Thema: Ballade

  1. #1
    Registriert seit
    Oct 2006
    Beiträge
    160

    Ballade

    Kennt jemand weiterführende Internetverweise zu dieser "Dichtungsform".

    Habe bisher nur Grundlegendes Gefunden. Was mir jetzt noch fehlt,
    Informationen über die Form wie z.B
    Strophenaufbau, Rhythmus & Metrik und andere Besonderheiten, welche diese Dichtform auszeichnen.

    LG windir
    Die freie Natur - Wir sind so gerne in der freien Natur, weil diese keine Meinung über uns hat.
    (F. Nietzsche)

  2. #2
    Registriert seit
    Oct 2006
    Beiträge
    160
    Hallo Ferdi

    Wäre froh, wenn du die mal auflisten könntest.

    Danke für den Tipps, werde die Lücke mal füllen.

    LG windir
    Die freie Natur - Wir sind so gerne in der freien Natur, weil diese keine Meinung über uns hat.
    (F. Nietzsche)

  3. #3
    Registriert seit
    Oct 2006
    Beiträge
    160
    Ich danke dir Ferdi für die kleine Übersicht

    Werd mich mal darin einleben

    xaxa -> das ist ist Waise ReimaA Waise ReimA oder?

    Lg windir
    Die freie Natur - Wir sind so gerne in der freien Natur, weil diese keine Meinung über uns hat.
    (F. Nietzsche)

  4. #4
    Registriert seit
    May 2004
    Ort
    Erde
    Beiträge
    415
    Auch ich danke ferdi für die kurze Übersicht!

    Aber was habe ich getan? In meiner Ballade herrschen Daktylen in silbenmäßig stark variierenden Versen vor, anscheinend absolut unüblich! Na, wenigstens wieder was dazu gelernt ...
    fatcat's Zahmlose
    Es ist etwas an meinem Wort
    dran, das sticht.

    Tippsen: \_anamolie_/\_Flamme_/\_Anti Chris._/ ~ Bewegungsschule(fit for fun) ~

  5. #5
    Registriert seit
    Jan 2003
    Ort
    An der Elbe
    Beiträge
    11.779
    RTFSM...

    Aus meinem Metrik und Formen Thread
    1. Definitionen

    1.1. Tanzlied
    Die älteste, ursprüngliche Bedeutung von „ballata” (ital.) bzw. “ballada” (provenzalisch) = Tanzlied. So wurde das Wort im Mittelalter gebraucht. Als es später auf völlig andere Textarten übertragen wurde, nahm es von den Tanzliedern nicht ein einziges Merkmal mit.


    1.2. Strenge Kunstform der altfranzösischen Lyrik
    Auch diese Gedichtform hat nichts mit den heutigen Balladen zu tun. Es handelt sich um ein sehr streng und kunstvoll gebaute Gedichte, die im 13. bis 15 Jh. geschrieben wurden. Vertreter für diese Form war u.a. Francois Villon. Er ist Vorbild für Brecht, Biermann, Wader u.a. - nicht wegen der Textsorte, sondern wegen der Themen und des Stils Villons: sozialkritisch, Außenseiter–Position, burleske, volkstümliche aggressive Schreibweise.

    1.3. Erzählendes Volkslied
    Gab es seit dem 13. Jh. in England und Deutschland (maere), in Spanien = Romanze. Im 18. Jh. gab man diesen erzählenden Volksliedern den Namen Ballade. (später zur Unterscheidung von der Kunstballade, die Bezeichnung Volksballade). Kennzeichen: eine Handlung, die oft einen Konflikt enthält, ferner eine sprunghafte Erzählweise, Dialog als vorherrschendes Stilmittel, volkstümlicher Sprachstil. Themen: Kindesmord, Unschuld und Verführung, Treue und Verrat, ständische Herrschaft und Unterdrückung, soziale Not und Erniedrigung, religiöse Gegensätze zwischen Juden und Christen, Recht und Rechtlosigkeit, sowie soziale Vergehen aller Art.

