1. #1
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    Verschenkte Zeit

    Täglich schau ich zu den Sternen
    höre, wie Du fröhlich lachst
    will Dich endlich kennen lernen
    will, dass Du mich glücklich machst.

    Habe Dich noch nie getroffen
    habe Dich noch nie gespürt
    kenne nur das drängend Hoffen
    welches mich durchs Leben führt.

    Sehe Dich im Sommerregen
    rieche Dich im Blumenfeld
    will mich Dir zu Füßen legen -
    wandelst Du auf dieser Welt?

    Ziellos lauf ich durch die Straßen
    finde aber nie mein Glück
    traurig über alle Maßen
    ziehe ich mich still zurück.

    Jahre kommen, Jahre gehen
    einsam fliesst die Zeit dahin
    will mich nicht im Spiegel sehen
    bin gealtert ohne Sinn.

    Immer näher rückt das Ende
    bald verblasst der Augen Licht
    spürbar zittern meine Hände
    doch die Hoffnung schwindet nicht.

    Schliesslich ist der Tag gekommen
    Herzschlag flieht aus meiner Brust
    hilflos, ängstlich und beklommen
    fühle ich den Pulsverlust.

    Niemals hast Du mich errettet
    Sehnsucht hat mich stets gehetzt -
    werde in den Sarg gebettet
    und im Regen beigesetzt.

    Lange liege ich hier unten
    treibe mit der Welt durchs All
    habe meinen Gram verwunden
    warte still auf den Verfall.

    Plötzlich ein Geräusch von oben -
    offenbar wird mit Bedacht
    eine Grube ausgehoben
    meine Neugier gleich erwacht.

    Wer wird sich zu mir gesellen
    viel zu lang war ich allein
    oben wogen Trauerwellen
    Holz taucht in die Erde ein.

    Sachte meine Sinne schweifen
    mir wird warm, ich wundre mich
    kann es gar nicht recht begreifen -
    bin erlöst und spüre Dich!
    Geändert von Philophobos (01.12.2006 um 10:58 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Philo,

    am Anfang fast geheult ob der Tragik eines verschenkten Lebens, am Schluss grinsend der humoristischen Wendung wegen.
    Du beschreibst doch nicht etwa das Leben eines Wurmes

    Deine Texte sind lang, aber niemals langweilig.
    Voll Spannung liest man sich dem Ende entgegen.
    Gut gemacht, gern gelesen.

    Mit Gruss,
    Katzi
    Nickänderung: supikatzi wurde zu Chavali


    ~WÖRTERWUNDERTÜTE~

    Werkeverzeichnis (unvollständig - ruft nach Aktualisierung): Katzenspuren

    ©
    auf alle meine Texte!

  3. #3
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    Hallo supikatzi,

    das Leben eines Wurmes beschreibe ich natürlich nicht - höchstens das eines armen und einsamen "Menschenwurmes" .

    Gruß,
    Philophobos

  4. #4
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    Auch von mir ein herzliches Hallolo!!!

    Also ich muss schon sagen, Dein Werk hat mir ausgesprochen gut gefallen!
    Ich hätte noch mehr von diesen supertollen Strophen lesen können.

    Von mir aus hätte es noch nicht zu Ende sein müssen.

    Trotz allem ist die ganze Sache ja schon ziemlich tragisch.

    Das ganze LEben lang, leidet man Sehnsucht und erreicht niemals sein Ziel und selbst wenn man tot ist, muss man noch ewig warten bis man das bekommt, was man sich wünscht... traurig traurig...

    Gerne gelesen

    LG Lilly
    Unterschätze niemals einen Menschen, der einen Schritt zurücktritt...

    ... er könnte Anlauf nehmen!

  5. #5
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    Lieber Philo....
    auch von mir ein "gerne gelesen". man liest sich flüssig durch deine Strophen, was mich nur erschreckt ist der Gedanke in einem Sarg zu liegen und das vergehen der Zeit, zur Reglosigkeit verdammt, voll zu erleben.
    Was mir noch aufgefallen ist:

    10 S. erste Zeile, für mich liest es sich im Wortfluß besser wenn du schreibst
    "Plötzlich ein Geräusch von oben
    offenbar wird mit Bedacht
    eine Grube ausgehoben...

    das ist aber eigentlich das einzige was mir aufgefallen ist, ansonsten wiederhole ich es gerne noch einmal: wirklich gerne gelesen

    viele Grüße

    badico

  6. #6
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    Hallo badico,

    das "von" ist mir beim Abtippen aus meinem Notizbüchlein verloren gegangen (dort steht es nämlich). Jetzt ist es wieder bei seinen Kollegen - vielen Dank für den Hinweis!

    Gruß,
    Philophobos

  7. #7
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    Lieber Philo, Dramen kannst du also auch schreiben.......sehr schöner Stil-gefällt mir sehr gut. Sehr gern gelesen....ich glaub ich werd ein Fan von Dir!!!!
    Liebe Grüße
    Engelsschnuck

  8. #8
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    Ja, die Dramen sind mir auch nicht fremd. Willkommen im Fanclub .

    Gruß,
    Philophobos

  9. #9
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    Das ist nun schon dein zweites Werk, welches ich mir zu Gemüte geführt habe. Es hat mir außerordentlich gut gefallen und dein Schreibstil ist wirklich sehr gelungen, gerade weil du sehr bildhaft schreibst.

    Apropos Fanclub: Ich glaube du solltest dir langsam Gedanken über TShirts machen .

    Der Diversitus
    Keiner achtet auf dich, bis du einen Fehler.

  10. #10
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    Wie wäre es mit schwarzer Schrift auf schwarzem Stoff ?

    Gruß,
    Philophobos

  11. #11
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    Danke dass du dem lyrsichen Ich doch seinen Wunsch erfüllt hast. War ja am Anfang recht traurig deswegen, aber der letzet Vers hat mich, und andere anscheinend auch, glücklich gemacht. Es ist wie immer sehr gut dargestellt, ich kann es mir auch gut vorstellen wie das lyrische Ich leidet. Danke für deine Gedichte, denn ich liebe es sie zu lesen.
    Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit.

  12. #12
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    Den letzten Vers konnte ich dem lyrischen Ich nicht vorenthalten. Hat ja schon im Leben genug gelitten und somit Anspruch auf ein wenig Glück im nächsten Leben .

    Gruß,
    Philophobos

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