felder kommt hinzu und tut sein Übriges.
    Deswegen sehen die Sterne auch anders aus - das wäre schon wieder ein Thema für eine neues Gedicht....

    Lieben Gruss,
    Katzi
    Nickänderung: supikatzi wurde zu Chavali


    ~WÖRTERWUNDERTÜTE~

    Werkeverzeichnis (unvollständig - ruft nach Aktualisierung): Katzenspuren

    ©
    auf alle meine Texte!

  4. #4
    yaira Guest
    Hallo Dornenrose,
    es freut mich, dass es dir gefällt.

    Hallo Katzi,
    ich wohne zwar in einer recht kleinen Stadt, aber schon hier gibt es das Problem, dass der Nachthimmel einfach nicht so ist, wie in der Natur, er ist irgendwie nicht ganz richtig. Danke für deinen netten Kommentar.

    Liebe Grüße
    yaira

  5. #5
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    Liebe yaira!

    Ich find Dein Werk einfach nur schön!
    Ich kann das so gut nachvollziehen!

    Ich bin selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen, weit weg von "der großen Stadt"
    Als ich nach 20 Jahren als Landei in die Großstadt gekommen bin, konnte ich es einfach nicht fassen, dass man hier keine Sterne sieht. Es ist einfach furchtbar!

    Bei Deinem Gedicht, musste ich gerade einen "Erinnerungskloß" runterschlucken.

    GLG Lilly
    Unterschätze niemals einen Menschen, der einen Schritt zurücktritt...

    ... er könnte Anlauf nehmen!

  6. #6
    yaira Guest
    Hallo Lilly Joy,

    auch dir herzlichen Dank für das Lob. Schön, wenn die Gedanken ankommen und Wirkung zeigen.

    Liebe Grüße
    yaira

  7. #7
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    7
    Hallo Yaira,
    ich bin in einer Großstadt groß geworden und ich habe mir angewöhnt auch mit
    offenen Augen zu träumen, dann sehe ich die Sterne wenn ich es will.
    Einfach nur schön dein Gedicht vor allem das rückwerts Träumen! Man sollte sich immer die Träume nehmen wenn man sie braucht

    gruß Theodor

  8. #8
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    Ja, das "rückwärts träumen" ist wirklich schön.
    Ich bin auch von eher kleinen Orten in eine echte Großstadt gezogen - Paris - und es stimmt, hier ist der Himmel anders.
    Danke für die schönen Zeilen, mit denen ich mich so richtig schön identifizieren kann!

    Liebe Grüße, Branq
    Veröffentlich wird jetzt schwarz auf weiß, auf echten Seiten. Infos auf meinem Blog.

  9. #9
    yaira Guest
    hallo ihr beiden,

    auch euch möchte ich sehr für eure netten Worte danken. Es freut mich, wenn man wirklich nachempfinden kann, was ich ausdrücken wollte.
    Nur mache ich mir langsam Gedanken über den "formalen" Teil des Gedichts. Ist der inhalt so schön, dass man darüber hinwegsieht?...

    Danke und liebe Grüße
    yaira

  10. #10
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    80
    Liebe yaira!

    Da hast du dir mit mir aber eine nicht sehr kompetente Kritikerin ausgesucht Aber ich kann es ja gerne mal versuchen. Man belehrt mich sicher, wenn ich danebenliege, was nicht so abwegig ist. Und die Belehrung ist auch gewünscht, damit ich nicht totalen Mist verbreite . Zum Inhalt sage ich nicht mehr sehr viel, er gefällt mir, wie meinen Vorrednern sehr! Auch ich wohne jetzt in der Stadt und die klaren Nächte fehlen mir auch…

    Aber jetzt zum Metrum: An ein paar Stellen bin ich schon ein bisschen gestolpert… Aber das kann auch an mir liegen….

    Ich schlüssle das einfach mal auf:

    Lange konnte ich, ein Landkind, den nächtlichen Himmel
    Über der Stadt nicht verstehn, trotz der tiefschwarzen Stund’
    XxXxXxXxxXxxXx
    XxxXxxX || XxXxxX (oder XxxXxX ?)

