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Thema: Offene Wunden

  1. #1
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    Offene Wunden

    Wenn dunkle Gedanken sich träge versammeln,
    die Nacht sie mit fahlgrauen Fäden umflicht,
    erwachen Dämonen in ihren Verstecken
    und zerren die Angst in das schwindende Licht.

    Sie beißen sich fest in verheilenden Narben
    und drehen die Zeiger der Uhren zurück,
    sie krallen sich blindwütig tief in die Wunden,
    entwurzeln die Keime der Hoffnung auf Glück.

    Mit lautlosen Worten, zu Kränzen gebunden,
    umrahme ich täglich ein farbloses Bild
    und zähle die Krüge vergossener Tränen,
    mit Melancholie bis zum Rande gefüllt.

    So viele Momente, nur sinnlos zerredet,
    ich greife nach ihnen, doch fliehen sie mich,
    nun klaffen unendliche Gräben als Grenzen
    und jeder steht auf seiner Seite - für sich.

    Das Morgen verhuellt sich mit blickdichten Tüchern,
    ein Traum baumelt leblos am Galgen der Zeit,
    die Schuld haftet klebrig wie Blut an den Händen
    und Einsamkeit hüllt sich in Endgültigkeit.
    Geändert von Lailany (30.06.2019 um 05:56 Uhr)

  2. #2
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    Wau, finde ich sehr schön Deine Worte....drücken diese Traurigkeit und dieses Entsetzen im Herzen so schön aus.....

  3. #3
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    Himmel, Lailany, sehr starke Worte, ich war wie gelähmt beim Lesen. Eindringliche Bilder mit vielen Attributen aber doch klar ausgearbeitet. Inhaltlich kommt mir vieles bekannt vor, natürlich.
    Metrisch scheint alles in Ordnung zu sein, zumindest kam ich ausgezeichnet durch.

    Diesen einen Vers hab ich nicht ganz verstanden:

    ich greife nach ihnen, doch fliehen sie mich,

    ev. magst du es mir erklären, warum "fliehen sie mich".

    Ein immens starker Schluss, ich bin sehr beeindruckt. Und eigentlich sprachlos, am liebsten hätte ich dein Werk erst später kommentiert, aber ich wollte es dich wissen lassen.

    Liebe Grüße
    Eva
    EvaAdams

    (c) Mein Werkverzeichnis: Unterm Feigenbaum = überholungsbedürftig, aktuelles bitte unter Profil nachsehen


    Die WÖRTERWUNDERTÜTE ist da!

    Mein Buch Leitersprossen

  4. #4
    Schwirl Guest
    Hallo Lailany
    Das ist stark. Du schreibst so traurig, das jedes Wort direkt überspringt .
    Man, geht das ins Herz. Jede Strophe ist für sich schön.
    Gerne gelesen. Dieses Gedicht wird zu meinen Lieblingsgedichten zählen.

    Liebe Grüße von sy.
    Geändert von Schwirl (17.04.2007 um 13:24 Uhr)

  5. #5
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    Moinsen Kiwifrüchtchen

    Es sind besonders die Abendstunden, die den Menschen erkennen lassen, was er in des Tages Rauschen nicht erkennen könnte. So schreibst du hier von den versäumten Möglichkeiten, den falschen Entscheidungen, den vorüber gegangenen Momenten, die ein imaginäres ich quälen können, wenn der Mensch zur Ruhe kommt und Zeit hat, über sich selbst nachzudenken.
    Nicht leicht ist dein Text und doch erahnt man schon beim ersten Lesen, dass eine Schwere in den Zeilen wohnt, die tiefer geht als ein flüchtiges Versehen einer Lebenslage. Du schlägst die Saiten einer verstimmten Laute an. Nichts ist, wie es sein sollte. Es ist etwas geschehen, dass es dem sprechenden Ich unmöglich macht, Gelassenheit zu üben. Durch eindeutig düstere Bilder erzeugst du das Gefühl der Beklemmung, der Angst, der Verzweiflung und bringst den Leser in eine Welt, die zunehmend beklemmender wird. Fünf Strophen lang steigert sich die unheilvolle Szenerie bis man erkennt, dass am Ende jeder sich selbst der nächste ist, es keine Zweisamkeit gibt und man selbst Schuld an seiner misslichen Lage trägt. Diese Einsicht trifft wie ein Schlag.

    In schwere vierhebige Daktylen (11-12 silbig) mit Auftakt präsentierst du dein Dings, wenn ich das richtig sehe. Dem Schema abcb folgend, das weitestgehend rein eingehalten wird, und mit wechselnden Kadenzen wartest du auf und umschummerst unheilvoll den Leser. Der Titel deutet an, dass Schmerzen den Leser erwarten müssen und wahrlich wird dieser in die Welt des Autors gezogen, um dort die Pein des sprechenden Ich zu empfinden. "Offene Wunden" ist schweres Material besonderer Güte. Lang und unendlich langsam spiegeln sich die quälenden Gedanken des sprechenden Ich in der behäbigen Struktur des Dings wider, zu einem durch ein ungewöhnliches Reimschema angegeben Bruch in der Wirklichkeit gesellt sich die bildreiche und eindeutig den Schmerzen des Menschen zugeordnete Bilderwelt.


    Prädikat:
    große Schmerzen bildreich und ansprechend umgesetzt, strukturell wie inhaltlich: unbedingt lesenswert.


    Wermutstropfen:

    Mit lautlosen Worten, zu Kraenzen geflochten,
    umrahme ich taeglich ein farbloses Bild
    und zaehle die Kruege vergossener Traenen,
    mit Melancholie bis zum Rande gefuellt.
    Aber das ist Kleckerkram.


    Beste lyr. Grüße
    mechellion

  6. #6
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    8:20 Mitteleuropäischer Zeit:
    Waaaaahhh, hallo Lailany,

    mit ein wenig Glück werde ich hier der Erste sein der kommentieren darf, solange mir dies nicht jemand mit Hilfe eines
    belanglosen Kurzkommentars zunichte macht. -edit- Pech gehabt^^

    Erster Eindruck: Schöne Worte, starke Bilder, technisch sauber mit perfekter Metrik (Lailany typisch eben.)
    *lesen*

    Zweiter Eindruck: Ein dunkler Traum, der bereits verdrängte Erinnerungen in schmerzvollen Gedanken wiederkehren lässt.
    Schauen wir mal ob diese erste These sich nach näherer Betrachtung bestätigen oder widerlegen lässt.


    Beginnen wir mit dem technischen. (Mängel in der technischen Analyse bitte ich mir nachzusehen und gegebenenfalls zu
    korrigieren. Ich bin derzeit intensiv am Üben was diesen Punkt angeht und mit Sicherheit noch lang kein Meister auf dem
    Gebiet )
    Metrum:


    Offene Wunden

    Wenn dunkle Gedanken sich traege versammeln,
    die Nacht sie mit fahlgrauen Faeden umflicht,
    erwachen Daemonen in ihren Verstecken
    und zerren die Angst in das schwindende Licht.
    Reimeschema: abcb

    xXxxXxxXxxXx
    xXxxXxxXxxX
    xXxxXxxXxxXx
    xXxxXxxXxxX

    Sie beissen sich fest in verheilenden Narben
    und drehen die Zeiger der Uhren zurueck,
    sie krallen sich blindwuetig tief in die Wunden,
    entwurzeln die Keime der Hoffnung auf Glueck.
    Reimeschema: abcb

    xXxxXxxXxxXx
    xXxxXxxXxxX
    xXxxXxxXxxXx
    xXxxXxxXxxX

    Mit lautlosen Worten, zu Kraenzen geflochten,
    umrahme ich taeglich ein farbloses Bild
    und zaehle die Kruege vergossener Traenen,
    mit Melancholie bis zum Rande gefuellt.
    Reimeschema: abcb

    xXxxXxxXxxXx
    xXxxXxxXxxX
    xXxxXxxXxxXx
    xXxxXxxXxxX

    So viele Momente, nur sinnlos zerredet,
    ich greife nach ihnen, doch fliehen sie mich,
    nun klaffen unendliche Graeben als Grenzen
    und jeder steht auf seiner Seite - fuer sich.
    Reimeschema: abcb

    xXxxXxxXxxXx
    xXxxXxxXxxX
    xXxxXxxXxxXx
    xXxxXxxXxxX

    Das Morgen, verschleiert mit blickdichten Tuechern,
    ein Traum baumelt leblos am Galgen der Zeit,
    die Schuld haftet klebrig wie Blut an den Haenden...
    die Einsamkeit huellt sich in Endgueltigkeit.
    Reimeschema: abcb

    xXxxXxxXxxXx
    xXxxXxxXxxX
    xXxxXxxXxxXx
    xXxxXxxXxxX

    Metrum in Perfektion, nix zu kritteln, fast schon langweilig. Dein Reimschema hälst du wunderbar durch. Mit dem zurück-Glück
    Reim kann ich mich noch anfreunden, der mich-sich Reim scheint verglichen mit den hohen Ansprüchen die deine Worte wecken
    fast ein wenig 'sparsam'. Betrachtet man jedoch die beiden Zeilen als Ganzes ist der Eindruck auch schon wieder entschwunden
    und gewohnte Lailany quality macht sich breit. Der erste Eindruck ist demnach bestätigt, technisch gibt es keinerlei Mängel
    und so mache ich mich an die Interpretation.

    Der Titel 'Offene Wunden' wäre, würde er nicht aus deinem Köpfchen stammen, für mich kein besonders tiefgründiges Gedicht
    versprechen. Ich würde wohl eher an ein Klagedingserstlingswerk mit wenig lyrischem Wert denken und in den meisten Fällen von
    einem 'Klick' absehen. Von diesem Eindruck erholt mache ich mich zunächst an die erste Strophe, ohne jedoch den Titel außer
    Acht zu lassen.

    Wenn dunkle Gedanken sich traege versammeln,
    die Nacht sie mit fahlgrauen Faeden umflicht,
    erwachen Daemonen in ihren Verstecken
    und zerren die Angst in das schwindende Licht.

    Schon die ersten beiden Zeilen vermitteln mir traurige aber faszinierende Bilder. Die Wahl von 'versammeln' gefällt mir
    außerordentlich gut, verstärkt sie doch in nicht unerheblichem Maße den Plural 'Gedanken'. Ich habe schon hier das Gefühl,
    dass es sich um weit mehr dunkle Gedanken handelt, als LyI zu verkraften imstande ist. Zeile zwei verstärkt dieses Bild, denn
    LyI ist nun entgültig in der Unterzahl, hat sich doch die Nacht ebenfalls auf die Seite der bösen Gedanken verschlagen und
    lässt diese umso grauenvoller erscheinen. Es ist zwar kein Geheimnis das du hier offenbarst, wenn du dem Leser mitteilst, das
    solche Gedanken uns eigendlich immer des Nachts in unseren Träumen heimsuchen, verpackst diese Aussage aber in
    wunderschaurige Bilder vonenormer Ausdrucksstärke.
    Zeile 3 finde ich zwar ein klein wenig ausgelutscht, lese und benutze es aber immer wieder gern. In Verbindung mit Zeile 4
    verblasst dieser Eindruck dann auch schnell wieder, denn hier kommt ein weit weniger häufig verwendetes und für mich wieder
    sehr ausdrucksstarkes Bild. In dem wenigen noch vorhandenen Licht, dem letzten Zufluchtsort von LyI macht sich die Anst
    breit.

    Sie beissen sich fest in verheilenden Narben
    und drehen die Zeiger der Uhren zurueck,
    sie krallen sich blindwuetig tief in die Wunden,
    entwurzeln die Keime der Hoffnung auf Glueck.

    Die erste Zeile von Strophe zwei erzeugt in mir einen Gedanken an Verdrängung. Heilende Narben entstehen ja normalerweise
    durch Auseinandersetzung mit den eigenen Problemen, lassen aber den bösen Gedanken gewöhnlich keinen Angriffsspielraum.
    Anders ist dies, wenn die verheilenden Narben nur oberflächliche Aufmerksamkeit erhalten haben, sprich die Probleme nur
    verdrängt worden sind, da sich dann mehr als genug Angriffsspielraum bietet.
    In den nächsten drei Zeilen wird meine Vermutung bestätigt. Die obengenannten Dämonen sind Geister der Vergangenheit und
    versetzten LyI, bzw. dessen Träume, zurück in eine längst vergangene Zeit, wo die Narben noch 'Offene Wunden' waren. Die
    letzte Zeile beschreibt den letzten Schritt in den Alptraum der vergangenheit, die letzte Grenze der 'Traumwelt Realität',
    bzw dessen Keim (Aufleben), entstanden aus Verdrängung, und das scheinbare Glück, die Pseudohoffnung, denn Hoffnung ohne
    tatsächliche Verarbeitung wäre ja hier nur Schein, wird verdrängt, überquert.