    1.4. Kurzepische Kunstfroem (Kunstballade)
    Um 1770 wird in Deutschland die Volksballade von der Kunstdichtung adaptiert und zu einer neuen Gedichtform gemacht. Merkmale: liedhafter, rezitativer Grundton, Reim , Lautmalerei, refrainartige Wiederholungen, dialogischer Erzählablauf, dramatische Handlungszuspitzung, Vorliebe für Konflikt, Volkstümlichkeit (vgl. Volksballade) neu: Zeitnähe, Individualisierung und symbolische Durchdringung.
    Im Laufe des 19.Jh. bilden sich neben der „numinosen“ Ballade weitere Unterarten heraus, vor allem die historische Ballade und die Heldenballade.

    1.5. Die moderne Ballade des 20. Jhs.
    Die Erneuerung beginnt um 1900 mit der „Kabarettballade“ (von Frank Wedekind, von Brecht aufgegriffen und weitergeführt). Vorläufer dazu im 19.Jh.: Lieder des Vormärz oder der 48rer Revolution – balladeske Texte, die stark von den Elementes des Bänkelsangs, der Moritat geprägt sind und politisch-agitatorische Intentionen haben.
    Zeitgenössische Ballade: „Aufwertung eines Trivialgenres (Moritat) zur literarischen Protestform (Song)“ und auch balladeske Texte von Rainer Kirsch, Hans Magnus Enzensberger, Nicolas Born, Ror Wolf ....

    1.6. Was ist eine „Ballade“?
    Eine eindeutige Definition zu geben, wäre nicht nur sehr schwierig, sondern auch gefährlich, weil damit wiederum der Blick verstellt werden könnte für Texte, die anders sind.
    Eigenschaften der Ballade: Aktionsbestimmtheit, dominant epische Grundhaltung, narrativer Grundzug, Wiedergabe eines als objektiv vorgestellten Geschehens in Versform, inszeniert, von
    einem Erzähler, dessen in der Regel auktoriale Vermittlerfunktion immer spürbar bleibt, spezifische Art der Zeitdarbietung – große Raffungsintensitäten, Charakter des Komprimierten und Spannungsvollen



    2. Geschichte der Gattung Ballade

    Als Vorläufer kann das aus stabreimenden Langzeilen bestehende althd. Heldenlied gesehen werden.
    (an Fürstenhöfen vorgetragen, erzählt von heroisch-ritterlichem Leben)

    Bsp: Hildebrandslied (9. Jhd.) (tragischer Zweikampf zwischen Vater-Sohn, Hildebrand und Hadubrand )

    Mehrere Varianten durch mündliche Überlieferung. Das jüngere Hildebandlied ist ein Musterbeispiel für die aus Langzeilen bestehende Heldenballade, die auch Heldenzeitlied genannt wurde und zeigt, dass sich einst höfisch-heroische Stoffe infolge der Verbürgerlichung der Lebensverhältnisse an neue Publikumserwartungen anpassten. (Trivialisierung ins Allgemein-Menschliche, Bsp. Hildebrand lässt sich gefangen nehmen und zu seiner Frau führen).

    Heldenballaden und Heldenzeitlied sind die Bindeglieder zwischen den höfischen Heldenliedern und den meist aus vierhebigen Versen und vierzeiligen Strophen bestehenden erzählenden deutschen Volksliedern, die seit dem 19. Jhd. auch Volksballaden heiben.
    - Ihre Blütezeit zwischen 13. und 16. Jhd.
    (Thema : Schicksale aristokratische Kreise ( „Es waren zwei Königskinder....“) aber auch Geschichten von Bürgern und Bauern.)
    - heute : sentimentaler Schlager !

    Die Volksballade wurde von den Gebildeten (Zeit des Humanismus, rational-didaktischer Geist) im 17./18. Jhd. nicht als hohe Literatur anerkannt.
    Gleiches gilt für das Zeitungslied.
    (Ein Zeitungssänger berichtete öffentlich von den in der Zeitung stehenden Ereignissen, um seine Blätter zu verkaufen.
    (Vorläufer der heutigen Boulevardpresse)

    Im 18. Jhd. wird die Bezeichnung Bänkelsang auf Lieder angewandt, in denen Schausteller von niedriger, sozialer Herkunft auf Jahrmärkten und Messen von einem „Bänkel“ sangen. Begleitet durch Harfe, Geige, später Drehorgel.

