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  1. #1
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    Parlez-vous Français?

    Hinter den Mauern im Herrenpalais,
    nah an der Seine, den Champs Élysée,
    spielte die Band einen Chanson d’amour
    zu schummrigen Lichtern und Alkohol pur.

    Damen, bekleidet mit Stoffen aus Nichts,
    tanzten verrucht in den Armen des Lichts.
    Verführerisch räkelten sie sich im Takt,
    geöffnete Schenkel, dazwischen fast nackt.

    An einem Tische mit Schnäpsen und Bier,
    saßen zwei Herren, die suchten Pläsier,
    - vernebelt die Bude durch stickigen Rauch -
    bei Karten und Würfeln, so war es hier Brauch.

    Der eine ein Deutscher, der and're aus Rom,
    sprachen kein Wort, denn was hat man davon?
    Sie waren nur Gäste im nachbarlich’ Land
    und keiner des Anderen Sprache verstand.

    Zur späteren Stunde, und ohne ein Wort,
    lockten die Damen die Herren mit fort.
    Und hinter des Türen im Haus, séparé,
    geschahen dann Dinge für teures Monnaie.

    Bei lüsternem Treiben ganz ohne Verbot,
    auf seidenen Laken in leuchtendem Rot,
    verstand man sich plötzlich im Herrenpalais,
    denn jeder beherrschte die Sprache „Français“.
    Geändert von Anette (03.12.2006 um 15:04 Uhr)
    ~~Ae~~

  2. #2
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    Hallo Anette!

    Einfach köstlich!
    Lg Ingo
    Ibrahim (Ingo Baumgartner)

  3. #3
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    Hallo Anette,

    wie du siehst schnappe ich schon wieder mal Luft und bin dabei überraschender weise in Frankreich hochgekommen. Tauge anscheinend nicht besonders zum Fisch.

    Schließe mich, da noch ein bisschen außer Atem gerne dem Urteil meines Vorbesuchers bis auf eines Deiner verwendeten Worte hier an.
    Dieses Wort *passee* passt meiner Meinung nach nicht gut in den Zusammenhang und nötigt den Leser bei einer Sinnsuche von dem Gedicht abzuschweifen beziehungsweise er löst sich dadurch etwas von dem führenden Geist des Gedichtes.
    Ich habe für mich ein *mon dieux* dort eingesetzt und mit etwas gepielter Unschuld dabei einen verschönernden Effekt gespürt, selbst wenn es nicht ganz sauber in den Reim passt.
    Doch der Sinn hat mich dies tolerieren lassen.
    Staune nicht schlecht über Deine angesteuerten Ziele und Deinen wissenden Fahrstil.

    Mit einem schmunzelnden *mon dieux* grüßt lieb, wenigviel
    Geändert von wenigviel (02.12.2006 um 14:59 Uhr)
    wenigviel


    Es kann sein, alles ist anders als wir es wahrnehmen und erkennen und doch müssen wir es uns glauben.

  4. #4
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    Hallo Annette

    auch mir weiss dein chason d'amour zu gefallen.

    Darf ich ein paar Glättungsvorschläge machen?
    Wie immer à prendre ou à laisser:

    Hinter den Mauern, im Herrenpalais,
    nah an der Seine und den Champs Élysée, Metrisch vielleicht etwas stolpriger, aber sonst besser für mein Sprachgefül
    spielte die Band einen Chanson d’amour
    zu schummrigen Liedern und Alkohol pur.

    Damen, bekleidet mit Stoffen aus Nichts nur so bezieht sich das bekleidet auf den Stoff, wie wohl beabsichtigt
    tanzten verrucht in den Armen des Lichts.
    Verführerisch räkelten sie sich im Takt,
    geöffnete Schenkel, dazwischen fast nackt.

    An einem Tische mit Wein, Schnaps und Bier,
    saßen zwei Herren zum späten Pläsier, die Inversion wirkt gesucht
    vernebelt die Bude durch stickigen Rauch,
    bei Karten und Würfeln, so war es hier Brauch.

    Der eine, ein Deutscher, der andre aus Rom, orthographisch richtig so
    sprachen kein Wort, denn was hat Mann davon?
    Sie waren nur Gäste im nachbarlich’ Land
    und keiner des Anderen Sprache verstand.

    Zur späteren Stunde und ohne ein Wort,
    lockten die Damen die Herren mit fort.
    Und hinter des Türen im Haus, separee,
    geschahen dann Dinge, die draußen passee.

    Bei lüsternem Treiben, ganz ohne Verbot,
    auf seidenen Decken in leuchtendem Rot,
    verstand man sich plötzlich, im Herrenpalais,
    denn jeder beherrschte die Sprache „Français“.

    Den Vorschlag von wenigviel mit dem mon dieu möchte ich ablehnen - der Reim wird zu unrein

    LG
    yarasa

    edit

    Ich habe mir erlaubt, den Tippfehler im Titel zu editieren
    Geändert von yarasa (02.12.2006 um 15:04 Uhr)
    Saitenweise Ideen
    aber vielleicht leckt das Gehirn so sehr, dass ich auch mal wieder dichtend unterwegs sein werde

    Eine Art Grundsatzpapier zu meinen Kritiken
    yarasas Fingerübungen

    Die Frederick-Maus hat mich schon als Kind nachhaltig verdorben. Von da an wollte ich Dichterin sein.

