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  1. #1
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    Wettbewerbsergebnisse -Lyrik-

    Liebes Forum,

    auf Grund der zeitlichen Verzögerung habe ich mit Levampyre besprochen, dass ihre Bewertungen nicht mit in die Gesamtwertung einfliessen. Sie hat die Möglichkeit, insofern sie das möchte, ihre Bewertungen noch nachzureichen, welche aber dann keinen Einfluss auf das Ergebnis mehr haben werden!

    Des Weiteren haben die Juroren die Gedichte so erhalten, wie sie mir übersendet wurden. In diesem Faden werden die Gedicht in den entsprechenden Formatieren gezeigt. Auf Schriftarten werde ich hier jedoch keine Rücksicht nehmen.

    Leider wurde von agonius ein Gedicht eingereicht, was hier schon im Forum vorhanden ist und somit aus den Bewertungen entfällt. Dies wurde leider erst festgestellt, als alle Gedichte bereits an die Juroren versendet waren. Daher war es mir nicht mehr möglich agonius die Möglichkeit einzuräumen, ein anderes Gedicht nachzureichen.


    Wir gratulieren herzlich den Gewinnern, bedanken uns für die Teilnahme in dieser Sparte und danken den Juroren für ihre Bewertungen.

    Nachfolgend stehen nur die endgültigen Punkte, die entsprechenden Verlinkungen (erfolgen noch) führen dann zu den Beiträgen.

    _____________________________________________

    • 1. Drachenmaler - 85,75

      2. Roderich - 83,75

      3. Jona, mani_falsafi und AiAiAwa mit je 83

    • Falderwald und Pringles mit je 82,75
    • fairy19 - 81,5
    • crux und KaJip mit je 80,75
    • *Chris* - 78
    • nathschlaeger - 77
    • Onkie IIV - 76
    • dajaga - 75
    • Taurus - 74
    • gott – 72,75
    • ….. - 72
    • Leporello – 71,75
    • yarasa, Himbeerwölfin und wasfüreingefühl mit je 70,75
    • Ensimismado - 69
    • f@c@ - 68
    • Krähe – 67,75
    • Squier – 65,5
    • Suyari – 63
    • blacklaughter – 59,75
    • thamis – 49,75
    • Kammerflimmern - 46

  2. #2
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    Drachenmaler - Bild 4 - 85.75 Punkte


    ~
    passion pathétique
    ~

    Mit festen Sprüngen, Stein um Stein,
    rotglühend blüht im Aug’ die Nacht,
    wo feiner Kiesel; feiner Sand

    den kühnen Aufbruch leichter macht
    und salzigsüß das Lebensband
    ins schäumende Geäst verführt -

    Preziösen Schrittes schreitest du,
    hörst Tosen, das ins Donnern rührt,
    verebbet ist des Herzens Ruh’.

    Gezackte Wogen ächzen laut,
    sie peitschen scharf an deinem Ohr
    und schallen drohend in die Haut.

    Sehnst du den Strand im Traum hervor,
    nostalgisch flehend rinnt dein Blick,
    die Fluten brechen auf dich ein,

    es wiegen Wellen dich zurück.

    ~

  3. #3
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    Roderich - Bild 2 - 83,75 Punkte



    Gescheiterter Rückzug

    Es ist wahr. Die Erde bebt – und bricht
    mit Seufzen auseinander, schwer gekränkt.
    Und trüben Blickes steht der Mensch und denkt
    an gestern, seinen letzten Tag im Licht.

    Er hat sich in den harten Fels gehau’n,
    verängstigt Höhlen in den Stein geschlagen.
    Wie oft stand er nur knapp vor dem Verzagen –
    er konnte nicht mehr in das Dunkel schau’n.

    Und doch hat alles nichts genützt. Er geht
    mit fassungslosem Blick mit dieser Welt,
    die selbst im Zorn verglüht und nichts mehr hält,
    von dannen.

    Allein das Universum selbst versteht.

  4. #4
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    AiAiAwa - Bild 4 - 83 Punkte


    An Undine

    Die schwangeren Tage kommen...

