Vom Weihnachtsmarkte komm ich her
mit Beinen und der Zunge, schwer.
All überall, an kleinen Buden,
probiert’ ich von dem Wein, dem Guten.

Und unweit auch vom Kölner Tor,
sang ich am Bierrondell im Chor.
Von feurig’ scharfer Currywurst
bekam ich schließlich mächtig Durst.

Plötzlich ging’s mir gar nicht recht.
Vielleicht war diese Wurst ja schlecht,
weil heimlich man den Fleischbestand
vom letzten Jahr dazu verwand.

Mit Curryketchup, etwas Zimt,
den Faulgeruch man wahr nicht nimmt.
Knecht Ruprecht werbend dafür rief:
„Aus Bioaufzucht, exklusiv.“

Lallend schwankte er vor mir
mit einer leeren Flasche Bier.
„Prosit, du alter Nikolaus,
rück doch mal die Knete raus.

Der Weihnachtsmarkt ist einfach cool.
Komm mit mir an den Glühweinpool.
Wirf weg nun Schlitten, Leinensack,
kauf dir’n Ferrari, rot im Lack.

Sag altem Weihnachtsbrauch ade,
denn diese Zeiten sind passee.
Lasst uns froh und munter feiern,
denn nächstes Jahr erhöht man Steuern.

Wer glaubt denn an den Weihnachtsmann,
der daran auch nichts ändern kann?
Trag’s mit Humor, dann wird’s dir leicht.
Ich hab schon Rente eingereicht.

Du hast doch längst den Job verloren,
bist nun zum Klettern auserkoren.
Freude schenkst du keinem Kind
beim Baumeln am Kamin im Wind.

Man sieht dich hängen an Fassaden,
steht rum in jedem kleinen Laden,
zitterst am Betonbalkon
oftmals im November schon.

Vergiss den Quatsch der Weihnachtsmär
mit Mandelduft und Kerzenflair.
Weihnachtsstimmung mit viel Sprit,
promillereich, ist Megahit.

Advent – und stille Weihnachtszeit
liegt jedem Herzen doch sehr weit.
Schau dich um, dann wird dir klar,
nichts ist mehr so, wie’s früher war.

Die Menschen hetzen durch den Tag,
niemand sich noch ruhen mag.
Alles dreht sich nur ums Geld.
Besinnlichkeit ist abgestellt.

Lass uns saufen, alter Kumpel!
Wer steht denn noch auf dein’ Gerumpel?
Außerdem bringt heute Heil,
allein der Geiz, der scheint ja geil.“

Und’s Christkind drückt in sel’ger Ruh,
ganz sicher beide Augen zu.

© Anette Esposito