  5. #5
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    Hallo Anette,

    möchte dir spontan zu dieser wunderschönen Parodie auf das Lotterleben gewisser Provinzheinis aus dem EG-Umland im sündigen Paris (meiner zweiten Heimat) gratulieren, denn du hast es auf humorige Art und Weise verstanden, das letzte Wort deines Gedichtes, „francais“ so grandios zu verpacken, dass niemand daran Anstoß nehmen könnte, obwohl jeder genau weiß, was gemeint ist, bravo!

    Nun gibt es hier und da auch ein wenig zu mäkeln, was aber eher marginaler Natur ist, nur kleine Verbesserungsvorschläge.

    Hinter den Mauern, im Herrenpalais,
    nah an der Seine und den Champs Élysée, (ruhig "den" mit reinnehmen)
    spielte die Band einen Chanson d’amour
    zu schummrigen Liedern und Alkohol pur.

    Z3 und Z4 harmonieren logisch nicht so ganz, denn
    wenn die Band schon ein Chanson spielt, dann gewiss
    nicht zu schummrigen Liedern.... daher besser:

    wobei Mann von allerlei Sachen erfuhr.

    Bekleidete Damen mit Stoffen aus Nichts, (sehr schön gesagt)
    tanzten verrucht in den Armen des Lichts. (dito)
    Verführerisch räkelten sie sich im Takt, (besser
    sie räkelten sich unkeusch im wiegenden Takt
    geöffnete Schenkel, dazwischen fast nackt. (etwas zu derb geraten, daher
    sie waren so sinnlich-erfolgreich wie nackt.

    An einem Tische mit Wein, Schnaps und Bier, (wegen "der"...)
    An einem der Tische, mit Schnäpsen und Bier
    saßen zwei Herren zum nächtlich’ Pläsier, (besser: ..,die hatten Plaisir,)
    vernebelt die Bude durch stickigen Rauch,
    bei Karten und Würfeln, so war es hier Brauch.

    Der Eine, ein Deutscher, der Andre aus Rom, (and're)
    sprachen kein Wort, denn was hat Mann davon? (man?)
    Sie waren nur Gäste im nachbarlich’ Land (aus Nachbarschaftsland)
    und keiner des Anderen Sprache verstand. (anderen)

    Zur späteren Stunde und ohne ein Wort,
    lockten die Damen die Herren mit fort.
    Und hinter des Türen im Haus, separee, (etwas holprig, daher
    Und hinter den Türen im Prachtseparée
    geschahen dann Dinge, die draußen passer. (passer?)
    geschahen dann Dinge für pures Monnaie.

    Bei lüsternem Treiben, ganz ohne Verbot,
    auf seidenen Decken in leuchtendem Rot, (Laken statt "Decken"?)
    verstand man sich plötzlich, im Herrenpalais,
    denn jeder beherrschte die Sprache „Francais“.

    So, das war's schon, hat doch gar nicht weh getan, oder?

    Liebe Grüße et un petit bisou..
    crux

  6. #6
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    danke yarasa, wie du siehst hab ich's gleich übernommen. Wozu hat man schließlich ein Forum??? Kann nicht immer alles übernehmen, was man mir vorschlägt, aber ich bin immerhin lernfähig, gelle?


    Crux, dir auch danke wird Monnai nicht Monnaie geschrieben? Weiß es leider nicht mehr. Ich hatte nur 1 Jahr Französisch in der Schule und habs vergessen. Also... ich kann zwar französisch... nur mit der Sprache hapert's !
    Achja... das mit den "Liedern" war ein Abtippfehler. Es sollte selbstverständlich "Lichtern" heißen. Gut aufgepasst!
    Geändert von Anette (02.12.2006 um 15:53 Uhr)
    ~~Ae~~

  7. #7
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    Ei, hab ich doch, Liebes, schau mal hin...(crux ist verwirrt...)

  8. #8
    Johan Guest
    Entschuldigt, wenn ich Euch bei Eurem Tete-a-Tete störe! Ich möchte nur mein Lob für Anettes Eintrag los werden. Er eignet sich ganz vorzüglich als Beitrag zu einer etwas anrüchigen Lyrikreisen-Ausgabe.
    Anette, du hast mich auf eine Idee gebracht. Jetzt weiß ich auch, welchen Urlaubsplatz ich mal wieder mit meinem Schatzi aufsuchen könnte. Montmatre, ich komme! Und sei’s auch nur, um mir mal wieder die verstaubten Bilder der Piaf in den Straßencafés anzuschauen oder die mühselig erarbeiteten Euros den Tänzerinnen im Moulin Rouge in die Höschen zu stecken. Dieses Mal nehme ich aber eine Staubbürste mit, für die roten Samtpolster.
    Ja, der Platz hat schon etwas. Besser als sein Wiener Pendant.

    Lieben Gruß
    Johan

  9. #9
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    Hallo Anette!

