1. #1
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    Meine Bewertungen

    Wie Micha ja schon angesagt hat, sind meine Bewertungen im Bereich Lyrik nicht in das End-Ergebnis eingeflossen, da ich aus zeitlichen wie leidlichen Gründen, bisher leider erst 13 Texte bewertet habe und das Publikum langsam aber sicher ungeduldig wurde. Damit ich mir die bisherige Arbeit aber nicht ganz umsonst gemacht habe, habe ich meine Kriterien, Bewertungen und Anmerkungen [!] zu den bewerteten Texten auf meiner HP zum Download bereitgestellt (wohlgemerkt nur bis Text 13): http://abgedichtet.org/node/255

    Den hiesigen Gewinn des Textes 14, an dem ich gerade arbeitete, als Micha über das Ende meiner Bemühungen aufklärte, halte ich selbst für äußerst fragwürdig. Auch wenn ich dafür nun noch keine explizite Punktebewertung angegeben habe, hätte "passion pathetique" bei mir wohl wohl eher die Punktzahl einer "pathetic passion" erhalten. Positiv überrascht bin ich jedoch davon, dass der poetischste, der von mir betrachteten Texte von Pringles stammt, auch wenn es ihm unleugbar an Kohärenz mangelt. Damit ist er mein eigentlicher Gewinner. Eine wenig höhere Punktzahl in der Gesamtbetrachtung erhielt "Spurenelemente" (Jona), gleichauf mit Pringles' "Trance" liegt "Wider die Verblendung" (yarasa). Dies ist aber, wie gesagt, nur der bisherige Stand der Dinge, der da nur 14 Texte in die Betrachtung einbezieht.
    __________
    #update: Crux hatte sich gewünscht, ich möge doch auch noch die Bewertungen ("Kritiken") zu den übrigen Texten nachreichen. Ich werde dies sicher nicht pauschal tun. Wer sich aber seine Bewertung noch wünscht, möge sich bitte per PN an mich wenden. Ich bin bereit, den einen oder anderen Text, an dem Interesse besteht, noch anzuschauen. Aber denkt nicht, dass das plötzlich schneller ginge als das Durchsehen der ersten 13 Texte.
    Geändert von levampyre (05.12.2006 um 21:37 Uhr)
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  2. #2
    Florestan Guest
    Hallo LeV,

    ich möchte an dieser Stelle mal mein Erstaunen zum Ausdruck bringen, welch reichhaltiges Instrumentarium du zur Beschreibung von Sprache besitzt. Ich bin wirklich beeindruckt. Auch wenn wir (mit Ausnahme von Yarasas Werk) zu ungefähr den selben Schlüssen gekommen sind, wäre deine Meinung ein reiner Gewinn gewesen.
    Das soll jetzt keine Lobeshymne werden, sondern nur eine Einleitung zu zwei Fragen, die mich in letzter Zeit beschäftigt haben.

    1. In wie weit hälst du es für sinnvoll oder machbar moderner Lyrik mit der traditionellen Analyse zu begegnen und darauf Aufbauend eine Bewertung zu formulieren?

    2. In wie weit bleibt selbst diese klassische Analyse subjektiv (in wie weit jede grammatikalische "Richtig" und "Falsch" Aussage subjektiv bleibt, wäre dann die weitergehende Frage)?

    3. Wohin führt die klassische Analyse in der Wertung? Kann sie nicht beschränkend sein? Oder wie differenzierst du in der Beobachtung des Handwerks und der Wertung des GEsamtwerks?

    Vielleicht hast du dich ja auch schon einem Essay mit einer dieser Fragen beschäftigt? Ich weiss, dass manche Fragen (besonders die dritte) naiv klingen, doch wäre ich um eine Antwort dankbar.

    Lieben Gruß

    Flo
    Geändert von Florestan (06.12.2006 um 20:51 Uhr)

  3. #3
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    Sorry Florestan, ich weiss - du willst nicht meine Meinung hören, aber ich scheiss einfach mal drauf

    Ich bin verwundert, dass du hier ganz selbstverständlich eine klassische, traditionelle Sichtweise voraussetzt. Ich kann dies in der Bewertungskategorisierung nicht erkennen. Die sechs Unterpunkte sind m.E. von einer rein traditionellen Analyse (vor allem Formanalyse) unabhängig – nirgends werden doch z.B. metrische Aspekte oder ähnliches erwähnt.
    Ich persönlich finde, dass die gewählten Kriterien problemlos jedem lyrischen Text übergestülpt werden können, ob „modern“ oder „traditionell“.