    Mit lautlosen Worten, zu Kraenzen geflochten,
    umrahme ich taeglich ein farbloses Bild
    und zaehle die Kruege vergossener Traenen,
    mit Melancholie bis zum Rande gefuellt.

    Hier überdenke ich aufgrund deiner Zeilen meine bisherige Interpretation und muss diese, wenn auch nur teilweise revidieren.
    LyI hat nämlich die Phase der Verdrängung noch garnicht erreicht, diese steht ihm also gegebenen Falls noch bevor. Strophe
    drei ist, an dieser Stelle übrigens mehr als passend einen relativ wenig dramatischen, dennoch einprägsamen Bruch zu wagen
    und die Realität wieder zum Vorschein zu bringen. Trotz ausdrucksstarker Bilder lässt diese Strophe weniger
    Interpretationsspielraum als die Vorherigen. Die Worte Tränen und Melancholie lassen den Leser hier tatsächlich ziemlich
    genau wissen, worum es geht. Gleichzeitig wird damit aber glücklicher Weise der Eindruck von Realität deutlicher.
    Die 'lautlosen Worte', für mich Schweigen, sind 'zu Kränzen geflochten', die für mich hier wieder repräsentativ für die
    Erinnerungen stehen, umrahmen täglich ein farbloses Bild. Die Gedanken von LyI kreisen sich tagtäglich um dieses Eine Große
    und schmerzhafte Ereignis, an das die vielen in der Nacht kommenden Dämonen, bösen Erinnerungen, geknüpft sind und lassen die
    Tage farblos erscheinen, ohne Inhalt, ohne Ziel, Zukunft, trit, schwarz. LyI gibt sich dem Selbstmitleid hin, wobei mir
    'Melancholie' ein wenig schwach erscheint, vergleicht man dies mit den Krügen von vergossenen Tränen, die doch eher von
    starken Heulanfällen zeugen als von sanfter leicht wehmütiger Melancholie.

    So viele Momente, nur sinnlos zerredet,
    ich greife nach ihnen, doch fliehen sie mich,
    nun klaffen unendliche Graeben als Grenzen
    und jeder steht auf seiner Seite - fuer sich.

    In Strophe vier wird der Deutlichkeit die Krone aufgesetzt, was nicht heißen soll, dass du hier zu deutlich wirst, nur, dass
    hier die Spitze der Deutlichkeit deines Gedichts erreicht wird und demnach die Kernaussage des Gedichts entgültig an Form
    gewinnt, ein guter Zeitpunkt wie ich finde. LyI scheint Halt zu suchen. Halt in Erinnerungen, den Fixpunkt, den Hinweis, der
    die Ereignisse ungeschehen machen könnte. In Erinnerungen an vergangene Gespräche gefangen erscheinen diese LyI inhaltslos
    und entschwinden seinem Geist so schnell sie gekommen sind. Es kommt das Gefühl von Vorbeirederei auf ('nun klaffen
    unendliche Gräben') und es wird eindeutig klar, dass es sich um Trennungsschmerz handelt der LyI zu zerfressen droht. Ein
    gewisser Zwiespalteindruck von LyI drängt sich mir dennoch auf. Nicht jener unerklärliche an Geisteskrankheit grenzende
    Zwiespalt der uns unnatürlich erscheint, sondern eben der, den viele 'Liebeskranke' inne haben. Auf der einen Seite trauern
    wir um die Beziehung und verwünschen die Probleme die zu diesem schmerzhaften Umstand geführt haben die wir Trennung nennen,
    auf der anderen Seite sind wir, in diesem Fall LyI, wie auch der ehemalige Partner, nicht bereit uns eigene Fehler einzugestehen und so beharrt am Ende jeder auf seinem Standpunkt.

    Das Morgen, verschleiert mit blickdichten Tuechern,
    ein Traum baumelt leblos am Galgen der Zeit,
    die Schuld haftet klebrig wie Blut an den Haenden...
    die Einsamkeit huellt sich in Endgueltigkeit.

