1. #1
    Registriert seit
    Jun 2006
    Ort
    Bremen
    Beiträge
    3.158

    Die Leiden des Jungen Werther von Goethe - ein verändertes Ende

    Aufgabe im Deutschunterricht war, das Ende des Romans "Die Leiden des Jungen Werther" von Goethe, unter Berücksichtigung des Buchinhalts, umzuschreiben.
    Wir hatten die Möglichkeit es stichpunktartig oder ausformuliert niederzuschreiben, ich habe mich für das Ausformulieren entschieden und mein Lehrer war wohl ziemlich von meiner Version angetan, weshalb ich sie gerne hier reinschreiben möchte. Was haltet ihr hiervon?



    21. Dez.

    Mein lieber Wilhelm, ich wünschte, ich wäre deinen weisen und vorausschauenden Worten gefolgt und hätte mein Lotten, meine Liebe, hinter mir gelassen. Doch ich war gefangen in den zarten Gespinsten der Leidenschaft, die sich mit jeder sehnsuchtsschweren Sekunde enger um meine Seele wanden und bald wie zentnerschwere Ketten an ihr zerrten, dass ich ihnen nicht mehr zu erwehren imstande war.
    Doch was bringt all mein einsehendes Gejammere, habe ich indessen diesen Weg gewählt, in mein Arkadien, welches so schnell wie ein zartes Gänseblümchen in den unerbittlichen Fängen des kalten Winters, vergehen sollte. Welcher Teufel hat auf meinen Schultern gesessen und ist mit schlangenzüngigen Worten in mein Denken gefahren, dass gerade ich es war, der diesem Paradies ein Ende setzen musste?
    O Wilhelm, vergib mir, wenn schon kein anderer, mein guter Freund. Mein Tun war von verzehrender Verzweiflung geleitet und schrecklich, dass ich dir kaum schreiben mag. O Wilhelm, halte mich nicht für einen Unmenschen, wenn du erfährst was ich getan habe.
    Oft schrieb ich dir, ich wolle gehen, aus dieser Welt und auch meiner geliebten Lotte habe ich in einem Brief von meinen Gedanken erzählt. Es war alles vorbereitet, die Pistole, die ich mir von Albert lieh, war geladen und Lotte wusste, dass ich sie benutzen würde. Doch Wilhelm, wirst du es mir glauben? Mein Vorhaben war ein anderes. Ich Tor spielte mit der Hoffnung, Lotte würde sich in ihrer Angst um mein Leben und ihrer mütterlichen Fürsorge doch noch für mich entscheiden. Was für ein Mensch bin ich, dass ich derart mit den Gefühlen meiner geliebten Lotte spiele?
    Ich schrieb ihr, dass mit dem Ende des 20. auch ich meinen letzten Zug tun wollte und wie ich erwartet habe, kam Lotte um mich von meinem Vorhaben abzuhalten.
    Ihr Erscheinen und all die Tränen, die sie in meine Schultern weinte, als sie sich an mich klammerte und all ihre Stärke vergessen zu haben schien, zeigte mir doch, wie sehr sie mich liebte.
    Ich war erfüllt von einer Glückseligkeit, wie ich sie lange nicht verspürte bis Lotte meinen Tagtraum mit Worten unterbrach, wie sie niederschmetternder und versehrender nicht hätten sein können.
    >>Oh Werther, wie kannst du nur<<, kam es jammernd, fast klagend aus ihr heraus. >>Ich gehöre zu Albert, schon immer. Wie kannst du mich nur so leiden lassen, wusstest du doch von Anfang an, dass ich einem Anderen versprochen bin. Ich habe dich als guten Freund lieben gelernt und nie gewollt…<< Weiter kam sie nicht, denn meine Arme stießen sie von mir weg und weit aufgerissene Augen starrten sie ungläubig an, suchten ihr Gesicht nach einer Lüge ab, die meine Ohren zu hören meinten. Doch da war nichts. Sie blickte mich mit verquollenen Augen und fester, entschiedener Miene an. Wie kann sie nur so eigensüchtig sein, dachte ich. Wie kann mein Leben ihr so egal sein. Sie sagte nur noch ein >>Lebe wohl<< wie es entgültiger nicht klingen konnte und wandte mir den Rücken zu, das Haus und mein Leben zu verlassen. Doch ich wusste was zu tun war, nahm die Pistole auf und hoffte so Lotte doch noch überzeugen zu können. >>Lotte, geliebte Lotte, dein Verstand hat dein Herz und schließlich auch mich besiegt. Wenn es wirklich keinen anderen Weg mehr gibt…<< sprach mein Mund ohne das ich den Sinn der Worte verstand. Sie drehte sich ein letztes Mal zu mir herum und gewährte mir einen letzten Blick in ihre Augen, deren Wärme so fern schien und die so entsetzt der Bewegung meines Armes folgten. O Wilhelm, ich sage dir, ich war besessen, vermochte ich doch selbst erst zu begreifen, was geschah, als der Schuss verhallt war und Lottens Körper dumpf auf dem Boden aufschlug. Es war furchtbar, Wilhelm. Es war Blut, überall Blut und ich hielt den Arm mit der Pistole weiterhin oben. Die Kugel fand ihren Weg durch Lottens Schädel als hätte sie ihren Verstand ausschalten und ihr Herz, ihre Gefühle für mich, weiter leben lassen wollen.
    Doch das spielt nun keine Rolle mehr. Ich habe meine geliebte Lotte verloren und doch wollen die zentnerschweren Ketten meiner Seele nicht die langersehnte Freiheit gönnen.
    Wilhelm, glaube mir, diesmal werde ich Stärke beweisen und ein einziges Mal zu Ende bringen was ich angefangen habe. Ich werde meine Seele befreien, Lotte ist nicht mehr, um sie zu halten.
    Wilhelm, denke nicht schlecht von mir und grüß mir meine Mutter. Leb wohl.
    lesen
    von anderen:
    Meine Favoriten ・ von mir: Von A bis Z