    Spitze...einfach super!

    Freut mich sehr, zu sehen, dass da ein neuer Schreiberling in der Humorecke auftaucht und dann noch dazu mit einem so gelungenen Stueck!

    Toll verpackt, diese schummrig-anruechige Urlaubsepisode der beiden Herren ...aeusserst pikant!

    Dazu gibts fuer mich net mehr zu vermelden, als: grosses Kompliment und Lob!

    Schmunzelnde Gruesse
    von Lailany

  10. #10
    Johan Guest
    Aber, aber, Lailany. So neu ist Anette ja nun wieder auch nicht. *grinzz*

    Haste aber toll gemacht, Anette! Ist reif für den Druck.

    Lieben Gruß
    Johan

  11. #11
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    Sorry Anette...

    Hab ich da was verpasst, als Stammleser der 'Humorecke'???
    Ich gelobe, ich bessere mich...werd mich sofort belesen.
    Danke fuer den Tip, Johan!

    Nochmals liebe Gruesse
    von Lailany

  12. #12
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    an euch alle... einen wunderschönen 1. Advent und vielen Dank für eure regen Kommentare..
    ~~Ae~~

  13. #13
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    Ich bin auch sehr positiv angetan, möchte aber auf einige marginale Verbesserungen nicht verzichten:

    Hinter den Mauern, im Herrenpalais,
    nah an der Seine, den Champs Élysées,
    spielte die Band einen Chanson d’amour
    zu schummrigen Lichtern und Alkohol pur.

    Damen, bekleidet mit Stoffen aus Nichts,
    tanzten verrucht in den Armen des Lichts.
    Verführerisch räkelten sie sich im Takt,
    geöffnete Schenkel, dazwischen fast nackt.

    An einem Tische mit Schnäpsen und Bier
    (kein Komma)
    saßen zwei Herren, die suchten Plaisir.
    V
    ernebelt die Bude durch stickigen Rauch,
    bei Karten und Würfeln, so war es hier Brauch.

    Der eine ein Deutscher, der and're aus Rom,
    (das erste Komma wäre unnötig)
    sprachen kein Wort, denn was hat man davon?
    Sie waren nur Gäste im nachbarlich’ Land
    ("nachbarlich'" gefällt mir zwar nicht, hab aber auch keine Idee, sorry)
    und keiner des Anderen Sprache verstand.

    Zur späteren Stunde und ohne ein Wort
    (auch hier kein Komma)
    lockten die Damen die Herren mit fort.
    Und hinter den Türen im Haus, séparé,(französisch für "getrennt")
    geschahen dann Dinge für teures Monnaie.

    Bei lüsternem Treiben, ganz ohne Verbot,
    auf seidenen Laken in leuchtendem Rot,
    verstand man sich plötzlich im Herrenpalais,
    (das erste Komma ist unnötig)
    denn jeder beherrschte die Sprache „Francais“. (wenn aber gar nicht die Sprache gemeint sein soll? ... dann würde ich es auch nicht so nennen)

    Du setzt häufig Kommas, die grammatisch nicht erforderlich sind. Dadurch gibst du Sprechpausen vor, aber eigentlich bräuchtest du das nicht. Du kannst ruhig dem Leser überlassen, wo er zusätzliche Pausen setzt.
    Zu den anderen Kritikpunkten fällt dir vielleicht noch was ein.
    Bei "Plaisir" hätte ich subjektiv die französische Variante gewählt, bei "séparé" das französische Adjektiv (das Substantiv "Séparée" - oder reformiert: "Separee" - müsste man groß schreiben, würde aber syntaktisch nicht reinpassen.)

    Das war vielleicht ein kleiner Auffrischungskurs mit Grüßen von mir,
    dem reichlich Amusement verspürenden fatcat
    Geändert von fatcat (03.12.2006 um 10:44 Uhr)
    fatcat's Zahmlose
    Es ist etwas an meinem Wort
    dran, das sticht.

    Tippsen: \_anamolie_/\_Flamme_/\_Anti Chris._/ ~ Bewegungsschule(fit for fun) ~

  14. #14
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    also ich hab schon lange kein schöneres GEdicht mehr gehört.
    ich werd ab jetzt immer deine werke lesen

    mfg
    Wer half mir wider
    Der Titanen Übermut,
    Wer rettete vom Tode mich,
    Von Sklaverei.
    (J.W. von Goethe)

    Ich komme!Ich komme! (aus Ganymed:J.W. von Goethe)

  15. #15
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    Ich habe mir ganz frech erlaubt, das fehlende ç direkt in den Text zu setzen. Es störte mich sehr, aber da du es bei meiner Korrektur überlesen hast (ist auch schwierig zu sehen, ein einzelner Buchstabe), hab ich jetzt ein wenig meine Kompetenzen ausgenutzt...
    hoffe, es stört nicht zu sehr...

    LG
    yarasa
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    aber vielleicht leckt das Gehirn so sehr, dass ich auch mal wieder dichtend unterwegs sein werde

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    Die Frederick-Maus hat mich schon als Kind nachhaltig verdorben. Von da an wollte ich Dichterin sein.

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