    Deine 2. Frage finde ich insofern merkwürdig, als das die Kriterien ja lediglich eine Strukturierung der Analyse vorgeben - sie bilden sozusagen 6 Schubladen, die mit konkretem und natürlich subjektivem Inhalt, sprich mit den eigenen Einschätzungen, gefüllt werden. Der Eindruck der Objektivierung entsteht wohl auch etwas dadurch, dass bei den Bemerkungen verständlicherweise alles recht verkürzt formuliert ist und subjektive Dinge als Fakta daherzukommen scheinen.

    Kurz: Ich finde die Kriterien auch für „moderne“ Texte durchaus anwendbar, was nicht heisst, dass ich der Meinung bin, dass man die Vorliebe der Jurorin zur traditionellen Form bei den konkreten Bewertungen nicht herausspüren würde.
    Zudem sähe meine Bewertung natürlich ziemlich anders aus, obwohl ich die Kriterien für gut befinde - das noch mal zur Subjektivität.

    Natürlich gehen das rationale und das emotionale Erlebnis Hand in Hand, aber im Prinzip hätte ich das Kriterium Originalität gerne mit einem Punkt „erster Eindruck“ oder ähnlich ergänzt gesehen (einfach um einfliessen zu lassen, ob es emotional/rational trifft). Dadurch hätte man auch ein schönes Instrumentarium gehabt, um die Korrelation zwischen diesem ersten Eindruck und einer (subjektiv für den/die Juror/in) sorgfältigen und analytisch belegbaren guten Ausarbeitung des Textes gehabt. Sozusagen die Korrelationsanalyse von Ursache (Ausarbeitung) und Wirkung (lustvolles Leserlebnis).
    Geändert von Andvari (06.12.2006 um 22:37 Uhr)

  4. #4
    Florestan Guest
    Hallo Andvari,

    wieso sollte ich deine Meinung nicht hören wollen; ich kenne dich nicht einmal, oder doch? Die Fragen waren tatsächlich nicht als Angriff gemeint, sondern ehrlich und neugierig und da LeV in sowohl ihrer Herangehensweise als recht traditionell gilt, als auch den nötigen intelektuellen Hintergrund hat, wollte ich diese Möglichkeit nutzen.
    Ich freue mich um deine Antwort, denn ich hätte ihr eine PN geschrieben, wenn das hier nur ein privater Dialog werden sollte.
    Übrigens verstehe ich den Bezugspunkt deiner Aussage nicht: LeV beschäftigt sich in ihrer Kritik doch deutlich mit der formalen Analyse; natürlich weder ausschließlich noch bevorzugt, aber es ist durchaus Teil ihrer Arbeit.

    Ich habe es nur als äußerst schwer empfunden, Texten von solch unterschiedlicher Struktur eine Wertigkeit zuzurechnen, die sich in Punkten messen ließ. Nehmen wir z.B. "Der letzte Kampf des paranoiden Eremiten Jonathan V. gegen seine imaginären Feinde" und Jonas "Spurenelemente". Die Rechtfertigung Jonas Spurenelemente höher einzustufen findet sich vor allem durch die Wertevorgaben der klassischen Lyrik. Es wurde versucht formal und sprachlich eine anspruchsvolle Ebene zu erreichen, doch besticht auch der erste Text durch Witz und Individualität (sogar anscheinend bei den anderen Juroren noch mehr, als bei mir).

    Es geht mir um die Möglichkeiten, Vergleichsebenen und die Frage, ob das überhaupt einen Sinn macht


    Hoffe, mich verständlicher ausgedrückt zu haben.


    LG

    Flo

  5. #5
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    da LeV in sowohl ihrer Herangehensweise als recht traditionell gilt
    Sollte ich daran erinnern, dass in der Renaissance Frauen, die Kräuter sammelten, als Hexe galten? Aber bitte definiere doch für mich noch mal "traditionelle/klassische Analyse" und "moderne Lyrik". Ich nehme mal an, Ersteres bezieht sich auf mein Bewertungsschema und Zweiteres auf die bewerteten Texte. Allerdings verstehe ich noch nicht so ganz, warum Ersteres nicht auf Zweiteres anwendbar sein sollte. Das mußt du wohl noch mal genauer erklären.
    Geändert von levampyre (22.12.2006 um 01:15 Uhr)
    --LeV

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  6. #6
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    Entschuldigt den Doppelpost, aber Florestan hat seine Frage in einer PM an mich noch einmal präzisiert. Ich meine, dass meine Antwort vielleicht noch andere Leser interessiert und gebe sie deshalb öffentlicht.

    Die Antwort auf die Frage, ob Lyrik (Kunst) generell bewertbar ist, lautet nein. Es gibt sicherlich gewisse Kriterien über die ein intersubjektiver<sup>1</sup> Konsens besteht, der Rest aber unterliegt dem subjektiven Empfinden eines jeden Einzelnen. Macht man bspw. sprachliche Kunstfertigkeit<sup>2</sup> zu einem Kriterium, so wird ein Linguist diese mit hoher Wahrscheinlichkeit kompetenter bewerten können als ein Meteorologe. Die Analyse ist dabei sein Hilfsmittel, denn sie läßt ihn Fakten über die Beschaffenheit des Textes entdecken, bewußt wahrnehmen und intersubjektiv herausstellen.

    Ohne Analyse kann sich der Linguist keine Meinung zur Kunstfertigkeit der Sprache eines Textes bilden, die er ja braucht, um selbigen zu bewerten. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass eine Analyse nicht immer schriftlich und nach "traditionellen" Mustern verläuft. Es macht sicherlich wenig Sinn ein modernes Prosagedicht einer Metrikanalyse nach griechischem Bilde zu unterziehen. Es kann aber in Bezug aud das Textverständnis durchaus sehr erhellend sein, eine Strukturanalyse zu machen, z.B. die rhythmische oder grammatische Struktur betreffend. Ebenso ist natürlich die Frage nach den Stilfiguren, den "Texttricks", derer sich ein Autor bedient, auch bei moderner Dichtung absolut berechtigt. Ein poetischer<sup>3</sup> Text hört ja nicht auf poetisch zu sein, weil er nicht metrisch ist. Es gibt ja zahlreiche weitere Stilmittel. So verwendet Arthur Rimbaud in den ersten Absätzen seines "Une Saison en Enfer" (ein "Prosagedicht") Emphasen, Interketionen, Personifikationen, sowie Allegorien. Auch der Reim gewinnt unter Zeitgenossen wieder zunehmend Sympathisanten (s. Rap-Poetry, etc.).

    Wenn ich also eine allgemeine Strukturanalyse zur Bewertung der eingereichten Texte heranziehe, dann ist das lediglich ein Hinweis darauf, dass ich die Poetik, also die sprachliche Kunstfertigkeit eines Textes zum Maßstab für ein gelungenes Gedicht gemacht habe, was meinem subjektiven Geschmack geschuldet ist. Ich kann die Annahme, dass sprachliche Aspekte beim Dichten genrell zu vernachlässigen sind, einfach nicht teilen und stehe damit sicher nicht allein da. Mangelnde Poetizität ist für mich auch durchaus kein Zeichen von Modernität; letztere macht sich für mich vor allem an perspektivischen, darstellerischen oder motivischen Paradigmen fest und nicht daran, ob jemand ein Sonett geschrieben hat oder nicht.
    __________
    <sup>1</sup> <i>Intersubjektiv</i> meint zwischen den Subjekten. Die Subjekte, das sind wir, jeder einzelne von uns. Etwas <i>intersubjektiv</i> vernehmbar machen, heißt, so über subjektives Empfinden zu kommunizieren, dass verschiedene Subjekte es nachvollziehen und auf sich selbst projizieren können. Das Wort ist kein! Synonym zu objektiv.
    <sup>2</sup> <i>Kunstfertigkeit</i> meint die Fertigkeit, das Können, extravagant, bzw. virtuos mit dem gegebenen Material (in diesem Falle Sprache) umgehen zu können.
    <sup>3</sup> <i>Poetisch</i> ist die Bezeichnung für die Teilfunktion von Sprache, ästhetische Bedürfnisse zu erfüllen. Sie äußerst sich im Vorhandensein von Sprachspielen, die zunächst nicht dem primären Ziel des Informationsaustauschs gelten.
    --LeV

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