    Zum Hexameter: Den finde ich sehr schön. Meine Professorin predigt zwar immer, dass der zweite Versfuß (wie der 5.) unbedingt ein Daktylus sein sollte… Scheint irgendwie Geschmackssache zu sein, denn ich hab das auch schon anderes gelesen. Mit eventuellen Zäsuren die vorhanden sein sollen (am besten im 3. Versfuß), kenne ich mich noch nicht aus, muss mich irgendwann mal schlau machen
    Zum Pentameter: ferdi hat mir im erwähnten Elegienfaden erklärt, dass vor der Zäsur pro Versfuß eine Senkung fehlen darf. Hab da dann ein bisschen nachgelesen, und herausgefunden, dass der 4. u. 5. Versfuß zwingend Daktylen sein sollen…

    War ich nicht blind, wenn mein Blick sich träumend nach oben verirrte.
    Braun-grau strahlte die Nacht, schwärzer schien mir jeder Tag.
    XxxXxxXxXxxXxxXx
    XxXxxX || XxxXxxX

    Finde ich super

    Kein einzig’ Stern, der glitzernd die Ferne mir zeigte,
    Keine Sternschnuppe fiel, Wünsche verhallten im Nichts.
    XxxXxXxxXxxXx
    XxXxxX || XxxXxxX

    Hexameter: Irre ich mich hier, oder fehlt dir eine Hebung? Wie wäre es mit „Nicht ein einziger Stern […]“ ? Dann wäre auch die Elision weg…


    Doch säumt nur ein einziger Baum meinen düsteren Wegrand,
    Winkt mir zaghaft zu, Blätter leis’ rascheln zum Gruß,
    XxXxXxxXxxXxxXx (kann man „meinen“ xx betonen?)
    XxXxX || XxxXxxX

    Schließ’ ich die Augen und kann rückwärts träumen in andere Zeiten:
    Nächte schmecken so klar, kein Mensch hat sie je berührt.
    XxxXxxXxxXxxXxxXx (kann man „rückwärts“ xx betonen? )
    XxXxxX || XxxXxxX (wahrscheinlich war es so gedacht, aber mir kommt es ein bisschen seltsam vor, „kein“ zu betonen und „Mensch“ nicht… )


    Fazit:
    Hhm… Du siehst, so gut geht’s mir mit der Metrik nicht und ich glaube auch, wir betonen etwas verschieden. Wie waren denn die Stellen gedacht, bei denen ich mir nicht sicher war? Es sollte sich wohl jetzt am besten ein Profi auf meinen laienhaften Kommentar stürzen und meine Fehler erläutern Der Inhalt gefällt mir auf jeden Fall, die Sprache ist wunderschön sanft und passt sehr zum etwas sentimentalen lyrischen Ich!

    Liebe Grüße,
    Kari
    Geändert von s.Kari (01.12.2006 um 19:13 Uhr)

  11. #11
    yaira Guest
    hallo kari,

    vielen lieben Dank, dass du es dir angeschaut hast, so kann ich einige Fehler noch ausbessern.

    Zitat:
    Lange konnte ich, ein Landkind, den nächtlichen Himmel
    Über der Stadt nicht verstehn, trotz der tiefschwarzen Stund’

    XxXxXxXxxXxxXx
    XxxXxxX || XxXxxX (oder XxxXxX ?)

    Zum Hexameter: Den finde ich sehr schön. Meine Professorin predigt zwar immer, dass der zweite Versfuß (wie der 5.) unbedingt ein Daktylus sein sollte… Scheint irgendwie Geschmackssache zu sein, denn ich hab das auch schon anderes gelesen. Mit eventuellen Zäsuren die vorhanden sein sollen (am besten im 3. Versfuß), kenne ich mich noch nicht aus, muss mich irgendwann mal schlau machen
    Zum Pentameter: ferdi hat mir im erwähnten Elegienfaden erklärt, dass vor der Zäsur pro Versfuß eine Senkung fehlen darf. Hab da dann ein bisschen nachgelesen, und herausgefunden, dass der 4. u. 5. Versfuß zwingend Daktylen sein sollen…
    Die Senkung, die mir im Pentameter gefehlt hat, habe ich durch den Einsatz von "dieser" eingefügt.
    Zum Hexameter: Seltsam, ich habe gelernt, dass nur der 5. Versfuß zwingend daktylisch sein muss.
    Zäsuren, kann man einfach an den Stellen der Kommata lesen. In diesem Hexameter also eine Trithemimeres und kata triton trochaion
    XxXxX/xXx/xXxxXx

    Zitat:
    Kein einzig’ Stern, der glitzernd die Ferne mir zeigte,
    Keine Sternschnuppe fiel, Wünsche verhallten im Nichts.

    XxxXxXxxXxxXx
    XxXxxX || XxxXxxX
    Hexameter: Irre ich mich hier, oder fehlt dir eine Hebung? Wie wäre es mit „Nicht ein einziger Stern […]“ ? Dann wäre auch die Elision weg…
    Hier war ich wohl absolut Werkblind. danke für den tollen Vorschlag.

    Zitat:
    Doch säumt nur ein einziger Baum meinen düsteren Wegrand,
    Winkt mir zaghaft zu, Blätter leis’ rascheln zum Gruß,

    XxXxXxxXxxXxxXx (kann man „meinen“ xx betonen?)
    XxXxX || XxxXxxX


    Zitat:
    Schließ’ ich die Augen und kann rückwärts träumen in andere Zeiten:
    Nächte schmecken so klar, kein Mensch hat sie je berührt.

    XxxXxxXxxXxxXxxXx (kann man „rückwärts“ xx betonen? )
    XxXxxX || XxxXxxX (wahrscheinlich war es so gedacht, aber mir kommt es ein bisschen seltsam vor, „kein“ zu betonen und „Mensch“ nicht… )
    Ich denke, das ist das seltsame an Distichen, dass die Betonung nicht immer ganz natürlich scheint. Aber das ist selbst ab und an bei Goethes römischen Elegien der fall (Nein, ich will mich nicht mit ihm vergleichen, nur, wenn selbst ER es manchmal etwas biegen musste...).

    Ich denke also, nachdem du mir diese 2 hässlichen Schnitzer aufgezeigt hast, geht es metrisch einigermaßen... ich lasse mich aber gerne belehren, da das Ganze wie gesgt ein Versuch war, inspiriert durch die kleine Unterhaltung...

    Danke und viele Grüße
    yaira

  12. #12
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    Tatsächlich hatte mich die Form anfangs gestört.
    Aber irgendwie hab ich mich dann doch damit angefreundet. Es ist natürlich von der Umsetzung her kein Meisterwerk, das stimmt, aber man muss sich ja auch mal was erlauben, nicht wahr?

    Ich an deiner Stelle würde es ja so lassen, weil es sonst dem Gedicht was nimmt, glaube ich. Aber letztendlich ist es ja deine Entscheidung.

    Liebe Grüße
    Veröffentlich wird jetzt schwarz auf weiß, auf echten Seiten. Infos auf meinem Blog.

  13. #13
    yaira Guest
    Hallo Branquignole,

    danke für deinen Kommentar. Nein, es ist sicherlich kein Meisterwerk, doch mich hat der Formversuch gereizt (allerdings wird das der einzige Versuch in diese richtung bleiben).

    Ich an deiner Stelle würde es ja so lassen, weil es sonst dem Gedicht was nimmt, glaube ich.
    Entschuldige, aber ich weiß nicht hundertprozentig, was du meinst. Was soll ich so lassen?

    Viele Grüße
    yaira

  14. #14
    yaira Guest
    Hallo ferdi,

    beinahe hatte ich Angst, dass du dies hier findest, da ich ja schon viele deiner Distichen gelesen habe. Nun, dein Kommentar zeigt eindeutig, dass es bei mir nicht dazu reicht, mich an so etwas zu versuchen (womit ich allerdings schon gerechnet hatte...).
    Schön, dass dir zumindest der Inhalt zusagt.

    Viele Grüße
    yaira

  15. #15
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    hallo yaira,
    habe dein gedicht gelesen und bin begeistert, deine erste version kenne ich nicht- ist auch gut so, denn manchmal machen mich die ganzen kritiken an versfuß und metrik und die Xerei ganz wuschig,
    ich lese mit dem herzen, und das ist mit deinem schönen melancholischen gedicht sehr einverstanden;

    in meinem leben ging es vor zwölf jahren genau andersherum, ich bin nach einem fastmenschenleben von der großstadt in ein dorf umgezogen,
    ich genieße die natur vor der haustür sehr, aber noch immer träume ich von dem sternenhimmel über meiner stadtwohnung (Hochhaus,11.Stock);
    der himmel ist überall der gleiche - man muss sich nur die zeit nehmen, zu ihm hinaufzusehen.

    lieben gruß :0)
    "Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen."
    Mark Twain

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