    In Strophe fünf kommt in mir wieder ein träumerisches Gefühl auf, was nicht zuletzt an den stärkeren Bildern liegt (im Vergleich zu Strophe 3+4) und was ich in der Abschlussstrophe durchaus für angemessen, wenn nicht sogar außerordentlich gelungen halte. Wir sind zurück in der eigendlichen Szene, wobei wir vom tiefen Schlummer (naja, eher unruhigem Schlaf) einen Zeitsprung zum Erwachen machen. Ich kann mich, ob deiner Worte, dem Gefühl von Surrealität nicht entziehen. LyI scheint trotz aller Surrealität mit einer tiefen Erkenntnis erwacht zu sein, nähmlich mit dem Wissen, das es selbst nicht unwesentlich zu der Trennung, eben jenem schmerzhaften Umstand der es zu zerfressen droht, beigetragen hat. Das Blut an den Händen ist ein sehr starkes Bild, vielleicht zu stark für das was ich eben hineininterpretiert habe, aber du wirst mich sicher noch aufklären. Die letzte Zeile hat nicht zuletzt aufgrund des Wortes Entgültigkeit einen entgültigen Charakter. LyI scheint so tief in seinen Schmerz versunken, dass Aussicht auf alternative Partner keine Möglichkeit zu sein scheint, sondern nur ewig andauernde Einsamkeit.

    Schlussbemerkung:
    In dein Gedicht lässt sich, trotz eines eindeutigen Themas eine Menge hineininterpretieren, was eine von vielen Stärken deines Werkes darstellt. Von Unterbewusster Verarbeitung der Probleme des Menschen in dessen Träumen, über die Macht des Unterbewusstseins über das Bewusstsein, bis hin Trennung, Selbstmitleid und der von mir schon angesprochenen Erkenntnis der eigenen Teilschuld steckt hier weit mehr drin, als die wenigen Zeilen vermuten lassen.
    Ich habe mich sehr gern mit deinem Werk beschäftigt, was sicher schon anhand der Länge meines Textes nachzuvollziehen ist. Ich werde, da es seit heute zu meinen Lieblingwerken zählt, und dass trotz der Tatsache, dass es in einer Rubrik steht die ich eher selten besuche, hier sicher noch desöfteren anzufinden sein um über deine schönen Worte zu senieren. Ich werde an dieser Stelle keine Verbesserungsvorschläge machen, da es mir zum jetzigen Zeitpunkt unangebracht scheint. Vielleicht ändert sich das mit einem meiner zukünftigen Besuche dieses Themas.
    Als ausdrücklicher und für den Moment zufrieden gestellter, faszinierter Fan deiner Werke wünscht dir einen schönen Tag.
    Lieben Gruß
    Frank

    PS: Es ist jetzt etwa 9:50 mitteleuropäischer Zeit und ich brauch ne Pause

    Träume - Unterbewusstsein - Verarbeitung

  7. #7
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    Hallo Lailany

    Du reißt den Leser in die dunklen Abgründe der Verzweiflung und Einsamkeit. Und das mit einer sprachlichen Vollendung die mich den Hut vor dir ziehen läßt.

    sehr gern gelesen
    LG rbg

  8. #8
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    Hallo,

    wow, mir fehlen (fast) die Worte. Starke Worte, treffende Bilder...

    Beeindruckendes Gedicht.

    Liebe Grüße,

    Ereschkigal
    "Ich liebe die Menschen nicht, welche, um überhaupt Wirkung zu tun, zerplatzen müssen, gleich Bomben, und in deren Nähe man immer in Gefahr ist, plötzlich das Gehör-oder noch mehr zu verlieren."
    (Friedrich Nietzsche)

  9. #9
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    Liebe Rosenstrauss

    Freut mich, dass mein Gedicht zu gefallen mochte und ich bedanke mich fuer Kommentar und Lob.

    Liebe EvaAdams

    So starke Lobesworte von Dir, die ich zu den grossen Poeten in diesem Forum zaehle, sind eine ganz besondere Belohnung und Freude fuer mich.
    Sowas spornt ungemein an zum Weitermachen und gibt dem Ehrgeiz, ordentliche Werke zu produzieren, maechtigen Auftrieb.

    'sie fliehen mich'...ist eine nicht oft verwendete, vllt auch etwas unuebliche Ausdrucksweise fuer: 'sie fliehen/fluechten vor mir'...
    Es wird meines Wissens gebraucht fuer etwas, was nicht greifbar ist, eben Gedanken, Gefuehle.
    Mir war diese Formulierung gelaeufig, iss sie also doch net so bekannt?

    Ich bedanke mich ganz herzlich, liebe Eva!


    Liebe syranie

    Dass mein Dings Dich zu ueberzeugen und beruehren vermochte, ist fuer mich ein grosses Kompliment. Beweist mir, dass ich die Kurve wieder mal gekriegt hab.
    Da ich selber mein wohl haertester Kritiker bin und manchmal an einer einzigen Zeile tagelang grueble, freut mich ein Erfolg natuerlich ganz ausserordentlich.

    Auch Dir, schoenen Dank!


    Nohm mechellion

    Wie freu ich mich, wieder einmal einen Deiner grossartigen Kommentare zu bekommen, die ich auch schon sehr vermisst hab. Jetzt bist Du ja wieder oefters aktiv, somit liegt es an mir, Ordentliches zu produzieren, um Dich zu einem Deiner begehrten Kommis zu veranlassen

    Dass Du mit treffenden Worten die Stimmung interpretierst, die dieses Dings beschreiben will, brauche ich wohl nicht zu erwaehnen.
    Damit hast Du mich mit Deinen frueheren Kommentaren zu anderen Dingsern schon ueberrascht, erstaunt und begeistert.
    Auch hier...mit zielsicherer Genauigkeit findest Du die richtigen Worte, gibst meine Gedankengaenge akkurat wieder.

    Der Wermutstropfen, der unsaubere Reim juckte mich beim Schreiben schon wie ein laestiger Pickel ..ich war nicht in der Lage, was besseres zu finden.
    Die 'traenengefuellten Kruege' hatte ich schon lang als Gedankenfetzen rumliegen gehabt...hier haben sie mir reingepasst.
    Und das 'Bild' musste auch sein...es ist ein tragendes Element im Ganzen...
    Ich dachte, ich duerfte mal ein wenig schummeln...Du laesst mir aber auch gar nix durchgehen...wie gemein...
    Spass beiseite, iss schon gut so, immer wieder zu sehen, dass ich mit solchen Dingen net durchkommt.
    Iss sogar ein zusaetzlicher Bonus, zeigt es mir doch, dass Du an meine Dingser einen gewissen Anspruch stellst. (Umgekehrt ist es ja dasselbe.. )
    Den gilt es zu erfuellen...mein Ehrgeiz wird somit immer wieder geschuert.

    Ich bedanke mich aufs Herzlichste!


    Lieber Melanor

    Mannomann...ich bin geplaettet.
    Welch ein toller, umfangreicher Kommentar. Ich bin hin und weg.
    Es freut mich natuerlich besonders, dass Du Dir soviel Muehe und Zeit genommen hast fuer mein Dings.
    Dass Du es in Deine Signatur aufgenommen hast, hat mich voellig umgehauen.
    Nun war es an mir, zu erroeten...vor Stolz und Freude..

    Ich merke, auch Du stellst an meine Dingser bestimmte Ansprueche. Das ehrt mich und ich hoffe, auch weiterhin meine geneigte Leserschaft zufriedenzustellen.
    'Gewohnte Lailanyqualitaet'...oh...Du schmeichelst mir.
    Geht aber runter wie guter Wein..klaro

    Lach...bei Metrikfehlern lass ich mich nicht erwischen, auch auf die Gefahr hin, dass es langweilig iss... ..da bin ich Fanatikerin..

    Seufz..ja, ich weiss, es gibt originellere Reime als 'mich-sich'.
    Ohne mich rausreden zu wollen...wie jeder weiss, ist es bei einem laengeren Werk fast nicht moeglich, Unverschlissenes zu finden, grad, wenn man es mit der Metrik peinlich genau nimmt.

    Hier moechte ich gleich etwas vorgreifen und auf einen weiteren Kritikpunkt in Deinem Kommentar eingehen.
    Du hast natuerlich recht: das Wort 'Melancholie' ist mit den 'traenengefuellten Kruegen' logischerweise net wirklich vereinbar.
    Dein Adlerauge und scharfer Verstand haben mich also einer weiteren Schummelei ueberfuehrt
    Ich muss gestehen, dass ich auch nicht gluecklich war mit dieser Loesung.
    Ich hoffe trotzdem um Nachsicht, da es ein absoluter Alptraum war, ein Wort anstatt 'Melancholie' zu finden, welches dieselbe Metrik aufweist.
    Diese Strophe hat mir die meisten Probleme bereitet, auch der von Mechellion kritisierte unreine Reim findet sich hier. Ich war wohl zu versessen auf die 'traenengefuellten Kruege'. Diese Metapher hab ich schon monatelang auf Lager. Dass ich sie hier reingepresst hab, raecht sich nun...
    Bitte um Nachsicht...ich lege Berufung ein und bemuehe die 'dichterische Freiheit', mich hier rauszuwinden

    Der eher banale, vllt. auch abgelutschte Titel mag wohl viele Leser so denken lassen wie Dich...ein HerzSchmerzTeenieTagebuchDings...
    Ich waehle mit Absicht fast immer einen ganz gewoehnlichen Titel, da mir reisserische Ueberschriften grundsaetzlich zuwider sind, auch wenn diese die meisten Hits bekommen, wie man immer wieder sieht.
    Ich vertraue einfach darauf, dass User, die meine bisherigen Erguesse moegen, sich frueher oder spaeter einfinden.

    Zu Deiner Interpretation:
    lieber Melanor...was bleibt mir hier noch zu sagen...ich bin begeistert und moechte Dir hier ein grosses Kompliment aussprechen zu Deiner Faehigkeit, alle Einzelheiten aufzufinden und sie richtig einzuordnen.
    Ich bedanke mich gleich hier fuer die grosse Muehe, die Du Dir gemacht hast und freu mich wie ein Schneekoenig darueber...

    Zu S1Z3: mit den 'Daemonen' wollte ich die kleinen und grossen Teufel beschreiben, die uns in so manchen Stunden und Stimmungen heimsuchen, sich auf die Schulter hocken und uns maltraetieren...wer kennt sie nicht?
    Geister, Gespenster, Teufel...egal, was ich genommen haett, es wurde sicher schon tausende Male verwendet.
    Hier moechte ich der Vollstaendigkeit halber erklaeren, dass bei diesem Werk die letzte Strophe zuerst stand.
    Da diese doch recht ausdrucksstark ist, musste ich alles Weitere angleichen.
    Das war der Grund, warum ich mich letztendlich fuer 'Daemonen' entschieden hab, da es das staerkste unter den in Betracht gezogenen Worten war.

    S3: das 'farblose Bild':
    Hier sollte ein verblichenes, altes, immer wieder zur Hand genommenes, daher abgegriffenes Foto beschrieben werden, aus Tagen der Zweisamkeit oder auch ein Bild des verlorenen Liebsten.
    Das lyrIch will vergessen, verdraengen, die Narben heilen lassen. Der Verstand sagt ihm, dass das schneller und erfolgreicher erreicht wuerde, wenn es das Bild vernichten wuerde.
    Das jedoch bringt es nicht uebers Herz...dieses ueberwaeltigt noch immer den Verstand...
    Das lyrIch will sich bewusst oder unbewusst auch selber quaelen, da es fuehlt, dass es an der zerbrochenen Beziehung schuld ist.
    Diese Tatsache wird aber erst in den naechsten Strophen genau beschrieben.
    Den inneren Zwiespalt wollte ich mit dem Wort 'heimlich' ausdruecken.
    Urspruenglich hatte ich:
    'umrahme ich sanft ein verblichenes Bild'...
    Obwohl ich mich schwer von 'verblichenen' getrennt hab, das 'sanft' hat mich selber erschaudern lassen...
    Nun hatte ich mit 'heimlich' zwei Silben, daher musste ich ein Zweisilbiges fuer 'verblichenes' finden...

    S5: 'das Blut an den Haenden'..will ausdruecken, dass das lyrIch, je intensiver es ueber die zerbrochene Beziehung nachdenkt, sich die alleinige Schuld dafuer gibt.
    Auch hier hast Du recht, es mag wohl etwas zu starke Wortwahl sein..
    von dieser Zeile koennt ich mich leicht trennen, wenn ich was Passenderes finden wuerde.
    Vllt hat ja jemand einen brauchbaren Vorschlag.

    Ich weiss Deine Muehe und den Zeitaufwand wirklich zu schaetzen, lieber Frank und bedanke mich ganz herzlich dafuer.

    Nachtrag: lieber Frank..I'm obviously losing my marbles..*g*..das kommt davon, wenn man verbessert und dann wieder und wieder rumkratzt...das Wort 'heimlich' hatte ich in der 2.Version, in der hier geposteten, endgueltigen Fassung ist es 'taeglich'...sorry.
    LG
    Eva


    Liebes rainbowgirl

    Vielen Dank fuer Deinen Besuch und Deine tollen Lobesworte!
    Was will man mehr als Schreiberling...


    Liebe Ereschkigal

    Auch Dir...herzlichen Dank fuer den lobenden Kommentar!


    Nochmals tausend Dank an Euch alle fuer Euer tolles feedback.
    Liebe Gruesse aus downunder schickt Euch
    Lailany
    Geändert von Lailany (20.04.2007 um 09:47 Uhr)

  10. #10
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    Liebe Lailany,
    es ist alles schon gesagt worden, besonders von Eva. Ich möchte nur noch die Sprachgewalt hervorheben, die mir wahnsinnig imponiert hat.
    Hut ab!
    al cori



    geh, ich kann das nicht mit den "links" setzen.


    also, werbung, hier und so... schaut euch meine werke der letzten monate, nicht jahre an. besser. glaubt mir. thanx!


  11. #11
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    Liebe cori!

    Schoen, Dich wieder mal zu lesen...
    Freut mich sehr, dass ich Dich diesmal wieder ueberzeugen konnte mit meinem
    Gedicht.
    Danke Dir fuer Dein Lob und Kompliment!

    Liebe Gruesse nach Wien
    aus downunder
    von Lailany

  12. #12
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    Moin oder Nohm je nachdem von welchem Gesichtspunkt.

    Vielen Dank für deinen netten Worte. Es freut mich, dass du mit meinem Kommentar deine Gedanken verbinden kannst.
    Was ich ergänzen wollte:
    'sie fliehen mich'...ist eine nicht oft verwendete, vllt auch etwas unuebliche Ausdrucksweise fuer: 'sie fliehen/fluechten vor mir'...
    Es wird meines Wissens gebraucht fuer etwas, was nicht greifbar ist, eben Gedanken, Gefuehle.
    Mir war diese Formulierung gelaeufig, iss sie also doch net so bekannt?
    Mit ist diese Formulierung auch geläufig, wenn sie auch selten benutzt wird. Deine Anwendung ist, so denke ich, gerechtfertigt.

    Beste lyr. Grüße
    mechellion

  13. #13
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    Nochmals hallo, EvaAdams @ mechellion!

    Danke mechellion fuer Deine Bestaetigung bezueglich der Redewendung: 'sie fliehen mich'...

    Liebe Eva, ich bin erst kuerzlich wieder auf diese Wortgruppe gestossen beim Lesen eines alten Schmoekers in deutscher Sprache aus der hiesigen Buecherei.
    Sie stand hier im Zusammenhang mit: 'der Schlaf fliehet mich, Nacht fuer Nacht...'
    Das 'fliehet' laesst erkennen, dass diese Ausdrucksweise eine wohl etwas verstaubte ist (so wie auch die Autorin... )

    Liebe Gruesse nochmals an Euch beide
    von Lailany

  14. #14
    Registriert seit
    May 2007
    Beiträge
    38
    Lailayn,

    nachdem schon so viel über dieses Gedicht gesagt wurde, fasse ich mich kurz und ergänze einfach nur, dass mich die eigenwillige Wortwahl, die perfekte Metrik (ich bin ebenfalls eine Metrik-Fanatikerin!) und die Dichte der Bilder beeindruckt hat. Es erinnert mich an die Gedichte von Ingeborg Bachmann.

    x Alice

  15. #15
    Registriert seit
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    Beiträge
    868
    Liebe Alice McDuff!

    Sorry...hab gestern in meiner Schussligkeit total verabsaeumt, Dich herzlich im Forum willkommen zu heissen.

    Vielen herzlichen Dank fuer Deinen tollen Kommentar...und dass Du Parallellen zu Ingeborg Bachmann's Werken hier findest, das ist mein Lichtblick des Tages...

    Liebe Gruesse aus downunder
    von Lailany

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