    (Was sangen sie ?
    Von Liebesstorys, Verbrechen, Naturkatastrophen in drastischer, sentimentaler, geschraubter Sprache..)
    Bänkelsänger verzichtete im Vgl. zum Zeitungssänger auf Aktualität, er hielt aber dennoch am Wahrheitsanspruch fest und stellte moralische Belehrung des Publikums in den Vordergrund. (auch Bänkelssängerheftchen zum Verkauf !)

    Literaturfähig und künstlerisch anerkannt wurde diese Volkspoesie Ende des 18. Jhds,
    als die jungen Dichter der Geniezeit sich für das Irrationale interessierten.




    3. Definition der Gattung

    In der Forschung ist die Frage umstritten ob die Ballade der Lyrik, der Epik oder gar der Dramatik zugeordnet werden muss.

    Nach Goethe hat die Ballade an allen drei Gattungen Anteil, so dass man an einer „Auswahl solcher Gedichte“ die ganze Poetik vortragen kann, „weil hier die Elemente noch nicht getrennt, sondern wie in einem lebendigen Ur-Ei zusammen sind, das nur bebrütet werden darf, um als herrlichstes Phänomen auf Goldflügeln in die Lüfte zu steigen.“

    Die These, dass die Ballade eine Mischform aller Gattungen sei, hat ich bis heute gehalten.
    Siehe Zitate, S. 15 (Hinck, Fromm, Hans, Schneider Rudolf u. a....)

    Gegenthesen:

    Hegel: Er ordnet die Ballade aufgrund ihres lyrischen Grundtons der Lyrik zu.
    Hamburger/Steffensen/ Laufhütte ordnen sie eher der Epik zu.
    (Gründe siehe S. 16)

    Neben diesen formal-strukturellen Eigenschaften hat es auch Versuche gegeben die Ballade nach rein inhaltlichen Kategorien zu definieren.

    Goethe:

    Der Ballade kommt eine Behandlung zu, durch welche das Gemüt und die Phantasie des Lesers in diejenige ahnungsvolle Stimmung versetzt wird, wie sie sich der Welt des Wunderbaren und den gewaltigen Naturkräften gegenüber im schwächeren Menschen entfalten muss...die Ballade hat etwas Mysteriöses, ohne mystisch zu sein; diese letzte Eigenschaft ...liegt im Stoff, jene in der Behandlung. Das Geheimnisvolle der Ballade entspringt aus der Vortragsweise.


    Diese und ähnliche inhaltlichen Begriffsbestimmungen treffen nur auf die Entstehungszeit der dt. Kunstballade im Sturm und Drang zu (numinose Ballade), denn sie berücksichtigen nicht die inhaltliche Weiterentwicklung.

    Es gibt keine inhaltlichen spezifisch „balladischen“ Themen (Laufhütte), deshalb fehlen in neueren Definitionsversuchen inhaltliche Aspekte fast ganz.




    4. Die Typologie der Ballade

    - Lange Zeit war Kämpchens Aufgliederung richtungsweisend:
    a. die heldische Ballade
    b. die numinose Ballade
    c. psychologische Problemballade

    Das Numinose: Begriff aus der Religionspsychologie. Umfasst den für den Menschen zugleich bedrohlichen und verführerisch Charakter des Irrationalen.


    Numinose Balladen untergliedern sich bei ihm:

    -naturmagische
    -totenmagische
    -Schicksalsballden

    heldische Balden:

    -aktives äuberes Heldentum
    - inneres passives Heldentum
    (Sieg der sittlichen Kraft)



    Es gibt viele andere Gliederungsversuche:

    -Hinck fasst bsw. die äubere, aktive Heldenballade mit der numinosen zusammen und nennt sie „nordische Ballade“.
    -Es wurde auch nach „Erzählmustern“ eingeteilt (je nachdem, welcher epischen Kurzform eine Ballade ähnelt, wie bsw. Anekdoten-, Novellen-, Legenden-, Schwank- etc. balladen)
    Das hier ist meine Signatur und ich bin stolz darauf.

  6. #6
    Registriert seit
    May 2004
    Ort
    Erde
    Beiträge
    415
    Vielen Dank, satchmo!

    Reinen Tisch Für Scholasten und Märtyrer? ... na jedenfalls war die Zusammenfassung sehr aufschlussreich, finde ich. Faszinierend, dass die Ballade so schwer definierbar ist --> spricht für ihre vielseitige Anwendung! "Zeitungslied" und "Wendekind": das gibt mir eine Idee für eine medienkritisch-satirische Ballade.

    Ich persönlich würde die Ballade ja eher als dramatisch erzählende Lyrik bezeichnen, aber damit ist wohl auch keinem geholfen


    Also gut, diese Wissenslücken zu schließen, danke für den Threadhinweis (den hatte ich wohl nicht bis zu Ende angeguckt und dann vergessen ... )

    Dankesehr, Gruß
    fatcat
    fatcat's Zahmlose
    Es ist etwas an meinem Wort
    dran, das sticht.

    Tippsen: \_anamolie_/\_Flamme_/\_Anti Chris._/ ~ Bewegungsschule(fit for fun) ~

  7. #7
    Registriert seit
    Oct 2006
    Beiträge
    160
    Ich danke auch für diese Ausführlichen Informationen.

    Habe gerade aus einem Buch eine Strophe gefunden, welche sich "Nibelungsstrophe" nennt (abgeleitet von der gleichnamigen Ballade "Die Niebelung") .

    Nun habe ich ein kleines Problem mit der Metrik.

    xXxXx-XxXxXxX^^^

    - = Lange Hebung, ^=Pause

    4 Zeilen bilden eine Strophe, Paarreim

    Setzt sich aus Zwei Kurzzeilen zusammen, welche eine Langzeile bilden.

    Irgendwie bin ich gerade ein bisschen überfordert damit.

    Wäre toll wenn mir jemand, dass genauer erläutern könnte

    Danke

    LG windir
    Die freie Natur - Wir sind so gerne in der freien Natur, weil diese keine Meinung über uns hat.
    (F. Nietzsche)

  8. #8
    Registriert seit
    Oct 2006
    Beiträge
    160
    Nein, ich habe weder die Ballade, noch weiss ich den Autor, kenne aber die Sage, (wurde ja sogar verfilmt das ganze)

    habe in der Wikipedia noch was gefunden: http://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungenlied.

    ist auch ellenlang die Sage - 2400 Strophen (1 strophe = 4 Zeilen) =ca. 9600 Zeilen, das ist nicht gerade wenig.

    Anbei, danke ferdi für die erläuterung.

    LG windir
    Die freie Natur - Wir sind so gerne in der freien Natur, weil diese keine Meinung über uns hat.
    (F. Nietzsche)

  9. #9
    Registriert seit
    Oct 2006
    Beiträge
    160
    Hey Ferdi, dies könnte dich Interessieren:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungenstrophe

    :
    xXxXxXxX/xXxXxX
    xXxXxXxX/xXxXxX
    xXxXxXxX/xXxXxX
    xXxXxXxX/xXxXxXxX

    wobei die letzte strophe nur mit 3 Hebungen im Abvers gelesen wird, (ich hoffe ich hab das richtig verstanden)

    Und es sind sowohl weibliche und mänliche Kadenzen im Abvers "erlaubt"

    lg windir
    Die freie Natur - Wir sind so gerne in der freien Natur, weil diese keine Meinung über uns hat.
    (F. Nietzsche)

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Ballade
    Von ME. im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 04.08.2015, 13:53
  2. Balkon-Ballade.
    Von Guenter Mehlhorn im Forum Humor, Satire und Rätselhaftes
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 30.11.2011, 09:48
  3. ballade
    Von 101010 im Forum Hoffnung und Fröhliches
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 11.03.2011, 13:53
  4. Ballade
    Von fatcat im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 9
    Letzter Beitrag: 06.06.2009, 03:27
  5. Ballade
    Von KascHi im Forum Gedichtformen- und Strophenformen
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 15.12.2006, 18:54

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden