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  1. #16
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    Taurus - Bild 3 - 74 Punkte


    Aussichtslos


    Der Wind hat längst die Bäume kahl geschoren
    Und den Asphalt mit totem Laub verziert.
    Nun wird es kalt. Da fühlt man sich verloren
    Und möchte meinen, selbst die Sonne friert.

    Man sitzt vorm Fenster und sieht keine Farben.
    Der Herbst hat sie zu fahlem Grau erblasst.
    Es trauern Alle, denn die Farben starben…
    Nur die Laternen bleiben ganz gefasst.

    Man sieht auch Autos stehn betrübt und warten.
    Sie wissen selber nicht auf wen genau.
    Das Schicksal spielt wohl mit gezinkten Karten.
    Das ist nicht anders zwischen Mann und Frau…

    Die Häuser können müde drüber gähnen.
    Sie sind für solche Dinge viel zu alt.
    Und nur den Wolken kommen jetzt die Tränen.
    Man friert, denn es ist (siehe oben!) kalt.

    Da hockt man schweigend hinter Jalousien,
    Die fast wie ein Gefängnisgitter sind.
    Die Welt vergeht. Man kann dem nicht entfliehen.
    Da nützt es nichts den Vorhang zu zuziehen.
    Man macht die Augen zu und wünscht man wäre blind.

  2. #17
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    gott - Bild 4 - 72,75 Punkte


    Am Meer

    Was soll's und dann
    - am Meer - ein Blick
    und Stolz und mehr.

    Wir hatten keinen Strand,
    kein Sand für unsre Zehen.
    Nur eine Platte Tisch
    da zwischen uns und Tassen
    zum sich dran halten.

    So hielt uns keine Regel,
    kein Gebot, nur Glück
    im Lot des Tags zurück.

    Wir hatten doch nichts vor,
    vor allem nicht zu lieben,
    gleich Dieben Nächte zu
    durchwandern, stand nicht
    in unsrem Sinn.

    So sannen wir des Rests
    des besten Hoffnung
    und sanken darin ein.

    Wir wollten noch nicht gehen,
    die Zehen weiter baden
    im leeren Raum und bei den
    verlebten Liebeleien bleiben,
    die uns das Radio pries.

    Du bliebst auf Deinen Wegen,
    verwegen kämpftest Du
    noch gegen Stürme an.

    So stürmte ich Dir nach
    zerbrach die letzten Grenzen.
    Am Meer da holte ich Dich ein.
    Ein Strand voll Hoffnung
    und eine Wand zerbarst.

    Und dann - am Meer -
    ein Kuß und Mut
    und Stolz und mehr.

  3. #18
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    ….. - Bild 4 - 72 Punkte


    Besinne

    Sacht bebende breitende Erde,
    trotz Festigkeit Feinheit verspürt,
    dass schrittweit ergangen sie werde,
    wenn tieftragend in mir es rührt.

    Seicht schäumendes treibendes Wasser,
    mit schmeichelnden Wellen gefühlt,
    verwirkt sich der Tag mir bald blasser,
    ans Rande des Daseins gespült.

    Sanft rauschende gleitende Luft,
    durchstreicht mit Verschwinden mein Leben,
    und aus Himmels Tiefen es ruft,
    nun ganz meine Seele zu geben.

    Unendlich vertreibende Zeit,
    Momente mir fleissig gestohlen,
    im Immer und Niemals bereit,
    die Sinnlosigkeit einzuholen.

  4. #19
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    Leporello – Bild 3 - 71,75 Punkte


    Besuch

    Mein Freund, du hast doch recht gesprochen:
    Die Welt, sie steht ja noch wie eh und jeh;
    nachdem ich Tage, wenn nicht Wochen
    mich wundenleckend hier verkrochen,-
    und heute wieder etwas weiter seh´.

    Doch lass es mit den Schalousien
    dabei auf Kippe, so wie jetzt, bewenden.
    ich weiss sie dann schon hochzuziehen;
    ´s ist nur,- die Hoffnung, die gediehen;
    ich möchte sie nur allzu ungern blenden.

    Auch will ich nach der Klinke greifen.
    Und sollte ich mich morgen noch nicht trauen;
    wirst du ein letztes mal mich kneifen?
    Fürs Erste reicht die Welt in Streifen;
    so kann ich mir sie neu zusammenbauen.

  5. #20
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    Himbeerwölfin - Bild 4 - 70,75 Punkte


    Seelenwanderung


    Einsam gehe ich am Strand

    dem Abendrot entgegen

    Gefühle bilden hier den Sand

    ich höre fern Gedankenmeere



    Von Weitem bin ich nur ein Fleck

    eingebrannt in dieses Bild

    "zum Ende" sagt ein kleines Schild

    und weiter gehe ich den Weg



    Langsam, Schritt für Schritt

    lasse ich ein Lebensstück

    unbemerkt nun hinter mir

    und lauf dem Abendrot entgegen

  6. #21
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    wasfüreingefühl - Bild 3 - 70,75 Punkte


    Player geht in den Recovery Mode Ja

    Der Morgen bricht herein
    und der Geruch von Lachs kommt ins Zimmer
    herauf geschlichen, Kneipentouristen gehen heim,
    und ich drehe mich ein aller allerletztes Mal
    auf meinem Leim.

    Autos sind geparkt um zu stehen,
    die Reitzeiten sind vorbei
    gegangen, die Schnüre, die jetzt grade sind
    und Stützen, werden sich drehen,
    und ich möchte dabei sein und zusehen

    (wie die Schatten niedergehen)

    aber

    Matt und gesichtslos starren Häuser
    aus einem anderen Stadtteil rüber,
    ein Blütenblatt lässt sich auf dem Parkett
    boden nieder und verweilt -
    ich schlafe wieder ein.

    Also fern ein Flackern der Sonne,
    wobei es sich bald vom Lacke rührt
    und gespiegelt, in Sinuswellen
    und schliesslich abflachenden Lamellen
    leicht oberhalb der Augenbraue mich berührt.

    Und mich aus dem Schlummer führt.

  7. #22
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    Wider die Verblendung


    Viel zu früh gealtert in dem Hinterzimmer,
    wirft er keinen Blick auf seine Stadt.
    Leere Hoffnung setzte ihn schachmatt.
    Auf der trüben Scheibe Sendeschlussgeflimmer:
    Das Leben findet heute nicht mehr statt.

    Draussen spielen zwischendurch die kleinen Kinder.
    Manchmal hört er sie. Sie sind zu laut.
    Zögernd fühlt er: 's wäre alt vertraut
    Tastet in Erinnerungen wie ein Blinder,
    welcher in die falsche Richtung schaut.

    Abgeschirmt verbringt er seine grauen Tage.
    Lässt Verblendung nicht zu sich hinein.
    Auch die Träume meiden Sonnenschein.
    Ringend mit dem Elend, bleibt er Herr der Lage -
    fühlt sich nicht einmal mehr sehr allein.

  8. #23
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    Am Leben vorbei

    Die Gesellschaft, grauer Stein
    Strickt den Mantel des Vergessens.
    Libertät erstickt im Keim,
    Folge menschlichen Vermessens

    Städter füllen jenen Ort,
    Doch der Frost quillt aus den Wänden.
    Kalt verhallt ein jedes Wort,
    Nur noch Denken zum Verpfänden

    Blässlicher Gedankenstrom,
    Löscht die kargen Lebensfunken.
    Freiheit geistert als Phantom,
    Ist im Business fast ertrunken

  9. #24
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    Baugeruest vorm Fenster

    Eine Scheibe klebt an meinem Kopf
    - Ich fuehle: der Schmerz lohnt das Warten
    nicht

    Zahllose Bretter gestapelt vor meinen Kopf
    - Man sagt dazu: ein Auszug, leicht gemacht
    ohne Treppe und ohne Aufzug

    Eine Leiter schleicht an meinen Kopf
    - Per definitionem: eine Hoehe, leicht ueberwunden,
    und ungeschunden

    Ziellose Aussicht gesammelt in meinem Blick
    die Tiefe lohnt, das Warten lauter
    Punkte ziehen um, gewunden um mich
    um Wunden an meinem Kopf herum
    - Verwunderung

    - Verstummung

  10. #25
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    Vor dem Tore

    Seit Tagen stehe ich hier schon allein
    und hungrig, frierend lehne ich am Eisentor.
    All meine Kräfte nahm der steile Weg empor.
    Nur einen unter vielen Tausend lässt man ein-
    ich hoffte so, ich werde dieser Eine sein.

    Der Wind und Hagel peitschen mein Gesicht.
    Jetzt weiß ich dass ich meinen letzten Traum verlor.
    Doch ohne Ziel zu Leben kommt mir sinnlos vor.
    Was macht es, dass für mich kein neuer Tag anbricht?
    Bin fast erfroren, doch ich spür’ die Kälte nicht.

    Zurück ?- dann würd’ ich morgen noch am Leben sein
    ich hätte Sand –jedoch ich will den Edelstein-
    und fast zum Greifen nah steh ich davor!

    Doch Qual und Willen sind nur graues Licht,
    dass erst durch Glück in tausend Farben bricht.
    Es schabt im Schloss, das Tor geht auf-„Komm doch herein.“

  11. #26
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    Herzensmord

    Liebe ruft mich laut an deine Seite
    Hoffen kann ich trotzdem nicht
    Vor mir diese ungeheure Weite
    Ahne g'rade dein Gesicht

    Ist der Weg auch weit so laufe schneller
    Sage ich mir immer vor
    Dort im Dunkeln, wird's nicht langsam heller?
    Denk' ich liebestoller Tor

    Liebe, die ich allzu oft verfluche
    Laufe trotzdem immer fort
    Und so bin ich ewig auf der Suche
    Alles And're: Herzensmord

  12. #27
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    Pain of distance

    Ich stehe hier
    allein am Meer
    und denk an dich

    ***

    Traurigkeit
    überfällt mich,
    raubt mir den Atem.

    Sehnsucht
    ergreift mich,
    nimmt mir den Mut.

    Sinnlichkeit
    kommt über mich,
    lässt mich erschaudern.

    Hoffnung
    verspricht mir:
    alles wird gut.

    ***

    Ich stehe hier,
    allein im Meer
    und denk an dich.


    Ich bin doch hier,
    ganz nah bei dir.
    Seh dein Lächeln,
    und spüre dich.

  13. #28
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    Zu Hause

    Aus Stein gehaun stehst du vor mir,
    haeltst Wind und Regen stand.
    Man sieht kaum Fenster oder Tuer,
    gemeiselt in die Wand.

    Die raue Welt beruehrt dich kaum,
    liegst still und kahl am Bergessaum.
    Auch wenn dein Antlitz schnell verblasst,
    so scheint mir auch nach Jahren fast
    dein Alter nicht zu schaetzen ist,
    es doch Jahrzehnte messen muesst.

    Aus Stein gehaun stehst du vor mir,
    und blick ich auch zurueck,
    komm ich nachhaus, zwar hab ich nichts,
    wenn ich dich seh, bin ich voll Glueck.

  14. #29
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    Zu Hause

    Aus Stein gehaun stehst du vor mir,
    haeltst Wind und Regen stand.
    Man sieht kaum Fenster oder Tuer,
    gemeiselt in die Wand.

    Die raue Welt beruehrt dich kaum,
    liegst still und kahl am Bergessaum.
    Auch wenn dein Antlitz schnell verblasst,
    so scheint mir auch nach Jahren fast
    dein Alter nicht zu schaetzen ist,
    es doch Jahrzehnte messen muesst.

    Aus Stein gehaun stehst du vor mir,
    und blick ich auch zurueck,
    komm ich nachhaus, zwar hab ich nichts,
    wenn ich dich seh, bin ich voll Glueck.

  15. #30
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    grau

    Aus dem Licht wir entsteh'n
    um in grau zu vergeh'n
    all' die Farben der Welt
    unser Leben nicht hält

    Denn nur ganz zu Beginn
    ziehen Farben sich hin
    ist den Kindern die Welt
    kunterbunt und erhellt

    Doch schon bald mit der Zeit
    macht die Grauheit sich breit
    wie die Wolken das Zelt
    versteckt diese die Welt

    Und dann Tag über Tag
    wo grad Helligkeit lag
    scheint es das diese Welt
    rasch in Dunkelheit fällt

    Doch lass dich bloß nicht täuschen
    von Grauheit berauschen
    Weit öffne die Augen,
    und schaue umher;
    die Farben sind immernoch hier!

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