    schreiben
    unter Texte:
    Kommentar gefällig? ・ über Texte: Lyrisches Lexikon

    diskutieren
    meine Neusten:
    RandlinieWas wäre denn
    © Christian Glade

  2. #2
    Registriert seit
    Jun 2006
    Ort
    Bremen
    Beiträge
    3.158
    Hallo joasch,

    ich danke Ihnen für ihren ehrlichen Kommentar, nicht oft bekommt man hier in dieser Deutlichkeit gesagt, dass ein Text nichts taugt .
    Dies, und Ihren Hinweis auf vereinzelte Umgangssprache, welche mir aber bewusst - und aufgrund meines noch unausgereiften Wortschatzes nicht zu verhindern - ist, verstehe ich selbstverständlich als gutgemeint.

    Ich denke jedoch selber, dass ich besser bei den Gedichten aufgehoben bin

    Danke für Ihr Interesse an meinen Werken, besonders an meinen Sonetten. Wenn Sie Gefallen daran haben, ich habe vor kurzem eines, Sturmherz, hier veröffentlicht.

    Liebe Grüße,

    Chris
    lesen
    von anderen:
    Meine Favoriten ・ von mir: Von A bis Z

    schreiben
    unter Texte:
    Kommentar gefällig? ・ über Texte: Lyrisches Lexikon

    diskutieren
    meine Neusten:
    RandlinieWas wäre denn
    © Christian Glade

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Leiden der jungen Liebe
    Von kleine_poetin im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 18.01.2010, 21:03
  2. Die Leiden des jungen Lyriklesers
    Von Woitek im Forum Humor, Satire und Rätselhaftes
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 12.12.2009, 23:26
  3. Die Leiden des jungen A.
    Von Van Omen im Forum Humor, Satire und Rätselhaftes
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 24.01.2006, 17:22
  4. Die Leiden im jungen Winter
    Von talentlos im Forum Natur und Jahreszeiten
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 31.12.2004, 09:38
  5. Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 19.01.2003, 21:40

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden