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Thema: Nur ein Kuss

  1. #1
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    Nur ein Kuss

    Noch brennend liegt mir dein Kuss auf den Lippen,
    wie züngelnde Flamme, die langsam verzehrt.
    Ein sanftes Berühren, nur zärtliches Nippen.
    Verunsichert warst du, als schien es verkehrt.

    Die Glut dieses Kusses vermocht’ ich zu deuten,
    wenngleich auch derselbe ein Hauchen nur war.
    Ihm folgte nichts weiter, was wir nun bereuten -
    ein einziger Kuss nur, doch voller Gefahr.

    Schüchtern bog langsam dein Mund sich zu meinem,
    die bebenden Lippen geöffnet, ganz sacht
    und kurz der Moment, wo sich beide vereinen.
    Ein Funke hat loderndes Feuer entfacht.

    Du solltest nicht merken, was in mir sich regte,
    obwohl ich, mir sicher, zu mehr war bereit.
    Ein Kuss war’s, der stürmische Wogen bewegte,
    doch mahnte uns beide die fehlende Zeit.

    Wir sahen, ganz scheu noch, uns tief in die Augen
    und keiner von uns sprach ein einziges Wort.
    Die Blicke begannen sich fester zu saugen...
    Dann dreht’ ich mich um und ging einfach fort.
    Geändert von Anette (01.12.2006 um 11:33 Uhr)
    ~~Ae~~

  2. #2
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    Guten Morgen, liebe Anette,
    ein zarter Kuss am frühen Morgen, schön!
    Ich schließe mich Supi an mit einer Mini-Einschränkung: Dein Gedicht hat grundsätzlich eine wunderhübsche poetische Basis und ist herrlich romantisch. "Perfekt" wird es, wenn Du noch ein kleines bisschen "feilst". Kritik soll ja konstruktiv sein, deswegen werde ich mich gern an die Stellen wagen, deren leichte Änderung Deinem Gedicht zugute kommen. Es ist nämlich so schön, dass es sich lohnt, aus dem Neugeborenen ein hübsches Kind zu machen. Aber diese Bemerkungen sollen Dein Werk nicht schmälern. Das hast Du wirklich gut gemacht!
    Liebe Grüße,
    heinzi
    Geändert von Festival (30.11.2006 um 23:18 Uhr)

  3. #3
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    Thumbs up Nur ein Kuss?

    Mmmhhh, Gänsehautfeeling pur! Für ein solches Werk kann man eigentlich nur danke sagen. Das war (mal wieder Dank dir!) ein echtes Lese- und Fühlerlebnis.
    LG, Pia
    Es ist vernünftiger Dämme zu bauen, als darauf zu warten, dass die Flut Vernunft annimmt. (Erich Kästner)

  4. #4
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    danke ihr 3, !
    @ Heinz,
    hab versucht dran zu feilen. Besser so? L.G.Anette
    ~~Ae~~

  5. #5
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    Liebe Anette,
    hab ich bemerkt. Ich versuche mal, noch ein bisschen Hand anzulegen.
    Du beginnst im ersten Vers mit einem schönen regelmäßigen Trochäus, der die ganze Aufregung schön unterstützt, hältst ihn aber nicht ganz durch. Mein Vorschlag:
    Brennend liegt dein Kuss auf meinen Lippen,
    XxXxXxXxXx
    Dann wechselst Du in Daktylen mit Auftakt. Finde ich dem Inhalt sehr angemessen. Dass die Betonung am Beginn des vierten Verses auf
    verunsichert liegt, kann man in Kauf nehmen.
    In der zweiten Strophe fehlt im vierten Vers eine Senkung. Die kriegts Du rein, wenn Du schreibst:
    ein einziger Kuss nur, doch barg er Gefahr
    In der e. Strphe hast Du im 3. Vers saubere Jamben verwendet. Damit kann ich, auch vom Inhalt her, ganz gut leben.
    Am meisten hat mich in der vierten Strophe der Vers
    obwohl ich zu mehr war schon gerne bereit - der hört sich verklemmt an, aber auf die Schnelle habe ich noch keine bessere Lösung parat.
    Letzte Strophe, Vers 1, wenn Du den wie folgt änderst, hast Du einigermaßen saubere Daktylen:
    Wir sahen, ganz scheu noch, uns tief in die Augen
    Der zweite Vers der letzten Strophe (und keiner ...), liest sich flüssig und darf metrisch, wie ich meine, ruhig so bleiben.
    Noch einmal: Ich finde Form und Inhalt und das, was da so unbeschreiblich lieb rüber kommt, sehr gelungen. Ich ziehe meinen Hut!
    Liebe Grüße,
    heinzi

  6. #6
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    ja danke Heinz. Habe etliches von dir übernommen. Den korrekten Auftakt im
    1. Vers krieg ich iregendwann sicher auch noch hin. L.G.aNETTE
    ~~Ae~~

  7. #7
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    Liebe Anette,
    ich würde den auftaktlosen Trochäus im ersten Vers als unmittelbaren "Eingang" in Dein Gedicht stehen lassen. Das "noch" stört den gleichmäßigen Trochäus und was besagt dieses "noch"?
    Ich hoffe, dass andere Metrikkünstler sich Dein Gedicht auch anschauen und genau so viel Freude an Deinem Werk haben wie ich.
    Liebe Grüße,
    heinzi

  8. #8
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    Hallo Anette!
    Ich wage zwar zu bezweifeln, dass ich zu den von Kulturheinzi genannten Metrikkünstlern gehöre, will es mir aber nicht nehmen lassen, mein Wohlgefallen ob dieses der Bezeichnung "Gedicht" würdigen Werkleins zu äußern. Das Metrum liest sich wirklich schön flüssig; dass es durchgehend recht strikt eingehalten ist, trifft auch meinen Geschmack. An dieser Stelle möchte ich mich dennoch Kulturheinzi mit der vorsichtigen Forderung, das "noch" zu entfernen, anschließen. Mit den entsprechenden Zäsuren beim Lesen hätte man somit eine Parallelität zwischen erster und letzter Zeile
    Brennend liegt mir - dein Kuss auf den Lippen
    dann dreht’ ich mich um - und ging einfach fort
    Womit der Kreis quasi geschlossen wird. Die einzige weitere Ausnahme vom sonst geltenden Metrum hast du in der ersten Zeile der dritten Strophe, wo es meines Erachtens sehr gut passt, da hier erstens eine äußere Symmetrieachse des Gedichts liegt (Strophe 3 von 5) und zweitens die aktive Handlung des Kusses beschrieben wird (sonst bleibt ja bis auf den Schluss fast alles eher bei Bildbeschreibung ohne wirklich aktive Handlung).
    Mir gefällt auch die Wortwahl und Ausdrucksweise: Fast jedes Substantiv/Verb ist mit einem passenden Adjektiv/Adverb verziert, wobei Wiederholungen weitestgehend vermieden werden; eine einfache, aber hier wirkungsvoll eingesetzte Technik, welche ich an dieser Stelle allen angehenden Hobby-Poeten ans Herz legen möchte (könnte bestimmt so manches einfallslose Anfänger-Gedicht wesentlich verbessern). Um nicht mißverstanden zu werden: das hier halte ich für kein Anfänger-Gedicht! Drei kleine (wirklich ganz, ganz kleine) Kritikpunkte möchte ich jedoch auch äußern, welche jedoch allesamt kaum negativ auffallen, sodass mir die Gefahr größer erscheint, durch eine eventuelle Änderung der entsprechenden Passagen etwas zu zerstören, als die Möglichkeit, das Gedicht hier wesentlich zu verbessern:
    1. Der "meinem-vereinen"-Reim in Strophe drei ist leider etwas unsauber.
    2. An selbiger Stelle vermisse ich ein wenig einen Artikel vor "kurzer Moment".
    3. In der letzten Zeile ebendieser Strophe lese ich "brennendes Feuer". Nun, das Brennen ist keine sonderlich erwähnenswerte Eigenschaft des Feuers, ebensowenig wie die Nässe von Wasser oder die Kälte des Eises. Hättest du "lodern" nicht auch schon in der ersten Strophe verwendet, so wäre dies hier meine eindeutig favorisierte Alternative gewesen.

    Insgesamt gern (und mehrfach) gelesen und ebenso gern kommentiert. Vielleicht kann ja sogar jemand ein wenig mit den paar Details anfangen, die mir da so aufgefallen sind.
    Lieben Gruß vom Y~shark
    Ich versuche auch nur, zu sagen, wovon ich glaube, es seien meine Gedanken, in der Hoffnung, meine Meinung beruhe nicht einfach nur auf Irrtümern.
    Liebe macht blind - nicht blöd!

  9. #9
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    Hallo Anette!

    Schön, auch mir gefällt dein Gedicht.
    Anfangs fand ich es ja ein wenig lang für "nur einen Kuss", aber wenn es erst mal ein bisschen auf einen gewirkt hat, dann gibt sich das, und dann möchte man da nichts mehr weg haben.
    Es passiert meiner Meinung nach viel zu selten, dass man mal was Gutes zu so einer Thematik liest. Danke, dass du mich mit deinen Zeilen wieder ein wenig hoffen lässt! =)

    Liebe Grüße, Branq
    Veröffentlich wird jetzt schwarz auf weiß, auf echten Seiten. Infos auf meinem Blog.

  10. #10
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    Liebe Anette,
    dieses raubgierige Fossil der Weltmeere ist ein verdammt genauer Leser. Da muss ich mich sogar oft verstecken. Ich mach Dir mal zwei Vorschläge:
    Benutz zu Beginn (1. Str., 2. V.) die Alliteration "flackernde Flamme" (um dem Tiger der Meere gleich wenigestens einen Zahn zu ziehen: Es gibt auch andere als flackernde Flammen und es gibt Sachen, die flackern, ohne Flammen zu sein. Also nicht so wie "nasses Wasser" - wo der sich ja am besten auskennt). So, nun bleibt für die Str. 3, V. 4 "ein Funke hat loderndes Feuer ...".
    Nach Meinung des fischigen Raubtieres müsste Dein gedicht dann perfekt sein. Und nach meiner Meinung auch.
    Kompliment!
    heinzi

  11. #11
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    finde es einfach enorm, dass ihr euch so viel gedanken über einen einzigen Kuss macht!!! Auf alle Fälle Vielen dank!!
    ~~Ae~~

  12. #12
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    der unsaubere Reim in strophe3 bekomme ich so schnell nicht weg, ohne dabei die Athmosphäre des Ablaufs dieser Handlung zu zerstören. Auch einen Artikel vor " kurzen Moment" zu setzen, erweist sich als sehr schwierig, ohne im nächsten satz den gleichen Artikel verwenden zu müssen. Das ist alles nicht so einfach , ihr lieben! Ich greife mal hier auf die alt bekannte " dichterische Freiheit" zurück und sage... nichts ist perfekt.
    ~~Ae~~

  13. #13
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    Hallo Anette,

    auch wenn ich sicher nicht zu den hier von Kulturheinzi aufgerufenen Metrikkünstlern zähle, da mir die Gegend um das Herz am liebsten ist und wichtiger erscheint, will ich doch zu Deinem Gedicht etwas sagen, zumal es in dieser Region bei mir äußerst gut angekommen ist bezw. Wirkung hinterlassen hat.

    Folgende Änderungen unter Berücksichtung des obigen Vorwortes würden mir Dein Gedicht noch verschönen und verstärken:

    Brennend liegt mir dein Kuss auf den Lippen,...Noch brennend liegt mir Dein Kuss auf den Lippen,
    wie lodernde Flamme, die langsam verzehrt....wie loderndes Feuer, mich langsam verzehrt
    Nur sanftes Berühren, ein zärtliches Nippen....Das sanfte Berühren, ein zärtliches Nippen
    Verunsichert warst du, als schien es verkehrt. verunsichert warst du, als schien's Dir verkehrt.

    Die Glut dieses Kusses vermocht’ ich zu deuten,
    wenngleich auch derselbe ein Hauchen nur war....obwohl derselbe doch ein Hauchen nur war
    Ihm folgte nichts weiter, was wir nun bereuten -
    ein einziger Kuss nur, doch barg er Gefahr....ein einziger Kuss nur, doch voller Gefahr

    Schüchtern bog langsam dein Mund sich zu meinem..zögernd, weil schüchtern, dein Mund kam zu meinem
    mit bebenden Lippen, geöffnet ganz sacht...mit bebenden Lippen geöffnet, ganz sacht
    und kurzer Moment ließ die beiden vereinen....kurz der Moment nur, der ließ beide vereinen
    Ein Funke hat lohendes Feuer entfacht...Ein Funke das Feuer lodernd entfacht.

    Du solltest nicht merken, was in mir sich regte,...Wollt' nicht, dass du merktest, was sich in mir regte
    obwohl ich, mir sicher, zu mehr war bereit....obwohl ich, doch gerne, zu mehr war bereit
    Dein Kuss war’s, der stürmische Wogen bewegte,...Dein Kuss war ein Sturm, der mein Herz wild bewegte
    doch mahnte uns beide die fehlende Zeit.

    Wir sahen, ganz scheu noch, uns tief in die Augen
    und keiner von uns sprach ein einziges Wort.
    Die Blicke begannen sich fester zu saugen –
    dann dreht’ ich mich um und ging einfach fort....dann dreht' ich mich um, voll Schmerz ging ich fort.

    Mitgelitten grüßt Dich, wenigviel
    wenigviel


    Es kann sein, alles ist anders als wir es wahrnehmen und erkennen und doch müssen wir es uns glauben.

  14. #14
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    so!!! Wie es jetzt steht, bleibts auch. Sonst ist es am Ende nicht mehr meins, sondern ein Gemeinschaftswerk. Trotzdem danke ich euch herzlichst, dass ihr euch damit auseinandergesetzt habt. L.G.Anette
    ~~Ae~~

  15. #15
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    Recht hast Du, liebe Anette!
    Und dass wir uns um einen einzigen Kuss soviel Gedanken gemacht haben, das ist leicht erklärbar: In einen einzigen Kuss kann eine ganze Welt verborgen sein.
    Liebe Grüße,
    heinzi

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