    Ein letztes Mal zieh‘ ich ans Meer
    in seiner Flutenwende.
    Das Wasser geht und Fels um Fels
    ertrinkt mein Herz in Freiheit!

    Dein Muschelton ist schon lang verklungen.
    Dein Wort liegt verankert in der Ferne.
    Sag‘ mir: was hat dich fortgetrieben
    von meiner Welt, vom kleinen Gesang
    der Heimat? Du kanntest doch die fremden
    Flüst‘rer, Verdreher, Zerstörten.
    Und konntest nicht länger bleiben?
    Die weltlich Verirrten, die dich fürchten,
    nicht verstehen und doch dein Lorelei’n
    verwünschen müssen, dein un-
    gekanntes, ungeheures, unsag-
    bares, klares Lied!

    Wir, die den Ufern Entrissenen!
    Hier standen wir einst beengt, doch beisammen.
    Heute kam ich wieder, doch stehe nun allein
    und um mich herum nichts als Steine, Staub und Sand.

    Die schwangeren Tage kommen
    und gebären neue Ereignisse.
    Die siamesische Zeit ist enteilt...

    Noch lange könnt‘ ich auf ein Wunder hoffen,
    doch in mir wachsen Zweifel, ob es lohnt.
    Die gerundete Welt steht noch offen,
    von Gezeiten und Wehmut verschont.

    Der Tag versinkt.
    Du setztest die Siegel in den Horizont.

    Die siamesische Zeit ist geteilt,
    gestorben und wir müssen sie vergessen.

    Der Ozean kennt Schwüre, keine Fesseln.
    Die Siegel sind sichtbar am Horizont
    und sie blenden.
    Du seufzt in die fallenden Winde,
    du steigst in die Tiefen,
    du findest mich sterblich
    und schweigend im verrinnenden Sand.
    Nun sag‘ mir, meine Ungewisse:
    Sollte man ohne Hoffnung wagen?
    Soll ich die festen Lande opfern? Spar‘ dir
    die letzten warmen Worte.
    Denn dem Meer entsteigt kein Gebet,
    die Muscheln am Strand sind zerbrochen,
    die Ätherwellengeigen klingen
    dem Rauschen warnend nach.
    Die Stunden sind verloren und
    fließen immer rascher dahin.

    Die Zeit ist reif, meine Meerfrau.
    Die Zeit ist reif, sagen sie,
    du, meine kühle, tiefe, stille
    Verabschiedete.

  5. #5
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    Jona - Bild 4 - 83 Punkte


    Spurenelemente


    Vor langer Zeit beherrschte ich die Fluten,
    geflügelt´ Pferde brachte ich hervor
    und gischtumwob´ne Traumfiguren,
    ein Heer aus wilden Kreaturen
    besang mich selbstverliebt im Chor.

    Einst schlangen meine ockerfarb´nen Dünen
    sich wollüstig um gar mein eignes Blut.
    Die Blüte aller seelenlosen
    Orchideen, Lilien, Rosen
    erwachte unter unsrer Glut.

    Im Windstoß fing sich atemlos mein Schreien,
    ein Kind bloß, das ich schmerzerfüllt gebar.
    Wie lupenrein seine ovale,
    gleich Milchopalen glänzend´ Schale,
    als es noch roh und sündlos war.

    Und auch den schmalsten Flammenstreif am Himmel
    entfachte meiner Feuerzungen Brunst.
    Am Winterfels, den Schicksalsklippen,
    biss Einsicht sich in meine Rippen:
    Wo ist das Werk in meiner Kunst?

    Nun liegst du mir, entblößte Welt, zu Füßen.
    Bedächtig wandle ich an deiner Hand.
    Mein Atem bricht an den Konturen,
    im zarten Licht erwachen Spuren
    und endlich- Schrittwunden im Sand.

  6. #6
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    mani_falsafi - Bild 2 - 83 Punkte


    Der letzte Kampf des paranoiden Eremiten Jonathan V. gegen seine imaginären Feinde

    Bestandsaufnahme:
    Genug zu Essen
    Für vierzig Tage
    Genauso lang
    Genug zu Trinken
    Und meine Bibel
    Und mein Gewehr
    Um alle abzuknallen
    Die mich vernichten wollen
    Freimaurertemplersatanisten!
    Gottverdammte Teufelsbrut!

    Doch sie werden mich nicht kriegen
    Hier
    In meiner Klause
    Auf meinem Berg
    Die Felswand im Rücken
    Und Gott
    An meiner Seite
    Sollen sie nur kommen!

  7. #7
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    Falderwald - Bild 3 - 82,75 Punkte


    Seelenlicht

    Das Licht fällt ein in schmalen Streifen,
    wie ein Kontrast zur Illusion
    des Ausschnitts, den wir kaum begreifen
    in seiner ganzen Dimension.

    Drum zeigen sich nur die Fragmente
    im Schattenspiel der Vorderfront,
    weil inhaltliche Fundamente
    sich stets verlier'n am Horizont.

    Die Seele braucht ein helles Fenster,
    wie auch ein Raum, weil sonst kein Licht
    durch quälend dunkle Schreckgespenster
    geschloss'ner Jalousien bricht.

  8. #8
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    pringles - Bild 1 - 82,75 Punkte


    Trance

    Funken sprühen, schlingen Fäden,
    lassen Licht wie Puppen tanzen,
    werfen Schattenreich an Wände,
    Stimmen schwimmen fort im Dunkel.

    Konzentrierte Blicke trancen
    sich in ferne Unklarheiten,
    brennend sticht die Glut ins Auge
    dienen kalt zum fortvon schweifen.

    Dort im Dunkel, fern des Feuers,
    wo kein Licht am Körper bricht,
    spalten rhythmische Gewalten
    ferngesinntes Jungfernglück-
    regungslos in Flammen tanzen.

  9. #9
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    fairy19 - Bild 3 - 81,5 Punkte


    Fensterzauber


    Es war einst- dieser Augenblick
    als deine Blicke voller Sehnsucht
    meinen Atem zartsam folgten
    und wir dem Tagesschein entrückten.

    Als Traumfänger qualvoll erstickten
    und uns flüsternd Geister verführten,
    bliebst du liegen- Stille, einsame Flucht,
    damals malten Schatten unseren Galgenstrick.

    Nur einen, einen dieser Blicke- ein Zeichen,
    ließen den Mond neu erblühen in aquarell,
    und Schattenkrieger gefangen nehmen,
    um davon zu fliegen, Träumen hinterher.

    Sehnsuchtsaugen streifen deine Kontur,
    die sich zwischen meine Laken verirrt hatte,
    und doch stehe ich am Fenster – allein,
    während schwarze Kerzenklänge weichen.

  10. #10
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    crux - Bild 2 - 80,75 Punkte


    Dem Wesen so nah


    Den stechenden Odem des Molochs im Nacken
    verrannen die Jahre, ein sinnloser Kampf.
    Der Druck wurde größer, die Koffer zu packen,
    ich musste mich lösen von Asche und Schlacken.
    Die wachsenden Nöte, sie machten mir Dampf.

    Die Sehnsucht nach Feldern elysischer Weite
    mit all ihren Früchten von hoher Instanz,
    sie schrieb das Kapitel, ich wandte die Seite,
    und wie sie mich endlich von Ängsten befreite,
    erhob sich der Phönix in schimmerndem Glanz.

    Gestärkt durch die Strahlkraft der weisesten Worte
    mit froher Gewissheit im leichten Gepäck,
    verließ ich die Wüste, die geistig verdorrte,
    zog rauf in die Berge an luftige Orte,
    und schuf mir im Felsen ein kleines Versteck.

    Im Frieden und schweigender Mitte versunken
    entzog ich mich aller Gedanken, war frei.
    Das innere Schauen, es machte mich trunken,
    der Geist blühte auf und jetzt sprühte er Funken.
    Mein Ich zog an Gärten der Seele vorbei.

    Erkennend und ahnend ein Wissen in mir,
    das all meine Sinne vereinte,
    verließ ich den Körper, das traute Revier,
    durchstreifte die Zeiten und Räume in ihr.
    Ich sah, ich verstand und ich weinte.

  11. #11
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    KaJip - Bild 3 - 80,75 Punkte


    ein blick


    wir hören das Scheppern, es scheint rechter Sinn
    wenn’s Münzfach zurückschnellt. wohin wir auch zielen:
    wie Luftballons, Bunt und gebläht und hauchdünn.
    und Welten bevölkern mit Automobilen.

    narkotisch in Städten, beengt und verkeilt,
    die Fließbandgeschöpfe am Gehweg entlang.
    die Ameisen dort sind so trendy gestyled.
    so hirngrau das Treiben, doch keinem wird’s bang.

    in farblosem Dasein, im Käfig allein,
    verbringst du die schäbige Schirmlethargie.
    Insekten im Harz haben’s mit dir gemein.
    wohnst schräg gegenüber, am Fenster noch nie.

    auch mir bleibt nur, frei, ohne jedes Bezwecken,
    das hinter den blickdichten Zeilen verstecken.

  12. #12
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    *Chris* - Bild 3 - 78 Punkte


    Trümmerwelt

    Einst goldverzierte Kathedralen,
    verfallen, sind nur Bröckelhaufen
    Graffiti thront auf weißer Wand,
    erzählt vom Wortschatz der Vandalen,
    die Propaganda für das Land

    Und hoffnungsgrüne Lebensspender
    verdorren durch den Dunst des Fortschritts
    Ein toter Baum an jedem Weg,
    ein Blümchen pro Balkongeländer
    für guten Willen der Beleg

    Schwarzgraue Trostloshausfassaden
    verwehren Augen Glücksmomente
    Passagen quetschen sich genormt
    in Reihen trister Turmparaden,
    von Langeweile selbst geformt

    Die Trümmerwelt in der ich lebe,
    verkümmert, wie so viele Seelen
    Inspiration und Fantasie,
    ein Luxus den ich so anstrebe
    beim Blick durch meine Jalousie

  13. #13
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    nathschlaeger - Bild 4 - 77 Punkte


    Pilger


    Du gehst hinaus
    und riechst
    Salz.

    Du stolperst
    nicht und wirfst
    Lächeln in die Wellen

    Dein Atem
    schläft mit Dir
    und Du

    Schläfst mit
    Deinen Träumen
    tief

    ist Dein Atem
    und alles, was
    Du hast

    Sind Träume
    vom Glitzern
    einer uralten Sage.

  14. #14
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    Onkie IIV - Bild 1 - 76 Punkte


    Das Feuer

    Draußen leises Knistern,
    ein Blatt verbrennt zu Glut,
    tanzt mit den Geschwistern
    auf grauer Aschenflut.
    Aus dem flackernd Schimmer
    steigen rauchig Schwaden
    und die Zeitungsglimmer
    wolln in Lüften baden.

    Knarrend werfen Latten
    mit den Feuerzungen
    lebend tote Schatten,
    Luft erwärmt die Lungen.
    Bald ein buntes Prasseln
    das Alles in sich zehrt,
    nur die alten Kacheln
    verharren unversehrt.

    Feueraugen glühen
    mir funkelnd ins Gesicht,
    wollen sacht erblühen
    im schwachen, warmen Licht.
    Ist das Rot gegangen
    bleibt letzter Wärmehauch,
    runde, rote Wangen
    und leiser, zarter Rauch.

  15. #15
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    dajaga - Bild 1 - 75 Punkte


    Genießen, nicht nachdenken (zum Nachdenken)

    Des Feuerofens Spende, sacht
    Wärmt ungestörte Zweisamkeit.
    Wein Garten Eden überdacht.
    Bleibt Augenblick Belichtungszeit?

    Ruhig glühend scharfer Flammenschein
    Glimmt golden Fleck ins Projektil.
    Verkrampfte Sucht nach Zweisamsein
    Stört meistens Fotographens Ziel.

    Was wirklich Grund der Existenz?
    Modern betrachtet: Optikschild
    Bringt Wissenschaft in Differenz,
    Doch längst vergessen scheint das Bild

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